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Motive mit heilender Wirkung

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Erreicht auch ihre Patienten mit der Malerei: Maria Siefen-Just. © Schultz

Gießen. In der aktuellen Ausstellung im Frauenkulturzentrum (FKZ) sind stilistisch ungewöhnliche Bilder zu sehen, und auch das Thema dieser Arbeiten ist nicht alltäglich. Mit »Mia Lavinia und ihre Eltern« zeigt Maria Siefen-Just emotional dichte Porträts von Kindern und Erwachsenen aus ihrer Familie.

Die Künstlerin wurde 1953 in Žilina in der Slowakei geboren. Sie studierte Romanistik und Slawistik und absolvierte eine Lehrerausbildung. 1975 ging sie nach Deutschland, studierte in Gießen Psychologie und lebte 30 Jahre in der Stadt. Später eröffnete sie eine psychotherapeutische Praxis in Schöneck bei Hanau. Es ist ihr Lebensberuf: »Ich bin Therapeutin mit Leib und Seele«, sagt Siefen-Just, die die Malerei auch als Mittel zur Heilung traumatisierter Menschen entdeckt und für sich weiterentwickelt hat.

Wie muss man sich das vorstellen? »Die schwer traumatisierten Patienten konnte ich mit Worten gar nicht erreichen«, sagt die diplomierte Therapeutin. »Ich habe dann versucht, sie übers Malen dazu zu bringen, sich über sich selbst zu äußern. Es nennt sich Ausdrucksmalen.« Über Selbsterfahrungskurse bei einer Kunsttherapeutin entwickelte sie den Wunsch, dieses Kunsthandwerk auch selbst zu erlernen. Sie entdeckte vor etwa 25 Jahren die Frankfurter Malakademie, ein kreativer Ankerpunkt bis heute. Und beim intensiven Betrachten entwickelte sie ein starkes Interesse zum gemalten Gegenüber, das sie auch erfolgreich als Therapeutin nutzt. Und nicht zuletzt drückt die Malerin ihre Beziehung zu Mitgliedern der eigenen Familie ebenfalls durch diese kreative Arbeit aus.

Zu sehen sind in der Ausstellung Bilder in hellen Farben in Aquarell, Öl und Gouache. Zum einen wirken die Motive von Maria Siefen-Just zunächst optimistisch und freundlich. In den meisten Bildern ist allerdings bald eine persönliche Sichtweise zu entdecken, eine natürliche Auffassung von Blick und Mimik. Das gelingt nicht immer, die gegenständliche Malerei ist kein leichtes Feld. Aber es ist mehr als genug, um den Betrachter in den Bann zu ziehen. Maria Siefen-Just wäre sicher auch eine erfolgreiche Fotografin geworden.

Wichtig sei, dass die Kunst für die Patienten bedeutsam ist. Aber Siefen-Just betont, dass auch für sie selbst das Beobachten der Patienten beim Malen eine wichtige Veränderung auslöst, ein Mittel der Annäherung. Diese Nähe ist auch in den privaten Bildern im FKZ immer wieder zu spüren, sie ist verblüffend konkret und nachvollziehbar: eine sehenswerte Ausstellung.

Die Ausstellung läuft bis zum 25. Mai im Frauenkulturzentrum (Walltorstraße 1). Öffnungszeiten sind dienstags, 17 bis 19 Uhr, und donnerstags, 10 bis 12 Uhr - oder nach telefonischer Vereinbarung unter 06187-910 177.

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