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Mit wippenden Fußspitzen

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Lich. Eine schöne musikalische Abwechslung brachte das Gastspiel des aus Botswana stammenden Trompeters Socca Moruakgomo mit seiner Band Kalahari Roses am Mittwochabend im Licher Kino Traum-stern. Der elegant gemachte und durchweg betanzbare Musikteppich der Gäste mit einer Kombination aus afrikanischen Grundelementen, gekreuzt mit Blues- und Jazz-Zutaten und nicht zuletzt einer ansteckenden Portion Spielfreude, versetzte die Zuschauer in ausgezeichnete Stimmung.

Die Formation begann mit einem bluesigen Reggae, der einen sanften Drive und unwiderstehlichen Groove besaß. Der riss bis zum Ende des Konzerts nicht mehr ab und hielt die meisten Fußspitzen am Wippen. Ein nach Fender klingendes Keyboard passte gut zu der jazzigen Grundauffassung, und ein angenehm erzählerisches Bass-Solo machte sogleich Appetit auf mehr. Moruakgomo sang dazu in der Landessprache Botswanas, was eine unmittelbare Einschränkung mit sich brachte: Als Besucher verstand man nicht das Geringste, außer vielleicht bei einigen englischen Einsprengseln.

Dafür bot das Sextett mit Moruakgomos Trompetenspiel und Gesang plus Bass, Schlagzeug, Gitarre, Keyboards sowie Geige praktisch unbegrenzte Klangmöglichkeiten. Im nächsten Titel offenbarte sich eine weitere Qualität des souverän agierenden Ensembles, der mehrstimmige Gesang. Offenkundig durch langjährige Erfahrung geprägt, fügten sich bis zu zwei Begleitstimmen mit Moruakgomos Solostimme zu einem wohlklingenden Chor. So beiläufig das geschah, so präzise und rund war das Ergebnis. Gerade der Schlagzeuger hatte offenbar eine Riesenfreude beim Singen und strahlte fast ununterbrochen. Immer wieder kam es auch zu gelungenen Interaktionen der diversen instrumentalen Stimmen. Das lockerte das Geschehen auf und setzte das eine oder andere Glanzlicht.

Profimusiker aus Botswana

Voller Schwung setzte sich Geiger Norbert Völker in Szene. Sein leicht verzerrter Instrumentenklang passte vollkommen ins Geschehen, und Anklänge an die Western-Fiddle würzten die Sache zusätzlich - musikalische Grenzen wurden hier beherzt eingerissen. So waren Titel mit einem besonders tanzbaren, geschmeidigen Groove zu erleben. Auch poppige Elemente wurden bisweilen eingebaut, die das Spektrum dieser bemerkenswerten Band kräftig erweiterten: Von Afrobeat über Jazz bis Pop ging es um das gemeinsame Fließen und die Freude am Spiel. Das konnte durchaus länger dauern, fünf Minuten pro Titel waren keine Seltenheit.

Dennoch stellte sich nach einer Weile eine gewisse musikalische Eintönigkeit ein - auf sehr hohem Niveau allerdings. Das Fußwippen mochte man als Besucher trotzdem nicht einen Moment unterlassen, die Extremität machte sich quasi selbstständig.

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