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»Müssen das Schlimmste verhindern«

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Von: Eva Pfeiffer

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Protest im Stadtparlament: Die BI »Rettet die Bäume am Schwanenteich« unterstrich ihre Forderung mit einem Banner. Foto: Schäfer © Schäfer

Gigg+Volt scheitern im Gießener Stadtparlament mit einem Dringlichkeitsantrag für die Wiederbefüllung des Schwanenteichs.

Gießen . Die Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich« hatte ihr Banner gerade erst ausgewickelt und über das Geländer der Zuschauertribüne im Sitzungssaal des Rathauses gehängt, da rief Stadtverordnetenvorsteher Joachim Grußdorf (Grüne) bereits zur Ordnung: »Bitte entfernen Sie das Plakat.« Dass das Streitthema »Schwanenteich« erneut auf der Tagesordnung stand, war einem Dringlichkeitsantrag der Fraktion Gigg+Volt geschuldet: Mit ihm wollte sie die unmittelbare Wiederbefüllung des Schwanenteichs erreichen.

Die Trockenlegung sei »chaotisch und unprofessionell« umgesetzt worden, »es ist alles schiefgelaufen, was schief laufen kann«, kritisierte Lutz Hiestermann (Gigg). Mit dem geplanten Millionenprojekt habe die Stadt den Schwanenteich ökologisch aufwerten wollen, doch »jetzt erleben wir das genaue Gegenteil«.

Lebensgefahr für den Bitterling?

Die bauliche Trennung zwischen oberem und unterem Teil des Schwanenteichs habe die Stadt entweder ignoriert oder davon keine Kenntnis gehabt. Tiere im oberen Teil des Schwanenteichs seien durch die Einfangversuche »unnötig gestresst« und durch die schlechte Vorbereitung getötet worden. Denn im flachen Gewässer könnten Reiher den Bestand, etwa von streng geschützten Fischarten wie dem Bitterling, in kürzester Zeit vernichten. Ein Längsdamm im oberen Teil verhindere aktuell, dass die Fische in den unteren Teil entkommen können, um sich vor den Prädatoren in Sicherheit zu bringen..

»Der Magistrat will den Teich fast ein Jahr lang trocken liegen lassen - mit unabsehbaren Folgen für Flora und Fauna«, sagte Hiestermann. Zudem würden so Fakten durch die Hintertür geschaffen, noch bevor ein möglicher Bürgerentscheid durchgeführt werden könnte. Die Trockenheit schädige nicht nur den Damm, sondern auch die Vogelwelt.

Der Teichboden und die darin enthaltene Kleinflora und -fauna werde »massiv in Mitleidenschaft gezogen«, heißt es bei den Fotos, die dem Antrag beigefügt waren, Ein Großteil des Wertes des Areals könne so verloren gehen. »Wir müssen versuchen, das Schlimmste noch zu verhindern.«

Gigg+Volt forderten in ihrem Antrag zudem, dass der Öffentlichkeit das artenschutzrechtliche Gutachten, die fachliche Begründung der Notwendigkeit einer Winterung zum aktuellen Zeitpunkt sowie die konkrete Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde vorgelegt werden.

Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) hielt dagegen: Mit der geplanten Winterung des Teiches würden keine Fakten geschaffen werden, sondern erst mit einer möglichen Fällung der Bäume. Die nun gestartete Maßnahme müsse zudem so oder so passieren, um eine Sanierung des Dammwegs umzusetzen - auch bei einem erfolgreichen Bürgerentscheid. Dass die Trockenlegung noch in diesem Herbst passieren soll, habe sie zudem stets bei den Informationsveranstaltungen deutlich gemacht, sagte die Stadträtin. Außerdem wolle man verhindern, dass es wie im Neuen Teich zu einem Fischsterben kommt.

Dass das Abfischen unterbrochen werden musste, weil der Wasserstand zwischenzeitlich nicht wie gewünscht und erwartet gefallen war, könne immer passieren: »Bei Wasserbaumaßnahmen gibt es immer wieder Überraschungen.« Für die ökologische Baubegleitung stehe ein Fischbiologe bereit und in der Teichanlage Sellnberg sei die Brutmulde vergrößert worden, damit die Tiere dorthin umgesetzt werden können.

Der Antrag wurde mit den Stimmen der Koalition und den Freien Wählern mehrheitlich abgelehnt

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