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Nach Kritik: UB bleibt offen

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Von: Eva Pfeiffer

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Wärmende Decke, heißer Tee: Studierende und Beschäftigte der JLU müssen sich auf ein kühleres Lern- und Arbeitsumfeld einstellen. Die Uni rät zu »nichtelektronischen Hilfsmitteln«. Symbolfoto: Ole Spata/dpa © Red

Der AStA der Justus-Liebig-Universität Gießen kritisiert die geplanten Einschränkungen in der Energiekrise und befürchtet Nachteile für die Studierenden. Die Uni will derweil »Wärmeräume« schaffen

Gießen . Samstag um 22 Uhr noch schnell ein Buch ausleihen oder den Freitagabend nicht in der Kneipe, sondern beim Büffeln in der Universitätsbibliothek (UB) verbringen: Gerade in der Prüfungsphase oder wenn der Abgabetermin der Hausarbeit näher und näher rückt, herrscht in den Bibliotheken der Justus-Liebig-Universität (JLU) reger Betrieb - und das auch außerhalb gängiger Arbeitszeiten. Das soll auch im kommenden Wintersemester trotz zahlreicher Energiesparmaßnahmen möglich sein, zumindest in der UB: Der Plan der Uni, die Öffnungszeiten ab Oktober zu verkürzen, ist vom Tisch. Das hat die Hochschule am gestrigen Mittwoch in einer Rundmail an Studierende und Beschäftigte mitgeteilt. Man nehme »die Sorgen der Studierenden wegen der angekündigten Verkürzung der Öffnungszeiten der Bibliotheken sehr ernst«, heißt es darin. Aktuell prüfe man zudem noch, ob die UB anders als zunächst geplant auch in der ersten Januarwoche offen bleiben kann.

Auf Wochenende angewiesen

Zuvor hatte unter anderem der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) deutliche Kritik an den Plänen geäußert: Gerade Studierende, die ihr Studium über Nebenjobs finanzieren müssen, stellten die Einschränkungen der Öffnungszeiten vor erhebliche Probleme. »Denn viele Studierende sind darauf angewiesen, am Wochenende zu lernen und die Bibliotheken zu nutzen«, betont Habib Yasar, Referent für Wohnen und Soziales.

Doch während die geplante Änderung für die UB zurückgenommen wurde, müssen sich die Nutzer der Zweigbibliotheken umstellen. Die Zweigbibliothek Recht und Wirtschaft beispielsweise hat derzeit täglich von 8.30 bis 21 Uhr geöffnet, ab dem 1. Oktober jedoch bleibt sie sonntags zu. Am Philosophikum II, bei den Natur- und Lebenswissenschaften und im Zeughaus bleiben die Bibliotheken ab Oktober am Wochenende komplett geschlossen, an den übrigen Tagen werden die Öffnungszeiten um einige Stunden verkürzt.

Sorge bereitet dem AStA auch eine mögliche Verlagerung der Energiekosten auf die Studierenden: »Wenn Studierende nun vereinzelt zu Hause ihre Wohnungen beheizen müssen, statt in der Uni zu lernen, ist das für die Versorgungssicherheit der Region kontraproduktiv.« Schon vor der Energiekrise hätten nach Untersuchungen des Paritätischen Wohlfahrtsverband etwa 30 Prozent der Studierenden in Armut gelebt, die Inflation und die hohen Preise für Gas und Strom vergrößere das Armutsrisiko für Studierende. Der AStA fordert daher die Bereitstellung warmer Lernräume seitens der Universität.

Dass es zusätzliche Arbeitsräume geben soll, hatte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee bereits in der jüngsten Senatssitzung angekündigt. Angedacht sind Plätze »sowohl für die Lehre am Freitag und Samstag als auch für Studierende, die an der JLU arbeiten möchten«, heißt es in der Rundmail. Einer dieser »Wärmeorte« werde die UB sein, die ganze Liste soll demnächst auf der Uni-Webseite veröffentlicht werden.

AStA befürchtet Qualitätsverlust

Um Energie einzusparen, werden die Thermostate an der JLU im kommenden Semester nicht ganz so hoch gedreht: Für Montag bis Donnerstag sind 19 Grad angepeilt, freitags dagegen nur 16. Der AStA sieht das kritisch und rechnet mit einem Qualitätsverlust in der Lehre und einem »digitalen Freitag«, da Lernen und Austausch bei 16 Grad erheblich erschwert würden. Die Uni hat rund um das Thema Energie einen Fragenkatalog erstellt und rät darin unter anderem zu warmer Kleidung, heißen Getränken oder Decken. Das Mitbringen persönlicher Kleingeräte wie etwa Heizlüftern ist explizit nicht gestattet.

Aufgrund der »besonders prekären Situation der Studierenden« fordert der AStA zudem Prüfungserleichterungen und Nachteilsausgleiche. Und die wird es auch geben, wie die Hochschule mitteilt: »Die JLU hat als einzige Universität in Hessen ihre Corona-Satzung verlängert, in der besondere Regelungen für Lehre und Prüfungen enthalten sind. Sie gilt auch im Wintersemester.«

Verdi Hessen fordert derweil finanzielle Unterstützung für die hessischen Hochschulen durch das Land. Man dürfe die Hochschulen »in dieser dramatischen Situation nicht im Regen stehen lassen«, heißt es in einer Pressemitteilung. »Beschäftigte und Studierende brauchen die Sicherheit, dass die Energiekrise nicht zur Krise der Hochschulen wird.«

Brisant sei die Situation insbesondere vor dem Hintergrund der vielen befristeten Arbeitsverträge. »Wenn für die Hochschulbeschäftigten neben der Sorge um steigende Lebenshaltungskosten nun auch noch die Angst um den Arbeitsplatz kommt, schafft das große Verunsicherung, das zermürbt die Menschen«, betont Gabriel Nyc, der bei Verdi Hessen für Hochschulen zuständig ist.

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