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Mit »Wallace« zum Nordkap

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Bei der Spendenübergabe: Dominika Ludwig und Minke Bach vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst, Polizeipräsident Bernd Paul, Timm Klingelhöfer und Alice Pfaff (von links) mit »Wallace«. Foto: Wißner © Wißner

Timm Klingelhöfer und Alice Pfaff, beide beschäftigt am Polizeipräsidium Mittelhessen, sammeln auf der Baltic Sea Circle über 10 000 Euro für Kinder- und Jugendhospizdienst Gießen.

Gießen. »Es hat großen Spaß gemacht«, fasst Timm Klingelhöfer kurz und knapp seine Eindrücke von der Baltic Sea Circle Rallye zusammen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Alice Pfaff hat er die Tour absolviert, die letztendlich zu einem tollen Spendenbetrag für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst (AKHD) Gießen geführt hat: Einen Spendenscheck über 10 437 Euro überreichten Klingelhöfer und Pfaff an die beiden Koordinatorinnen des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Minke Bach und Dominika Ludwig.

Beide sind beim Polizeipräsidium Mittelhessen tätig, deshalb war auch Polizeipräsident Bernd Paul bei der Spendenübergabe dabei, und zwar in doppelter Funktion: zum einen als Dienstherr, der die Aktion seiner Mitarbeiter über die Homepage des Polizeipräsidiums unterstützt hat, und auch als Vorstandsmitglied der »Tour der Hoffnung«, die die Hälfte der Spendensumme beigesteuert hat.

Der Baltic Sea Circle ist die nördlichste Abenteuer-Charity-Rallye der Welt. Zu den Bedingungen der Teilnahme gehört neben einem mindestens 20 Jahre alten Fahrzeug auch die Aufgabe, mindestens 750 Euro an Spendengeldern für einen caritativen Zweck nach Wahl einzuwerben. Die Startgebühr von 980 Euro für ein Zweierteam musste zudem entrichtet werden. Dies war alles so für 2021 geplant, doch aufgrund von Corona wurde die zehnte Auflage dieser 2011 ins Leben gerufenen und auf 250 Teilnehmer beschränkten Veranstaltungsreihe auf 2022 verschoben.

So gingen Klingelhöfer und Pfaff mit »Wallace«, ihrem Toyota Land Cruiser J9, 125 PS, Baujahr 2000 mit der Startnummer 71 und 200 000 Kilometern auf dem Tacho ins Rennen und legten während der vom 18. Juni bis 3. Juli durch neun Länder führenden Tour - von Hamburg bis zum Nordkap und zurück in die Hansestadt - insgesamt 7179 Kilometer zurück. Vom Start in Gießen waren es 8135 Kilometer - und nur eine einzige technische Panne gab es. Ab Hamburg waren GPS und Autobahn verboten. Zudem mussten Tagesaufgaben erfüllt werden, die in einem »Roadbook« aufgeführt waren. Da musste etwa ein Zöllner eine Unterschrift auf dem Auto leisten oder eine Ziege auf dem Beifahrersitz Platz nehmen - und dies per Foto dokumentiert werden.

Schnell habe nach der Entscheidung zur Ralley-Teilnahme auch der Spendenzweck festgestanden: Kinder und Hospiz. Und weil ein befreundetes Paar schon einmal die Dienste des AKHD in Anspruch genommen hatte, wurde dieser als Spendenempfänger angegeben.

Angespornt beim Spendensammeln wurde das Paar durch den zu Beginn des Jahres verstorbenen AMC-Vorsitzenden Gerhard Becker, der als Organisator der Tour der Hoffnung eine Verdoppelung der Spendensumme durch den Verein zusagte. Und diesem Versprechen fühlte sich auch der Vorstand des mittlerweile neu gegründeten Vereins verpflichtet.

Sponsoren konnten sich auf dem Fahrzeug einen Platz sichern - und davon gab es reichlich, selbst das Wappen des Polizeipräsidium Mittelhessen ist vertreten.

Ein Filmbeitrag über die Rallye auf Youtube und die Tatsache, dass sein Vater vor vier Jahrzehnten ebenfalls mit dem Auto zum Nordkap gefahren war, weckten bei beiden die Begeisterung, einen Urlaub in anderer Form zu machen. Von ihrem Polizeikollegen Sven Franke und dessen Aktion »Running for Children« wurden beide bei dem Aufbau ihres Projektes unterstützt.

Auch wenn vom Veranstalter hinsichtlich der Übernachtungen alle Freiheiten gelassen wurden, so entschieden sich Klingelhöfer und Pfaff für Übernachtungen im zwei Quadratmeter großen Dachzelt.

Am siebten Tag wurde nach einer 580 Kilometern langen Tagesetappe gegen 3.30 Uhr in der Nacht das ersehnte Nordkap erreicht. »Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen - neun Länder in einem so übersichtlichen Zeitfenster zu bereisen ist Urlaub auf eine etwas andere Art und Weise. Die gewohnte Komfortzone zu verlassen und zu sehen, dass wenige Dinge für den Alltag benötigt werden, bedeutet gleichwohl Überwindung«.

Der Spendenbetrag soll zum größten Teil für einen im Februar beginnenden Kurs verwendet werden, in dem ehrenamtliche Mitarbeiter in fünf Monaten auf ihre Hospizarbeit vorbereitet werden.

Interessenten für den Ehrenamtskurs können sich telefonisch unter 0641/5591644 oder auch per Mail an giessen@deutscher-kinderhospizverein.de informieren.

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