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Mitarbeiter »förmlich überrannt«

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An der JLU gibt es für Ukrainer eine »sehr große Unterstützungsbereitschaft«. © Docter

Das Gremium der Gießener Universität befasste sich mit den Folgen des Ukraine-Kriegs, dem Start in »ein mehr oder weniger normales« Sommersemester und noch so einigem mehr.

Gießen . Die Folgen des Ukraine-Kriegs sind auch an der Justus-Liebig-Universität (JLU) zu spüren. So berichtete Prof. Joybrato Mukherjee bei der Senatssitzung am Mittwoch, dass die im Akademischen Auslandsamt für Beratung zuständigen Mitarbeiter »förmlich überrannt werden«. Die Unterstützungsbereitschaft sei überall »sehr groß«. Als eine der ersten Maßnahmen hat die JLU zusammen mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und der Philipps-Universität Marburg einen Hilfsfonds in einem Gesamtumfang von 100 000 Euro eingerichtet. Zudem sind bereits Sprachkurse geplant. Mit den Partneruniversitäten und -instituten in der Ukraine versuche man die Gesprächskanäle offenzuhalten, soweit das die Kriegshandlungen erlaubten. Im Falle der russischen Partner hingegen seien »alle Kontakte eingefroren und es werden auch keine Fördermittel weitergeleitet«, teilte Mukherjee mit. Man müsse hierbei jedoch unterscheiden zwischen Regierung und Einzelpersonen. »Die JLU ist kein Ort für Diskriminierung«, mahnte er einen fairen Umgang mit russischstämmigen Angehörigen der Universität an, die hier ebenso wie Ukrainer zahlreich unter Studierenden und Wissenschaftlern zu finden sind.

Der Beginn des Sommersemesters rückt immer näher, am 11. April geht es an der JLU mit den Vorlesungen los. Nach Corona-bedingt zwei rein digitalen Semestern und einem Winter mit ersten Lehrangeboten vor Ort plant die Hochschule unter dem Eindruck fortschreitender Lockerungen in der Gesellschaft für den Sommer »ein mehr oder weniger normales Präsenzsemester«, wie es Mukherjee bezeichnete. Die Hörsäle sollen wieder voll ausgelastet werden, allerdings »weiter mit Maskenpflicht«. Denn ganz ohne Schutzmaßnahmen soll es nicht abgehen. Zudem appellierte der JLU-Präsident an die »Eigenverantwortung« aller Studierenden und Beschäftigten. Kommende Woche wolle sich der zu Pandemiebeginn eingerichtete Krisenstab »noch mal zusammensetzen« und bezüglich des Vorlesungsstarts »endabstimmen«. Wobei die jeweils gültigen Regelungen und Änderungen auf Landesebene stets Einfluss auf die Entscheidungen haben. Im Wintersemester habe bislang »alles gut geklappt«, meinte Mukherjee, »daher sehe ich auch keinen Grund für Einschränkungen«.

Schon heute werden hochrangige JLU-Vertreter die Zielvereinbarungen mit dem Land Hessen unterschreiben. Darin geht es um nichts Geringeres als die Weiterentwicklung der Gießener Universität in den kommenden Jahren. Auch alle übrigen 13 staatlichen Hochschulen Hessens müssen sich diesem Prozess unterziehen. Die in Wiesbaden beschlossenen Zahlen sehen bis 2025 die Einrichtung 31 zusätzlicher Professuren an der JLU vor. In Verbindung mit den leicht zurückgehenden Studierendenzahlen werde sich somit die Betreuungsrelation von derzeit einer Professur auf 328 Studierende auf eins zu 299 verbessern, berichtete Mukherjee. Darüber hinaus werden sich in diesem Zeitraum die dauerhaften Beschäftigungsverhältnisse beim wissenschaftlichen Personal von derzeit 276,9 um 27,1 erhöhen. Mit Letzerem seien »stärker planbare Karrierewege« verbunden, etwas, »was wir schon seit Jahren diskutieren«, zeigte sich der Unipräsident auch hiermit zufrieden. Die Beschlussvorlage des Landes wurde von den Senatsmitgliedern bei nur einer Enthaltung einstimmig angenommen.

Mit einer Verzögerung von über zwei Jahren »dank« Cyber-Attacke und Pandemie wird nun endlich ein Projekt angegangen, das Prof. Katharina Lorenz nicht nur wegen des straffen Zeitplans als »ambitioniert« bezeichnete: der Strategieprozess Studium und Lehre. Die genau für diesen Bereich zuständige JLU-Vizepräsidentin führte aus, wie dies bis zum Sommer 2023 ablaufen soll. Demnach werden neben einer Senatskommission vier Arbeitsgruppen gegründet, die sich ebenso vielen Handlungsfeldern widmen sollen. So wird es vorrangig darum gehen, das Studienangebot attraktiv zu halten, die Qualitätsstandards weiter zu optimieren und somit die Studierendenzahlen zu konsolidieren. Bei alldem baut Lorenz auch auf die Mitarbeit der Dekanate der elf Fachbereiche.

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