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Musik als Wärmespender

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Von: Rüdiger Schäfer

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Die Band »Evas Apfel« sorgt in der Alten Schlachthofhalle für bewegende Musik. Foto: Schäfer © Schäfer

Nicht von Wind und niedriger Temperatur hatten sich die Gäste abhalten lassen, weil im Alten Schlachthof mit dem Jazz-Matinee mit der Band Evas Apfel ein musikalischer Leckerbissen lockte.

Gießen . Den Nagel auf den Kopf traf Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher in der recht kühlen und zudem ziemlich zugigen offenen Halle des Alten Schlachthofes, als er die vielen Gäste begrüßte: »Sie haben das Wohnzimmersofa trotz des nicht gerade idealen Wetters verlassen.« Nicht von Wind und niedriger Temperatur hatten sie sich abhalten lassen, weil zum einen mit dem Jazz-Matinee mit der professionellen Band Evas Apfel ein musikalischer Leckerbissen als Ohrenschmaus lockte. Und weil es als Benefizkonzert für einen guten Zweck veranstaltet wurde.

Eingeladen hatte der seit 1989 bestehende Soroptimist International Club Gießen, der einem mehr als 100 Jahre alten Netzwerk für berufstätige Frauen angehört. In 118 Ländern sind rund 70 000 Mitglieder in fast 3000 Clubs vertreten. Deutschlandweit gibt 223 an der Zahl. »Wir sind 32 Clubschwestern aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen, die sich für Bildung und Ausbildung junger Mädchen und Frauen und gegen Gewalt gegen Frauen engagieren«, sagte zur Eröffnung der Matinee Mira Sellheim, die Präsidentin des Clubs. »Wir sind so glücklich, dass wir an einem solch besonderen Ort in Gießen ein Benefizkonzert durchführen können«, freute sie sich.

Dem Eigentümer Wolfgang Lust und seinem Team dankte sie für die Unterstützung. Groß sei die Freude des Frauenclubs, nach rund zweijähriger Konzertpause wieder einen musikalischen Leckerbissen ausrichten zu können, um einen guten Zweck zu unterstützen. Bis zu Beginn der Pandemie hatten ihre Clubschwestern 20 Jahre lang Klassikkonzerte mit hochkarätigen Musikensembles in der Aula der Justus-Liebig-Universität organisiert und dadurch weit über 120 000 Euro an soziale Projekte und Initiativen in der Region und global übergeben.

Der Erlös des aktuellen Benefizkonzertes ist für das Projekt Rückenwind der gemeinnützigen Stiftung inVITAio aus Heuchelheim bestimmt. Es unterstützt Familien mit an Krebs erkrankten Eltern, indem die Lebensqualität auch durch gemeinsame Freizeitaktivitäten verbessert wird. Die Stiftung will Menschen ermöglichen, in auswegslos erscheinenden Situationen neuen Lebensmut zu fassen und zu erfahren, dass trotz ungünstiger Rahmenbedingungen ein Leben in Würde möglich sein kann. Im Fokus stehen dabei die immer mitbetroffenen Kinder, damit sie die Erkrankungszeit ihrer Mutter oder ihres Vaters möglichst gut überstehen. 2018 ins Leben gerufen, bieten Ehrenamtliche im Projekt Rückenwind betroffenen Familien Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe, Fahrdienste, Gespräche mit ehemaligen Krebspatienten, kleine Hilfen im Haushalt und vieles mehr an. Infos unter www.rueckenwind-giessen.de. OB Becher dazu: »Wir wissen das als Stadt zu schätzen, wo Ehrenamtliche mit hohem Engagement sich für Menschen einsetzen, die in schwierige Situationen gekommen sind.«

Und als das Jazzquartett mit Gabriel Beuerle an der Gitarre, Jane Lazarovic am Kontrabass, Imogen Gleichauf am Schlagzeug und Suvi Mauer am Keyboard loslegte, zog es gar manch fröstelnden Gast innerlich in Vibrationen, die Wind und Wetter ein wenig vergessen ließen. Der ungewöhnliche Bandname Evas Apfel sei der biblischen Geschichte entlehnt und resultiere aus dem Anspruch, »die Leute mit Musik aus 100 Jahren - die von 1920 bis 2020 - zu verführen«, so Beuerle im Gespräch mit dem Anzeiger.

Die seit sieben Jahren existierende Profiband absolviere deutschlandweit jährlich 100 Auftritte mit einem Repertoire von mehr als 400 Stücken. In der Alten Schlachthofhalle waren Swing, Bossa Nova und Soul angesagt. Spritzige, hitzige und swingende Klänge heizten ein, spendeten irgendwie innerliche Wärme trotz der Kälte in der offenen Alten Schlachthofhalle.

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