Nach Insolvenz: "Hussel" in Gießen bleibt geschlossen

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GIESSEN - (bl). Die Geschäfte in Gießens Innenstadt haben seit wenigen Wochen wieder geöffnet. Der Süßwarenladen "Hussel" im Seltersweg 15 blieb jedoch zu. Die Regale sind längst leergeräumt, stehen aber nach wie vor in der für den Verkauf von feiner Schokolade, Pralinen, Trüffel, Gebäck oder Fruchtgummis genutzten Filiale. Miete wird dafür derweil schon seit Monaten - trotz gültigen Vertrages - nicht mehr bezahlt, so der Eigentümer.

Die Deutsche Confiserie Holding GmbH (DHC-Gruppe), zu der neben "Hussel" auch die Marken "Eilles" und "arko" gehören, hatte Anfang des Jahres die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Grund waren vor allem "starke Umsatzeinbrüche im wichtigen Saisongeschäft" infolge der Corona-Einschränkungen; gemeint war damit insbesondere die Zeit um Ostern und Weihnachten. Im Zuge dessen sollten alle Standorte - bundesweit gab es rund 300 eigene Filialen - wirtschaftlich beurteilt werden. "Leider können wir nach intensiver Prüfung und auch Gesprächen mit den Vermietern vor Ort 'Hussel' in Gießen nicht weiter betreiben", teilt Susanne Bodmann, Geschäftsbereichsleitung Marketing der Unternehmensgruppe, auf Anfrage des Anzeigers mit.

Mitte Januar hieß es zunächst noch, dass sich vorerst nichts ändert und wie gewohnt eingekauft werden könne. Auch einen Lieferservice bot "Hussel" an. Die Angestellten erhielten Insolvenzgeld. Aufgrund des anhaltenden Lockdowns, damit verbunden mangelnder Kundenfrequenz und geringer Umsätze, sei kurzfristig entschieden worden, Ende Januar dann doch zu schließen. Das endgültige Aus sei erst im Juni beschlossen worden. Aussagen, was mit den fünf Mitarbeitern geschehe, die in Gießen beschäftigt waren, könnten noch nicht getroffen werden. Zugleich bezeichnete es Susanne Bodmann "definitiv" als denkbare Option, dass "Hussel", das seit 2003 in der Fußgängerzone ansässig war, an anderer Stelle in der Stadt zurückkehrt. "Wo und wann ist allerdings noch nicht terminiert." Nach Medienberichten soll die Sanierung der drei insolventen Süßwarenhändler bis spätestens Ende September abgeschlossen sein. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung sei ein "erster wichtiger Schritt" auf diesem Weg getan worden. Die Unternehmen werden unter Aufsicht gerichtlich bestellter Sachwalter selbst weitergeführt. Auch die Refinanzierung der Gruppe komme voran. Zudem laufen Verhandlungen mit externen Investoren.

Das Modelabel "Hallhuber" hatte ebenfalls Insolvenz angemeldet, das Verfahren aber im Mai verlassen. Wie es heißt, hätten die bisherigen Geschäftsführer wieder übernommen, um das Unternehmen "auf den nachhaltigen Erfolgspfad" aus der Zeit vor der Pandemie zurückzubringen. Ob Gießen, wo zumindest von außen erkennbar noch immer Klamotten in dem ansonsten geschlossenen Store im Seltersweg 50 hängen, dabei auch eine Rolle spielt, war nicht zu erfahren; eine entsprechende Anfrage an die Zentrale in München blieb unbeantwortet.

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