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»Mogelpackung« zum Knüllerpreis

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So wurde das Streichfett im »Blättchen« angepriesen - doch der Inhalt der Rama-Becher im Supermarktregal betrug nur 400 Gramm. Foto: Ewert © Ewert

20 Prozent Differenz zwischen Sein und Schein - oder wie Kunden verhohnepipelt werden - nicht nur in Supermärkten in Gießen. Ein Beispiel: Werbung für Rama-Margarine.

Gießen. Absicht möchte man in diesem Falle den Zuständigen, Verantwortlichen oder wie immer Beteiligten zunächst einmal nicht unterstellen. Ausschließen allerdings - gleichwohl unbewiesen - mag man dies als (leid-)geprüfter Verbraucher per se aber auch nicht. Zu viele einzelne Beispiele dieser Art sind gerade in jüngster Zeit leider erinnerlich. Worum geht es? Um Werbung für einzelne Lebensmittel. Um die Werbung auf der einen und um die Erfahrung beim Kauf vor Ort andererseits.

»Tatort«: Ein großer Gießener Supermarkt, den es aber auch - mit dem gleichen Werbeblättchen - in Wetzlar - und darüber hinaus in vielen anderen Orten bundesweit, laut Internet 750 Mal, gibt. »Tatzeit«, sprich Zeitpunkt des Einkaufs: Montagvormittag. Denn bei günstigen Angeboten ist schnelles Handeln und Hinfahren angesagt. Neben anderen Artikeln, die man ohnehin besorgen wollte, stand die Pflanzenmargarine »Rama« im Fokus.

89 Cent für 500 Gramm

89 Cent für den 500-Gramm-Becher. So stand es am Wochenende zuvor im Prospekt. Grund genug, in Zeiten teils drastisch steigender Lebensmittelpreise - siehe Butter - und einer insgesamt scheinbar immer unsicherer werdenden nahen Zukunft, recht früh am Montag den Weg ins Warenhaus anzutreten. Und siehe da: das Regal mit der Margarine war bereits ordentlich frequentiert worden, wie viele leere und nur noch einige volle Kartons mit dem besagten Pflanzenfett zum Kochen, Backen und aufs Brot streichen bewiesen.

Dass pro Einkäufer nur maximal fünf Margarinebecher abgegeben wurden, ist eine durchaus vernünftige Regelung. Auch wenn sie manchen Verbraucher dazu verleitet, sich nach dem Verstauen der ersten fünf Rama-Portionen im sonnenbestrahlten Auto noch ein zweites oder vielleicht gar ein drittes Mal in den Markt zu begeben, um das günstige Streichfett zu kaufen. Beim Marktpersonal und an den Kassen weiß man natürlich um diese Vorgehensweise. Und toleriert sie.

Denn in erster Linie geht es bei dieser Mengenbeschränkung selbstredend um Gerechtigkeit und damit um den Versuch, Missbrauch zum Nachteil anderer Kunden beim Einkaufen zu vermeiden.

Mindestens ebenso und in gleichfalls erster Linie geht es dem Markt darum, möglichst viele seiner Waren, in diesem Fall der Margarine, zum Angebotspreis zu verkaufen. Sei’s drum. Was allerdings den meisten Häschern nach günstiger Rama zunächst wohl nicht, dann aber per Hinweis von aufmerksamen Kunden doch auffiel, liefert den eigentlichen Grund, weshalb es der 500-Gramm-Becher nicht nur ins Werbeblatt des großen Warenhauses, sondern sogar bis in den redaktionellen Teil dieser Zeitung schafft: Denn der Becher sieht, so wie seit vielen Jahren und Jahrzehnten, aus wie ein 500-Gramm-Becher. Und in der Werbung vom Wochenende zuvor wird er auch als solcher feilgeboten. Und zwar zu einem »Knüller-Preis«, der in der Tat dazu animiert, sich für die nächsten Tage oder Wochen damit einzudecken.

Absicht oder Missgeschick?

Allerdings, und da ist der Haken: In dem Becher, der als 500-Gramm-Charge angeboten war und äußerlich auch genau so aussieht, befinden sich nur 400 Gramm.

Dieser 20-prozentige Gewichtsverlust des Inhaltes ist zwar auf der Packung angezeigt - wer aber schaut da genau hin? Und wer rechnet schon damit, auf diese listige Weise verschaukelt zu werden?

Rechtlich ist dieses Vorgehen seitens der Verkäufer möglicherweise ok. Dennoch darf sich der Kunde durchaus ein Stück weit verhohnepipelt fühlen (um nicht den etwas rüderen, Gleiches meinenden Ausdruck unter sprachlicher Verwendung des vorwiegend dem Sitzen dienenden Körperteils zu verwenden).

Und die Moral von der Geschicht: Ob Absicht oder Missgeschick - so etwas tut man nicht.

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