1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Mit »Theo« ging es auf die Lahn

Erstellt:

giloka_2903_EhrungenWSVH_4c
Verdiente Mitglieder: Walter Müller ehrt Michael Berkowski und Holger Weis (von links) im Namen des Sportkreises Gießen. © Jung

Der Wassersportverein »Hellas« Gießen holt seinen 100. Geburtstag mit zwei Jahren Verspätung nach. Beim Festakt im Bürgerhaus Wieseck wurden Michael Berkowski und Holger Weis geehrt.

Gießen. Aus der geplanten Feier zum 100. Geburtstag vom Wassersportverein Hellas im Jahr 2020 wurde jetzt ein Fest zum 102. Bestehen. Schuld für die Verzögerung war die Corona-Pandemie, die viele anvisierte Vorhaben im Rahmen der Feierlichkeiten verhinderte.

Beim Festakt im gut besuchten Bürgerhaus Wieseck berichtete der Vorsitzende Verwaltung, Michael Berkowski von den Vorbereitungen zum Jubiläum. Der Verein plante, sagte wieder ab und entschied sich dann im Herbst letzten Jahres für die große Geburtstagsfeier. Ihm sei nicht bekannt, was die Intention der Vereinsgründer im Herbst 1920 gewesen war, einen Sportverein zu gründen, gab er zu. Vielleicht sei es der Wunsch gewesen, nach schwerer Zeit aufgrund des Ersten Weltkriegs, in Frieden gemeinsam Sport zu treiben und Geselligkeit zu pflegen. Oder auch die Menschlichkeit vor die Politik zu setzen. Der Name Hellas sei wohl dem politischen Gedanken geschuldet, klärte Berkowski auf.

Der Jubiläumsverein habe mit seiner Gründung eine Bereicherung für die Gießener Rudersportvereine dargestellt und sei heute glücklicherweise fester Bestandteil der Gießener Sportlandschaft, sagte Bürgermeister Alexander Wright in seinem Grußwort.

Der WSV sei mehr als nur ein klassischer Wassersportverein und gehöre auch zu den traditionsreichsten. Die Gründungsgeschichte bezeichnete er als beispielhaft für viele Arbeitervereine in Deutschland. Der Verein sei mit dem sportlichen Vereinsleben, der Geselligkeit, dem Vereinsheim und dem guten Essen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Stadt bedanke sich für die wertvolle Vereinsarbeit. »Diese Arbeit, die sie leisten, kann für unsere Zivilgesellschaft nicht hoch genug geschätzt werden. Sie sind Brückenbauer zwischen den Menschen. Sie fördern das Gemeinwesen und Sie leisten viel zur Sozialisation und Integration«. Der Bürgermeister sicherte den Verantwortlichen »immer ein offenes Ohr« zu.

Landrätin Anita Schneider berichtete in ihrem Grußwort eingangs von über 1000 Wohnangeboten für die ukrainischen Flüchtlinge. »Das ist Solidarität und damit wird gezeigt, dass man gemeinsam diese Krise bewältigen kann«, unterstrich sie. 102 Jahre seien schon eine besondere Leistung, würdigte sie den Jubiläumsverein.

Über diesen Zeitraum ein Angebot zu machen, dass bei den Menschen ankomme, habe der Verein geschafft. Und die steigenden Mitgliederzahlen zeugten von den Erfolgen des umfangreichen Angebotes. Es brauche besondere Menschen, um den runden Geburtstag zu erreichen. Der Verein habe die Lahn für viele Menschen erfahrbar gemacht, dankte die Landrätin.

Für den Landessportbund Hessen und den Sportkreis Gießen sprach Walter Müller. Die Sportvereine bezeichnete er besonders in der heutigen Zeit als Kern des gesellschaftlichen Zusammenhaltes: »Zerfällt dieser, zerfällt unsere Gesellschaft«, betonte er. Am 26. September 1920 trafen sich die Gründerväter der Hellas, um einem eigenen Wassersportverein Gestalt zu geben, wie es in der Vereinschronik heißt. Festredner Reinhard Schintzke ging auf die Stationen des Vereinslebens ein.

1921 erst habe man, des Geldes wegen, den Verein in das Vereinsregister eintragen lassen können und im Sommer mit dem Boot »Theo« das Rudern auf der Lahn begonnen. Mit der Aufnahme des Vereins in den Süddeutschen Ruderverband 1922 seien dann die Voraussetzungen für sportliche Wettkämpfe mit dessen Vereinen gegeben.

Als »weitere Meilensteine« in der Vereinsgeschichte bezeichnete der Vortragende den Grunderwerb und die Errichtung eines eigenen Bootshauses. Diese positive Entwicklung endete vorläufig mit der Zerschlagung des Vereins durch die Nationalsozialisten. Der Neu- oder Wiederbeginn des Vereinslebens 1947 sei von den Besonderheiten der Nachkriegsgeschichte geprägt, sagte Schintzke.

Mit der Verfassung vom 1. Dezember 1946 gab es das heutige Hessen und damit den Ordnungsrahmen für die weitere Entwicklung des WSV. »Erinnern Sie sich an die sportlichen und gesellschaftlichen Leistungen in diesen 102 Jahren und seien Sie stolz darauf«, appellierte er an die Verantwortlichen und ergänzte: »Bewahren Sie sich einen guten Kompass für die kommende Zeit«. Schintzke schloss seinen Vortrag mit den Worten: »Drum Ihr stolzen Hellasbrüder und Hellasschwestern haltet Euer Wort, haltet Euren Verein in Ehren, dass er blühe fort!«

Walter Müller ehrte den Vorsitzenden Verwaltung, Michael Berkowski und Holger Weis mit der Verdienstnadel für besondere Verdienste im Sport. Musikalisch umrahmten den Festakt Evi Will und die Gruppe »Brummtopf«.

giloka_2903_GruppeBrummt_4c_1
Die Gruppe »Brummtopf« sorgte für Livemusik. © Jung

Auch interessant