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Mit Wissen auch gesellschaftliche Krisen bewältigen

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In der Uni-Aula gab es viele lobende Worte über den FCMH zu hören. © Katrina Friese

JLU Gießen, TH Mittelhessen und Uni Marburg ziehen nach mittlerweile fünf Jahren Forschungscampus Mittelhessen ein überaus positives Zwischenfazit und berichten von Erfolgen.

Gießen (fod). »Miteinander einzigartig«: Diese zwei Worte prangten am Mittwoch in großen Lettern von der Bühne der Uniaula und beschrieben perfekt, was es an diesem Tag zu feiern gab, nämlich fünf Jahre Forschungscampus Mittelhessen (FCMH). Die unter diesem Dach laufende hochschulübergreifende Kooperation von Justus-Liebig-Universität (JLU), Technischer Hochschule Mittelhessen (THM) und Philipps-Universität Marburg hat in den wenigen Jahren ihres Bestehens bereits ungefähr ein Dutzend wissenschaftliche Schwerpunkte und Profilbereiche hervorgebracht. Das reicht von Digitaler Medizin über Raumfahrtanwendungen bis hin zu Sicherheits- und Klimafolgenforschung.

»Der Grundgedanke war, wie wir einen Mehrwert für alle erreichen können«, blickte Prof. Joybrato Mukherjee zu Veranstaltungsbeginn zurück auf die Anfänge des FCMH. Zudem sei es darum gegangen, »aus dem Wettbewerbsdenken rauszukommen«, so der JLU-Präsident. Denn bei der Suche nach Fördermitteln für die Forschung müssten alle drei Hochschulen immer wieder erfahren, dass der Einzelne »für vieles zu klein ist«. Gemeinsam jedoch stiegen die Chancen, »im Wettbewerb mit den großen Tankern« mithalten zu können. Schon aus den vielfältigen Kooperationsvorhaben der Jahrzehnte davor wusste man, dass es zwischen den drei Hochschulen »viele Synergieeffekte gibt«, die es zu nutzen gilt, sagte Prof. Matthias Willems. Beispielhaft dafür nannte er »die immer sehr kostenintensive IT«.

Vorteil Netzwerk

Als mit den größten Erfolg wertete der THM-Präsident die eingerichtete Plattform, um den begehrten Titel »Dr. Ing.« verleihen zu können, was vorher nicht möglich war. Auch hochschulübergreifende Gründungen, »in denen wir uns gut ergänzen«, machen für ihn den Forschungscampus zu »einem Gewinn für alle Drei, und auch für die Region«. Was den FCMH ebenfalls »attraktiv macht, ist sein Netzwerk«, hob Prof. Thomas Nauss, Präsident der Uni Marburg, hervor. Diese Anziehung übe es auf außeruniversitäre Institute wie auch »viele mittelständische Unternehmen« aus, die an Kooperationen mit den Hochschulen interessiert oder diese bereits eingegangen sind.

Die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn lobte die FCMH-Mitglieder dafür, mit ihrem Netzwerk »eine Identität zu leben, mit der es für jeden der drei Partner ein Mehr gibt«. Darüber hinaus brauche es heutzutage »Forschung über Grenzen hinweg, instituts- und regionenübergreifend«, um Krisen wie beispielsweise die Corona-Pandemie zu bewältigen. Auch die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Katja Becker, schickte per Videobotschaft Glückwünsche. Lange Jahre selbst als Forscherin und Vizepräsidentin an der JLU tätig, hob sie hervor, dass es gelte, »alle Ressourcen zu nutzen«, um Herausforderungen wie Klimawandel oder Biodiversitätskrise zu begegnen. »Das wissenschaftliche Wissen zur Bewältigung gesellschaftlicher Krisen wird immer wichtiger«, betonte sie.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion zeigte sich Dr. Lars Witteck als echter Fan des Forschungscampus. So habe der FCMH schon jetzt einen großen Anteil an der »Schaffung hochwertiger neuer Arbeitsplätze in unserer Region«, berichtete der Vorstand der Volksbank Mittelhessen und Präsident der Von Behring-Röntgen-Stiftung. Passend dazu »hat sich in den letzten Jahren extrem viel im Start-up-Bereich getan«, ergänzte Witteck und bescheinigte dem FCMH, auch viel für die Wissenschaftskommunikation in die Bevölkerung hinein zu tun.

»Im Verbund ist man stärker«, brachte es Prof. Katja Fiehler auf den Punkt. Die JLU-Wissenschaftlerin ist eine der Verantwortlichen beim Campus-Schwerpunkt »Geist, Gehirn und Verhalten« und hofft schon allein deshalb, dass der FCMH »noch ganz lange besteht und wir eine stabile Finanzierung haben«. Prof. Keywan Sohrabi (THM, Schwerpunkt »Digitale Medizin und E-Health«) machte sich zudem dafür stark, dass »die Frauenförderung noch mehr im Vordergrund steht«.

Mit Blick auf die kommenden Jahre des FCMH zeigte sich Willems überzeugt, dass sich »immer wieder neue gemeinsame Forschungsmöglichkeiten ergeben werden«, darunter auch solche, »an die wir heute noch gar nicht denken«. Aus Sicht von Mukherjee »entscheidet sich die Zukunft Deutschlands in Regionen wie unserer und nicht in den großen Metropolen«. Bei dieser Entwicklung wollten der Forschungscampus und somit auch die drei Hochschulen ihren Teil dazu beitragen, die Region Mittelhessen nach vorne zu bringen.

Die Veranstaltungsreihe zum Jubiläum wird mit drei weiteren Terminen fortgesetzt. Nähere Infos unter: https://jubilaeumsreihe-fcmh-2022.com/

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