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Möglichst schnell Arbeit finden

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Wie Geflüchtete aus der Ukraine in Gießen von Ausländerbehörde und Arbeitsagentur unterstützt werden. Eine junge Frau aus Kiew berichtet von ihren bisherigen Erfahrungen.

Gießen . Nicht rumsitzen, bis der Krieg zu Ende ist, sondern zur Arbeit gehen und eigenes Geld für sich und die Familie verdienen: Diesen Wunsch haben auch in Gießen viele Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor den russischen Angriffen nach Deutschland geflohen sind. Zumal ungewiss ist, wann eine Rückkehr in die Heimat möglich sein wird oder ob es überhaupt dazu kommt. Eine der Arbeitssuchenden ist die 29-jährige Julia Kozachynska aus Kiew. Im Gespräch mit dem Anzeiger erzählt die junge Frau, gerne als Fotografin arbeiten zu wollen, zumal das auch privat ihre Leidenschaft sei. Doch geht das mit dem Arbeiten und Geldverdienen für ukrainische Geflüchtete überhaupt so einfach? Und wie viele Personen haben hierfür bereits konkrete Schritte unternommen? Wir haben bei der Arbeitsagentur und der Ausländerbehörde der Stadt Gießen nachgefragt.

Vor Erlaubnis Identität klären

Ohne offizielle Erlaubnis geht jedenfalls schon mal nichts. Wenngleich dank Sonderverordnungen von Bund und Land Ukrainer »nicht in Asylverfahren müssen, um gesichert zu sein«, und dadurch auch »schnell soziale Hilfsleistungen erhalten«, wie Magistratssprecherin Claudia Boje deutlich macht. Um die Arbeitserlaubnis bei der Ausländerbehörde im Rathaus zu bekommen, sei es »relevant«, einen Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis gemäß Paragraf 24 des Aufenthaltsgesetzes zu haben. Für deren Erteilung sei in der Regel die Identität zu klären. »Im Großteil der Fälle liegen ukrainische Dokumente vor. Andernfalls wird auch zur Vorsprache beim ukrainischen Konsulat in Frankfurt/Main aufgefordert«, berichtet sie.

Da es einige Zeit in Anspruch nimmt, dann einen Aufenthaltstitel zu bekommen - bis Ostern lagen laut Boje in Gießen rund 500 solcher Anträge vor, wovon bis zu jenem Zeitpunkt 150 genehmigt worden waren -, verfolge man in der Ausländerbehörde die Praxis, nach der Anmeldung des Wohnsitzes zunächst eine sogenannte Fiktionsbescheinigung auszustellen. Mit dieser dürfe der Empfänger eine Arbeit aufnehmen. Die Wohnsitzmeldung wiederum sei die Voraussetzung zum Bezug von Sozialleistungen und Krankenversorgung.

»Derzeit sind die Kolleginnen und Kollegen bei der Ausländerbehörde dabei, die Fiktionsbescheinigungen mit Hochdruck zu bearbeiten und zu versenden. Das Ziel ist, alle bis zum Ende der Osterferien versandt zu haben«, lässt die Stadtsprecherin wissen.

Julia Kozachynska hat derweil ihre Arbeitserlaubnis bereits bekommen, und das »schon drei bis vier Tage nach meinem Termin auf der Ausländerbehörde«, auf den sie wiederum etwa einen Monat lang gewartet habe, erzählt sie.

Ab Juni vom Jobcenter betreut

Die 29-Jährige zeigt sich positiv überrascht, dass das Ganze doch recht schnell und einfach vonstattengegangen sei. Schließlich weiß sie auch aus der Heimat um die oftmals langsam mahlenden Mühlen der Bürokratie. »Das ist in der Ukraine nicht viel anders«, meint Kozachynska.

Wer seine Fiktionsbescheinigung erhalten habe, müsse dann allerdings noch mal persönlich auf der Ausländerbehörde erscheinen, um auch noch seinen Aufenthaltstitel in Form einer ID-Karte zu bekommen, ergänzt Claudia Boje. »Das wird nach und nach geschehen. Es entsteht aber kein Nachteil für die Menschen. Wir versuchen so, möglichst schnell alle mit dem Wichtigsten zu versorgen«, betont die Vertreterin der Stadt.

Bei der Arbeitsagentur Gießen hatten sich zumindest bis zu den Osterfeiertagen »nur sehr wenige geflüchtete Ukrainer arbeitssuchend gemeldet«, teilt Pressesprecherin Nadine Speier mit. Ihrer Ansicht nach »liegt das sicherlich nicht unerheblich daran, dass viele Frauen mit Kindern ankommen. Insbesondere hier geht es zunächst um Schutz und Sicherheit«.

Die Fiktionsbescheinigung erlaube die Erwerbstätigkeit sowohl als Arbeitnehmer als auch Selbständiger, führt Speier im Weiteren aus. Und weiß schon von der nächsten Änderung zu berichten: Nach einem kürzlichen Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz »werden die Geflüchteten aus der Ukraine ab dem 1. Juni in den Jobcentern betreut. Hier wird Leistung und Beratung in der Grundsicherung gebündelt«, erklärt sie. Foto: Docter

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