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Mitgliedsbeiträge verdoppelt

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Eduard Alter © Klaus-Dieter Jung

Die Justus-Liebig-Gesellschaft Gießen ist auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. Eine davon wurde auf der Mitgliederversammlung gefunden: Die Beiträge wurden verdoppelt.

Gießen. Sieben Monate nach der letzten Mitgliederversammlung trafen sich erneut die Mitglieder der Justus-Liebig-Gesellschaft Gießen zur Versammlung über den Berichtszeitraum 2021. Das habe »juristische Gründe«, machte der Vorsitzende Prof. Eduard Alter den Anwesenden klar. Der Finanzbericht habe vorgelegt werden müssen.

Traditionell findet die Versammlung im Mai in den Räumen des Liebig-Museums statt. Das war jetzt nicht möglich, weil die Corona-Zahlen im April so hoch gewesen seien, deshalb wich die Liebig-Gesellschaft auf den Netanya-Saal im Alten Schloss aus. An die 20 Gäste begrüßte Alter. Ausgetreten sind seit November 2021 zwei Mitglieder, derzeit hat der Verein 377 Mitglieder, eingetreten sind sieben.

Dank an THM

Die Haupteinnahmequelle neben den Mitgliedsbeiträgen und Spenden sind die sehr beliebten Experimentalvorlesungen. Alter dankte Experimentatorinnen und Experimentatoren für ihren großartigen Einsatz. Es wurden außerdem einige Führungen nach Anmeldung durchgeführt. Ansonsten ist das Museum weiterhin nicht geöffnet für Tagesbesucher, da die Bezahlung der Damen und Herren im Tagesbüro noch unklar ist. Die Einnahmen durch Tagesbesucher waren bereits vor Corona bei weitem nicht kostendeckend. Bei der Bezahlung der Kräfte habe es Probleme mit der Deutschen Rentenversicherung gegeben, erläuterte der Vorsitzende. »Das kam uns teuer zu stehen!« Eine Öffnung sei nur mit stark reduzierten Öffnungszeiten möglich. Details muss der Vorstand noch erarbeiten.

Der Dank des Vorstandes ging neben den Spendern auch an das Präsidium der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), das die Liebig-Gesellschaft unter anderem mit Chemikalien unterstützte und damit erhebliche Kosten ersparte. Der Verein erhielt eine Förderung in Höhe von 11 700 Euro im Rahmen von »WissensWandel - Digitalprogramm für Bibliotheken und Archive im Rahmen von Neustart Kultur«. Ziel der Digitalisierung der Archivalien ist es, die Digitalisate einzustellen auf der Bibliotheks-Plattform Arcinsys, einem Archivinformationssystem der Landesarchive Hessen und Niedersachsen. Digitalisiert werden sollen die Liebig-Briefe und die von Franziska Müller gesichteten und geordneten Dokumente der Justus Liebig-Gesellschaft von 1910 bis heute. Zunächst sollen die Liebig-Briefe digitalisiert, möglichst schnell auf der Plattform Arcinsys eingestellt und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Initiatoren meinen, »dies wäre für die Wissenschaft eine Sensation«. Es liegen 1836 Liebig-Briefe vor, die handschriftlich numerisch aufsteigend in einem Findbuch erfasst sind. Mittlerweile ist die Digitalisierung der Liebig-Briefe abgeschlossen. 4070 Euro kostete die Digitalisierung, sie wurde durch Verwendung von Spendengeldern finanziert.

Als nächstes ist geplant, die Dokumente der Justus Liebig-Gesellschaft von 1910 bis heute zu digitalisieren. In diesem Monat kann der Auftrag dazu erteilt werden. Eine Arbeitsgruppe wurde eingerichtet, die ein Konzept erarbeitete. Dazu Prof. Alter: »Mit diesem Konzept werden wir für die nächsten Jahre eine sichere Grundlage und einen klar definierten Rahmen für weitere Maßnahmen und Anträge haben«. Die nach einem Einbruch zertrümmerte Gipsbüste von August Wilhelm von Hofmann wird derzeit von einer Restauratorin wieder hergestellt. Die geschätzten Kosten von rund 4000 Euro werden voraussichtlich vollständig von der Versicherung übernommen. Die Arbeiten werden bis September dauern.

»Wir brauchen eine professionelle Struktur«, forderte der Vorsitzende. Er setzte sich dafür ein, die Einnahmequellen zu erweitern. Über eine stimmte die Versammlung einstimmig ab: Der Beitrag für Einzelpersonen wurde von mindestens 25 Euro auf 50 Euro erhöht, juristische Personen zahlen künftig statt 125 Euro den Betrag von 250 Euro. Es kam der Vorschlag auf, Spendenboxen bei den Experimentalvorführungen aufzustellen und Leute gezielt zur Mitgliedschaft anzusprechen.

Als »zartes Pflänzchen« bezeichnete der stellvertretende Vorsitzende, Prof. Gerd Hamscher, die Gespräche mit den Stadtwerken Gießen zur Versorgung mit Fernwärme des Liebig Museums. Die Investitionssumme bewege sich im sechsstelligen Bereich. Der Rotary Club will eine Spendenplattform mit dem Slogan «Nachhaltige Wärme für Liebig« einrichten. Von der Firma Viessmann wurde eine Holzpelletheizung vorgeschlagen. Dies muss mit der Denkmalschutzbehörde diskutiert werden.

Ilona Döring, die seit Dezember die Finanzen verwaltet, trug den Finanzbericht vor. Einstimmig verabschiedete die Versammlung auch den Haushaltsplan 2022. Beisitzer Manuel Heinrich berichtete über die Öffentlichkeitsarbeit und neue Kooperationen. Erfolgreich nahm der Verein am Gießener Museumsfest und dem Internationalen Museumstag teil. Heinrich kündigte »Liebigs Suppenfest« am 6. November an.

Als sehr bedauerlich bezeichnete der Vorsitzende die Ankündigung der Firma Clariant SE, dass sie zum Ende des Jahres 2022 austreten wird. Doch der Vorsitzende hofft noch auf Umstimmung, nachdem ein Mitglied einen Brief an den Vorsitzender des Verwaltungsrates der Clariant AG, Schweiz geschrieben hat, in dem auf die besondere Verbindung mit Justus Liebig hingewiesen wurde. Justus Liebig war 1857 Mitbegründer der Bayrischen Aktiengesellschaft für chemische und landwirtschaftlich-chemische Fabrikate, BAG, der späteren Südchemie, die von Clariant übernommen wurde.

Foto: Jung

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