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Nach dem Lehren kommt das Hyggeln

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Gießens »Mr. Abendschule«, Dieter Cebulla, ist nach 40 Jahren in den Ruhestand verabschiedet worden. Die Redner bescheinigten ihm, ein »Lehrer mit Leib und Seele« gewesen zu sein.

Gießen. Solche Lobreden wie kürzlich in der Aula der Gesamtschule Gießen-Ost hört man selten: »Lehrer mit Leib und Seele«, »Mann der ruhigen Hand«, »unkompliziert, unaufgeregt, doch immer klar«, »Empathie und Engagement«, »Respekt zollend«, »Mr. Abendschule« - all das als Attribute für Dieter Josef Cebulla, der nach 40 Jahren als Lehrer, davon über 20 Jahre in der Schulleitung, zuletzt sieben Jahre als Schulleiter, in den vorzeitigen Ruhestand getreten ist. Sehr viele Wegbegleiter hatten sich in der Aula versammelt, um ihm Achtung und Wertschätzung zu erweisen, darunter GGO-Direktor Dr. Frank Reuber, Stadträtin Astrid Eibelshäuser, Schulsprecherin Sarah Bowen, der ehemalige Schulleiter Dr. Wilmar Steup, Susanne Hansen als neue kommissarische Schulleiterin, die stellvertretende Schulleiterin der partnerschaftlich verbundenen Abendschule Marburg, Dr. Sabine Hörger, Georg Wittich vom Staatlichen Schulamt sowie Sibylle Klingebiel vom Hessischen Kultusministerium. Klingebiel händigte Cebulla die Urkunde aus, die die Verabschiedung in den Ruhestand besiegelte und fand humorige Worte.

Vielleicht weil der Familienname Cebulla Zwiebel bedeutet, sei er dem Fach Biologie so verbunden gewesen. So habe er auch am Rahmenplan für naturwissenschaftliche Fächer mitgearbeitet. Eine Zwiebel schütze mit ihren äußeren Schichten auch immer die inneren. Als Vergleich träfe dies auch auf ihn zu. Den Zeitpunkt seines Abschiedes, etwas früher als die Regelalterszeit, habe er selbst gewählt. »Uns ist gelungen, was nicht immer gelingt: den Übergang so gut hinzubekommen.« Damit meinte sie, dass die neue Schulleiterin, Susanne Hansen, bereits feststehe. Dieser hatte Cebulla zuvor Blumen und den Staffelstab überreicht.

Wittich würzte seine Ansprache mit einem Gedicht, das den bezeichnenden Titel »Wo immer einer Abschied nimmt« trug. Eibelshäuser betonte, dass die Abendschule in der Gießener Schullandschaft eine Alleinstellung einnehme. In der Bildungslandschaft stelle sie einen wichtigen Baustein dar. »Wir geben hier junge Menschen eine Chance, ermöglichen ihnen einen Bildungsabschluss, damit sich ihnen neue Perspektiven eröffnen.« Für die Lehrkräfte stelle die große Heterogenität (Unterschiede) der Lernenden eine besondere Herausforderung dar.

Im Trachtenoutfit war Hörger aus Marburg erschienen. »Es ist mein bayrisches Sonntagsgewand, noch nie in Hessen angehabt«, erzählte sie, ihren Dialekt nicht ganz verbergend. Sie lobte das gute Verhältnis der beiden Abendschulen, wozu Cebulla einen großen Teil beigetragen habe.

Steup sprach auch für den Förderverein und sang Lieder mit selbst geschriebenen, speziellen Texten. Begleitet wurde er auf dem Flügel von Helmut Fischer, der insgesamt ein gutes halbes Dutzend Musikbeiträge leistete. Vier Kräfte aus dem Lehrerkollegium trugen einen Rückblick sowie eine Vorschau vor. Hansen und Bowen veranstalteten mit dem Neu-Ruheständler auf der Bühne ein Ratespiel mit original Schülerzitaten. Dass es für jede richtige Antwort etwas Süßes gab, hatte etwas mit seiner Vorliebe für Naschwerk zu tun. Mit »Jetzt ist Schluss!« beendete Cebulla sein berufliches Leben.

1975 hatte der Pädagoge Abitur an der hiesigen Liebigschule abgelegt und nach seinem Grundwehrdienst Lehramt für Gymnasien in den Fächern Biologie und Chemie studiert.

Nach seiner Diplomprüfung konnte er sich Diplom-Biologe nennen. Nach dem Referendariat an der Herderschule - 1982 bis 1983 - wurde er nach dem zweiten Staatsexamen 1984 am Gymnasium in Büdingen eingestellt. 1987 gelang ihm die Rückkehr nach Gießen, wo er seit 35 Jahren an der Abendschule tätig war. 1995 wurde er zum Oberstudienrat befördert, 2000 als stellvertretender Schulleiter beauftragt, ein Jahr darauf dazu als Studiendirektor ernannt.

Ab dem Jahr 2014 nahm er die Aufgaben des Schulleiters wahr, zu dem er 2015 als Oberstudiendirektor befördert wurde. In seine Amtszeit fiel die Planung und der Umzug der Verwaltung der Abendschule in die neuen Räumlichkeiten im Schulzentrum Gießen-Ost, die Umsetzung der Sprachförderkurse für Geflüchtete, und die Umsetzung der KCGO (Kerncurricula Gymnasiale Oberstufe) .

Mit Cebulla gingen noch drei weitere Lehrkräfte in den Ruhestand. Für den nun ehemaligen Schulleiter bedeutet es, »endlich« mehr Zeit zu haben, insbesondere für seine Hobbys. Für den Ruheständler heißt dies: Reisen, Fotografieren, Fahrradfahren, Lesen und mehr kulturelle Veranstaltungen wahrnehmen. Die dänische Lebensweise, eine Glücksphilosophie, das Hyggeln, spiele dabei für ihn eine große Rolle.

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