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Miteinander und füreinander

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Die Zelebranten des Jubiläumsgottesdienstes Bundespräses Pfarrer Hans-Joachim Wahl (Mitte) Pfarrer Erik Wehner (re.) und stellvertretender Diözesanpräses Bernd Gaube. Foto: Schu © Schu

Die Kolpingsfamilie Gießen besteht seit 125 Jahren. Dieses Ereignis wurde in einem Jubiläumsgottesdienst in St. Bonifatius gewürdigt, den Bundespräses Hans-Joachim Wahl zelebrierte.

Gießen. Die Kolpingsfamilie (KF) Gießen feierte in der St. Bonifatius-Kirche in Gießen ihr 125-jähriges Stiftungsfest mit einem von Bundespräsens Hans-Joachim Wahl zelebrierten Jubiläumsgottesdienst. Zelebranten am Altar waren auch der stellvertretende Diözesanpräses Bernd Gaube und Pfarrer Erik Wehner, seit Mai 2022 leitender Pfarrer des Pfarreienverbundes Gießen.

Erik Wehner ist Nachfolger von Pfarrer Wahl, der seit Februar dieses Jahres Bundespräses des Kolpingwerks ist und nun in Köln beheimatet ist. Der 1960 geborene Hans-Joachim Wahl war von 2011 bis Januar 2022 Pfarrer in Gießen und Präses der KF Gießen, wurde Leiter des katholischen Pfarreienverbundes und Dekan.

Mit den Zelebranten und Messdienern zogen Bannerträger der KF Schlitz, KF Herb-stein, KF Gießen (auch mit der Gründungsfahne von 1897) sowie des Kolping-Diözesanverbandes (DV) Mainz mit Sitz in Offenbach in die gut besetzte Bonifatius- Kirche ein. Zu Beginn des festlichen Gottesdienstes überraschte Bundespräses Wahl den erst seit wenigen Wochen im Amt stehenden und neu gewählten stellvertretenden Diözesanpräses Bernd Gaube mit der Überreichung der Stola. Pfarrer Wahl, der über viele Jahre hinweg die KF Gießen als Präses begleitete und dies bei seiner Predigt mit in Erinnerung rief, zeigte sich glücklich, mit vielen bekannten Gesichtern in seiner alten Heimat diesen besonderen Gottesdienst feiern zu können. Im Rahmen dessen wurde der Gießener Kolpingbruder Günter Enenkel für seine 65-jährige Mitgliedschaft von Bundespräses Wahl und der Vorsitzenden der KF Gießen, Elisabeth Rühl, geehrt.

Im Anschluss des Jubiläumsgottesdienstes wurde in dem in unmittelbarer Nähe zur Kirche stehenden Martinshof das gemeinsame Mittagessen eingenommen, dem die Feier und Festakt mit Mitgliedern der KF Gießen sowie den Abordnungen der zuvor erwähnten Kolpingfamilien, zu denen auch Pohlheim gehörte, folgte.

»125 Jahre Kolpingsfamilie Gießen ist eine große Zahl, hat eine lange Geschichte und Verbindung zu diesem Grund und Haus. Früher der Saalbau, danach der Martinshof mit der Altentagesstätte und Kolpingraum, in dem sich die KF getroffen hat, gleich welchen Anlass, egal ob Rosenmontag, Stiftungsfeste, Nikolaus- oder Adventsfeier. Das war unser zweites Zuhause und deshalb feiern wir heute in diesen Räumen«, wie Elisabeth Rühl bei ihrer freudigen Begrüßung feststellte. Die Vorsitzende ließ noch einmal die letzten Jahre Revue passieren. Die Jahre der Pandemie sowie der Angriffskrieg von Russland in der Ukraine haben der KF gezeigt, wie wichtig es ist, Menschen zu helfen. Die KF Gießen hat in all den Jahren Hilfstransporte gleich welcher Art in aller Welt verschickt und das bis zum heutigen Tag. Die Flüchtlingshilfe ist ihnen ebenfalls sehr wichtig.

Vorsitzende Rühl hob hervor, dass in 1978 ein Chorfenster in der St. Bonifatius-Kirche von den Kolpingmitgliedern sowie das »Ewige Licht« in der Kapelle gespendet wurde, ferner der Weihwasserkessel in der Kirche Maria Frieden in Heuchelheim. Ab 1982 wurde durch die Erlöse der Trödelmärkte auf dem Pfarrhof sowie in der Innenstadt die Missionsstation in Südafrika unterstützt. Darüber hinaus gehören auch die Unterstützungen der Kinderhospiz in Gießen, Aktion Lichtblicke, seit dem Jahr 2005 Hilfstransporte für die Ukraine-Moldawien-Hilfe, die vielen Flutopferunterstützungen, egal ob im Indischen Ozean, Philippinen. Pakistan oder auch im deutschen Ahrtal dazu.

Die Vorsitzende verwies in ihrer Ansprache darauf, dass es mit der Gemeinde St. Bonifatius ganz viele gemeinsame Einsätze gab (darunter Pfarrfest und Rabatz in Bonifatz), die mit viel Freude und Erfolg gekrönt waren. Die KF Gießen engagiert sich seit vielen Jahren bis zum heutigen Tag mit Projekten auch im Sprach-und Förderzentrum in der Adolph-Kolping-Straße in Gießen. Jugendwerkstatt, Kolping-Feriendorf Herbstein und auch an der Aktion »Weihnachten im Schuhkarton« für Kinder in Moldawien.

Neben den Grußworten und Glückwünschen von Bundespräses Pfarrer Hans-Joachim Wahl, Bernd Gaube, Pfarrer Erik Wehner, Clemens Euler (Geschäftsführer DV Mainz) und Gudrun Gommes (Geistliche Leitung DV Mainz) gratulierten die Vorsitzenden der KF Schlitz (Lydia Jöckel) und KF Pohlheim (Erwin Müller) mit einem finanziellen Präsent.

Blickfang der Jubiläumsveranstaltung war die alte Chronik aus dem Gründungsjahr 1897 sowie eine Bilderwand, die zahlreiche Veranstaltungen, Erlebnisse und Eindrücke der KF Gießen in Erinnerung rief. Mit dem Kaffeetrinken endete ein gelungenes Fest.

Seit vielen Jahren sammelt die KF Gießen für Kolping International auch abgestempelte Briefmarken. Die daraus erzielten Erlöse fließen in die weltweiten Bildungsmaßnahmen für junge Menschen. Die Jubiläumsfeier wurde von Kolping-Mitglied Alois Ehler zum Anlass genommen, dem Bundespräses ein großes, schweres Paket mit Briefmarken aus der täglichen Post zu übergeben, das er mit auf den Weg nach Köln nimmt.

Die Historie der Kolpingfamilie Gießen erläutert Elisabeth Rühl: Am 8. August 1897 gründeten 28 Männer in Gießen den Gesellenverein in der Frankfurter Straße 30, im »Rheinischen Hof«, der heutigen Pizzeria »Adria«. Der Gesellenverein wurde 1930 offiziell in »Kolpingsfamilie Gießen« umbenannt. Der katholische Priester Adolph Kolping - 1991 durch Papst Johannes Paul II seliggesprochen - war selbst Schustergeselle und durfte daher wohl am eigenen Leib erfahren, dass das Leben als Handwerkergeselle sehr hart war. Die Gesellen lebten früher bei den Handwerkerfamilien. Dieser familiäre Anschluss zerfiel mit der Industrialisierung und die Gesellen mussten in Herbergen und Wirtshäusern Unterkunft suchen. So wie die Zeit dem Wandel unterliegt, so hat sich auch die Kolpingsfamilie Gießen den Erfordernissen der Zeit angepasst. Die KF Gießen ist im Laufe der Jahre gewachsen und seit Ende der 1960er Jahre dürfen auch Frauen eigenständige Mitglieder sein Heute machen sie die Hälfte der Gießener Kolpingsfamilie aus. Die Kolpingsfamilie ist eine Gemeinschaft mit der Erkenntnis: »Miteinander und füreinander« handeln, leistungsfähig und lebenswert sein. Die KF Gießen hatte 2005 die Patenschaft übernommen und das Banner gespendet, als die KF Pohlheim gegründet wurde. Zwischen den beiden Kolpingsfamilien besteht eine gute, enge Verbindung. (jüs)

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Alois Ehlert übergibt an Bundespräses Wahl für Kolping International ein schweres Paket mit Briefmarken. Foto: Schu © Schu

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