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Vor einem Schöffengericht am Amtsgericht Gießen muss sich der Angeklagte verantworten.

Vor Gericht

Morddrohung und Erpressung

Vor dem Amtsgericht muss sich ein Angeklagter wegen zahlreicher Vorwürfe verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Gärtner unter anderem Körperverletzung und Nötigung vor.

Gießen. Die Liste der Straftaten, für die sich der Angeklagte nun vor einem Schöffengericht am Amtsgericht Gießen verantworten muss, ist lang. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrere Fälle von versuchtem und vollendetem Raub, Körperverletzung und Nötigung vor, die er zwischen Dezember 2020 und Juni 2021 begangen haben soll. Wiederholt war offenbar Alkohol in erheblichen Mengen im Spiel.

Die erste Tat des gelernten Gärtners, der in Untersuchungshaft sitzt, soll sich in Höhe eines Autohauses in der Marburger Straße ereignet haben. Laut Anklageschrift war der Angeklagte gegen 5 Uhr morgens zunächst in der Walltorstraße in ein Minicar gestiegen, um sich nach Hause fahren zu lassen. Bald darauf habe er den Fahrer massiv beschimpft und ihn bedroht: »Ich bringe Dich um.« Außerdem forderte er 300 Euro, ansonsten würde er ihn töten.

300 Euro gefordert

Der Fahrer reagierte besonnen und schnell, steuerte den Fahrbahnrand an, zog den Wagenschlüssel, stieg aus und alarmierte die Polizei. Im Februar dieses Jahres kam es dann wohl zu einem weiteren Vorfall bei der morgendlichen Heimfahrt mit einem Minicar. Diesmal soll er beim Aussteigen die Tür so fest zugeschlagen haben, dass der Fahrer Sorge hatte, sie sei beschädigt. Als er den Angeklagten daraufhin zur Rede stellte, sei er selbst zusammengeschlagen worden. Er erlitt mehrere Verletzungen und einen Armbruch.

Die dritte, vierte und fünfte Tat stehen in engem Verhältnis zueinander und haben sich im Juni zugetragen: So habe er eine andere Person hinter einer Tankstelle in der Marburger Straße übel attackiert und ihm eine Kette im Wert von 2000 bis 2500 Euro, einen Ring im Wert von circa 500 Euro, seinen Geldbeutel samt EC-Karte sowie eine Designer-Umhängetasche gestohlen. Obendrein habe er die PIN-Nummer seines Opfers erpresst. Eine PIN habe das Opfer ihm zwar aufgrund der massiven Gewaltanwendung genannt, allerdings eine falsche. Einen Tag später soll der Angeklagte Teile des Diebesguts dem Bruder des Opfers wieder ausgehändigt haben. Dabei habe er wiederum dessen Vater erheblich bedroht. Und schließlich wird dem Angeklagten vorgeworfen, den Sohn seiner Vermieterin so heftig geschubst zu haben, dass dieser starke Brustschmerzen davontrug. Als dessen Schwester hinzukam, habe der Angeklagte sie mit Schimpfworten tituliert und gedroht, alle verbrennen zu wollen.

Die Aussagen des Angeklagten weichen teils von den Darstellungen der Staatsanwaltschaft ab, teils will er sich wegen seines Alkoholkonsums gar nicht mehr erinnern können. Bei dem Streit mit dem Minicarfahrer habe er sich selbst nur gewehrt, »weil er auf mich eingeschlagen hat«.

Alkoholkonsum

Bei der Auseinandersetzung an der Tankstelle sei nicht er der Angreifer gewesen, sondern Jugendliche, die vorbeifuhren und beide Männer beleidigt hätten. Er sei lediglich »dazwischen gegangen« und habe auch etwas abbekommen. Auf dem Gehweg habe er die verstreuten Sachen zusammengesucht und eingesteckt. Dem vermeintlich Opfer habe er sogar aufgeholfen, da der Mann ziemlich betrunken gewesen sei.

Die aufgehobenen Gegenstände habe er der Familie zurückgegeben. Von dem Verbleib des Schmucks wisse er dagegen nichts. Bei einer Hausdurchsuchung konnte nichts gefunden werden. Die beiden letzten Taten bestreitet er komplett. Die bisher angehörten Zeugen bestätigten im Wesentlichen die in der Anklage dargestellten Tatabläufe. Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

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