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Musik als Herzenssache

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Mann mit besonderem Mienenspiel: Gitarrist Michael Diehl. Foto: Schultz © Schultz

Gießen. Zweite Runde für die neue Konzertreihe: Bei »Plattenladen in Concert #2« traten am Dienstagabend wieder Künstler aus der Region im Musikhaus Schoenau auf: die beiden Solisten Stephan Klement und Michael Diehl sowie die Band Mavero. Jeder der beteiligten Musiker stellte sich vor, spielte eine halbe Stunde, und am Ende hatte das Publikum drei Profile kennengelernt und ein echtes Kontrastprogramm genossen.

Das Format bietet mehrere Vorteile: Zum einen nimmt man die einzelnen Künstler konzentriert wahr, ohne dass es zu Längen kommt. Zum anderen wird so Abwechslung möglich, und am Ende kann man sich mühelos an alle Künstler erinnern - und gleich eine CD von ihnen mitnehmen.

Große Stärke sind die sanften Töne

Den Anfang machte Stephan Klement aus Solms. Der Fingerstyle-Gitarrist zupft die Saiten bei den Bands Holly Loose und My Mind’s Eye und war auch einst Mitgründer der ehemaligen Gelsenkirchener Melodic-Punk-Pop-Core Band Donkey Shot. Klement spielte im Musikhaus Titel seiner aktuellen CD »Family«, überwiegend nachdenkliche, sanft balladige Titel wie etwa »Journey«. Er setzte dabei elektronische Mittel zur Soundverbreiterung ein und zeigte sich auch druckvoll rhythmisch. Am deutlichsten präsentierte er seine Kompetenz bei »Still awake«, einem Titel übers langsame Einschlafen. Anschaulich realisiert er da auch die unruhigen Phasen und fügte zudem perkussive Elemente ein. Seine große Stärke an diesem Abend lag in den sanften Tönen, etwa bei »Sometimes it rains everywhere«, das er träumerisch, bluesig und mit zarten Elementen realisierte. Glanzlicht war sein mitreißend rhythmisches Chet-Atkins-Cover, das sämtliche Füße im Saal wippen lässt.

Danach war Michael Diehl an der Reihe, ein erfahrener, vielbeschäftigter Gitarrist (»Ich spiele mit Finger und Style«). Sein Markenzeichen ist die gefühlte Multiinstrumentalität, die er mit perkussiven Elementen und elektronischer Unterstützung umgibt. Charakteristisch ist auf der Bühne seine hyperexpressive Mimik, an der man erkennt, dass die Musik für ihn eine Herzenssache ist. Das ist nicht aufgesetzt, sondern echtes, sichtbares Gefühl.

Von seiner aktuellen CD setzt er mit »Take me home« einen fetzig-rockigen Startpunkt. Inhaltlich eindrucksvoll, vielschichtig und berührend war dann »Too much water«, in dem er die Geschichte eines Flüchtlingsjungen erzählte, der übers Meer fliehen musste. »Ich habe die Flucht auf dem Boot vertont«, erläuterte der Musiker. Diehl hatte seinen charakteristisch vollen Sound perfekt im Griff und zeigte sich in einer einzigen großen Bewegung. Oder auch nicht, wie er in seiner gefühlvollen Ballade »We’ll meet again« zeigte, die er ohne viele Effekte und einfach sehr schön vortrug. Zum Abschluss dann ein harter Rocker: »Break up«. Diehl trommelte, klopfte und setzte damit auch seelisch Energien frei.

Den Abschluss des Abends übernahm die Gießener Band Mavero. Nils Laker, Gitarre, Dominik Adam, Gesang, Jakob Steppan, Keyboards und Pascal Lauber, Bass, spielen deutschsprachigen Rock-Pop, an diesem Abend im Akustik-Gewand ohne Schlagzeuger Marlon Westhoff.

Sie haben einen sanften Rock-Groove, alle Titel sind im Midtempo gehalten und strahlen Emotionalität und Differenziertheit aus. Der Gesang wirkte etwas unentschlossen, allerdings geht es im Text auch mal um Sinnfindung oder wie im Titel »Stadt am Meer« um einen »Ort ohne Hass«. Mavero könnte auf der Bühne ruhig noch etwas prägnanter agieren, wirkt aber insgesamt inhaltlich durchaus überzeugend.

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