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Nächste Schritte zur Musikerkarriere

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Florian Ludwig, Generalmusikdirektor des Stadttheater Gießen, begleitete die Examenskandidaten (hier: Violinistin Namhyun Kim) als Dirigent, bei dem alle Fäden zusammenliefen. © Schultz

Gießen. Mit virtuosen Werken namhafter Komponisten ist das jährlich stattfindende Examenskonzert der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Zusammenarbeit mit dem Gießener Stadttheater längst kein Geheimtipp mehr im Musikleben der Stadt. Während die Prüflinge als Solisten einer Fachjury ihr Talent und ihre spieltechnischen Fähigkeiten vorstellen, darf sich das Publikum - sozusagen als Zaungast - ganz unbeschwert dem Hörgenuss hingeben.

So war die Kongresshalle am Donnerstagabend, wo diesmal fünf junge Interpreten antraten, gut besucht, und wie in all den Jahren zuvor wurden die Erwartungen einmal mehr nicht enttäuscht. Großer Beifall belohnte die Absolventen nach ihren Darbietungen, die sich allesamt Hoffnung auf eine schöne Karriere machen dürfen.

Virtuose Fingerfertigkeit

Klarheit, Transparenz und eine überwiegend heitere Stimmung kennzeichnen das 1926 entstandene Flötenkonzert des Dänen Carl Nielsen, das der Solistin Asia Safikhanova reichlich Gelegenheit zu virtuoser Fingerfertigkeit bot. Umsichtig führte Generalmusikdirektor Florian Ludwig am Dirigentenpult des Philharmonischen Orchesters durch die farbenreiche Partitur und ihre oft schnellen rhythmischen, harmonischen und thematischen Wechsel, wobei er es einfühlsam verstand, der jungen Interpretin genügend Freiraum zur Entfaltung zu lassen. Und sie wiederum verstand es geschickt, im Dialog mit verschiedenen Instrumenten (Klarinette, Posaune, Schlagwerk) die jeweiligen Stimmungen der mal lyrischen, mal effektvollen Passagen aufzugreifen. Ihr zupackendes, ausdrucksvolles Spiel ließ die Musik als flirrendes Drama erscheinen, in dem die Flöte auf tänzerisch-verspielte Art über die Orchesterklänge hüpfte.

Das Violinkonzert e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn-Bartholdy zählt zu den beliebtesten und meistgespielten Werken der Geigenliteratur. Seine Klarheit und Frische, sein virtuoser Glanz und ununterbrochenes Fließen der Melodie machen es zu einem gern gehörten Lieblingsstück. Da davon unzählige Einspielungen auf CD und im Internet zugänglich sind, begibt sich jeder Interpret auf gefährliches Terrain, wo jeder seiner Geigenstriche mit denen weltbekannter Größen verglichen werden kann.

Doch Namhyun Kim ließ von Anbeginn an, als sich nach wenigen Takten das lichte, strahlende Hauptthema Bahn brach, deutlich werden, dass sie durchaus selbstbewusst ihren eigenen Weg geht. In blitzsauberem Spiel und mit leidenschaftlichem Zugriff traten die liedhaften, von romantischer Sehnsucht erfüllten Klänge zum Vorschein. Jenseits des spieltechnischen Glanzes bot Kim einen schönen warmen Geigenton, der besonders in der innigen, anmutigen Melodie des zweiten Satzes zur Geltung kam. Und in dem zauberhaften Finale voller Elfenklänge, die Mendelssohn seiner König-Oberon-Welt entlieh, tanzte der Geigenbogen nur so über die Saiten und die Töne huschten in feenhaftem Tempo dahin.

Das abschließende Tripelkonzert C-Dur op. 57 für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester von Ludwig van Beethoven stellt die Ausführenden vor die Schwierigkeit, ein aus drei Solisten bestehendes Klaviertrio mit dem Orchester musikalisch ins Gespräch kommen zu lassen. Die Darbietung glückt nur dann, wenn sich alle vier Partner - Pianist, Cellist, Geiger und Orchester - mit demselben musikalischen Subjekt auseinandersetzen und einen einzigen Weg verfolgen.

Florian Ludwig als Koordinator

Diese Konzentration auf ein einheitliches Ziel war beim Auftritt des Gutfreund-Trios stets gegenwärtig. Florian Ludwig erwies sich einmal mehr als aufmerksamer Koordinator, der das große Ganze nie aus den Augen verlor und bei dem alle Fäden zusammenliefen, um jedem zu seinem Recht zu verhelfen. Wenngleich der Klavierpart im Tripelkonzert keine allzu hohen Anforderungen an die Pianisten stellt, hinterließ Jens Adrian Fischer doch einen guten Eindruck, indem er sich als verlässlicher, durchaus ebenbürtiger Partner in das Kräftespiel einzubringen wusste und mit interpretatorischem Geschick glanzvolle Akzente setzte.

Leidenschaftlich-beherztes Spiel führten indes Bogdan Michael Kisch (Cello) und Alexander Brunt (Violine) vor. In ihrer virtuosen Zwiesprache gelangen ihnen dramatische Töne der erregten und aufgewühlten Seele. Hier zielte alles auf höchsten Ausdruck, und der Dirigent brachte mit dem tadellos agierenden Orchester das Kunststück fertig, alles unter einen Hut zu bringen und wie aus einem Guss erscheinen zu lassen. So erfuhr das von Kritikern oft geschmähte, beim Publikum aber umso beliebtere Tripelkonzert eine Belebung, die besonders im zweiten Satz von tiefen, schönen Augenblicken offenbarte und von gefühlvoller Durchdringung durch die Interpreten zeugte.

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