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»Nasim« war der Spielverderber

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Der »New Yorker« - ein beliebtes Fahrgeschäft bei Jung und Alt. © Jung

Stark angefangen, dann stark nachgelassen - so bilanzieren die Schausteller die Gießener Frühjahrsmesse. Spielverderber war insbesondere Sturmtief »Nasim«.

Gießen. Die Frühjahrsmesse habe »stark angefangen und dann stark nachgelassen«, bilanzierte ein Schausteller das zweiwöchige Treiben an der Ringallee. Der Start des Rummels, der in diesem Jahr nach der Corona-Pause wieder Leben auf den Messeplatz brachte, verlief glänzend, wie auch in dieser Zeitung nachzulesen war. Zwar ohne Klänge vom Fanfarenzug Hansa bei der Eröffnung, dafür mit Maskenpflicht auf dem Gelände und einem Picknick auf dem Riesenrad.

Am Eröffnungstag strahlten nicht nur die Schausteller mit der Sonne um die Wette und das erste Wochenende sorgte für viel Gedränge auf einem der größten Volksfeste in Mittelhessen. Endlich wieder raus ins bunte Treiben, gebrannte Mandeln und frisch zubereitetes Popcorn genießen, hoch hinaus mit dem Riesenrad, den Blick über die Stadt genießen und auf den Sesseln vom Fahrgeschäft »New Yorker« gemeinsam Platz nehmen. Das alles war Freude pur - und dann kam der Wetterumschwung. Dass Schnee die Fahrgeschäfte bedeckt, hat es auch in den vergangenen Jahren schon gegeben, doch ein Spielverderber wie Sturm »Nasim« ist eher eine Seltenheit zur Messezeit. Heftige Böen fegten am Donnerstag über den Platz und alle Räder standen aus Sicherheitsgründen still. Doch es waren Menschen unterwegs, wie Werner Wambold, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Mittelhessen berichtete. Wegen der eintägigen Schließung fiel auch einer der beiden Familientage aus. »Das Wetter war nicht gut«, bedauerte Katharina Adamska, die am Stand Piroggen, das sind gefüllte Teigtaschen aus Hefe-, Blätter- oder Nudelteig und eine polnische Spezialität, zubereitete und verkaufte. Doch sie lächelt und war froh, zum ersten Mal auf der Gießener Frühjahrsmesse zu sein. Sie reiste mit ihrem Partner aus Kattowitz an.

So viele Menschen wie noch nie, seien dieses Mal am Eröffnungstag auf dem Platz gewesen, blickte Andreas Walldorf vom Schaustellerverein Gießen, zufrieden zurück. Zu Beginn gab es mit der Maskenpflicht Auflagen, an die sich auch die meisten Menschen auf dem Messeplatz gehalten haben. »Ein Anfang ist gemacht«, freute sich Walldorf. Nach der langen Corona-Pause waren die Schaustellerinnen und Schausteller, die sich natürlich besseres Wetter gewünscht hätten, froh, wieder unter Gleichgesinnten zu sein und ihre Kunden bedienen zu können.

Skeptisch sah der Gießener Schausteller, dass wegen des angekündigten Sturms der Platz geschlossen wurde. Früher habe man mit Seilen die Fahrgeschäfte verzurrt und mit den Fahrzeugen gesichert. Andere Betreiber sahen es als Sicherheit für die Gäste, dass ein unfreiwilliger Ruhetag verordnet wurde. Walldorf wies auf die Einschränkungen wegen Corona hin, zum Beispiel durften die Kinderkarussells nur mit jeweils einem Platz pro Fahrzeug besetzt werden. Das und anderes habe es schwer gemacht, wieder Geld zu verdienen.

»Ein Karussell, das sich nicht dreht, ist nichts wert«, sagte Werner Wambold auch mit Blick auf das Wetter, das im Laufe der Frühjahrsmesse kippte und die erhofften Besucherzahlen ausblieben. »Doch die Leute nehmen es an, dass wieder Leben auf den Messeplätzen herrscht.« Der Schritt in die Normalität tue allen Beteiligten gut. Dass Leute unterwegs waren, nur um zu bummeln und sich am fröhlichen Treiben freuten, stellte der Vorsitzende ebenso fest, wie der Kassierer der Toilettenanlage. »Da fehlt vielleicht doch das Geld«, so das Fazit des Mannes an einem »Stand«, wo immer Betrieb herrscht.

Georg Bartz aus Bischofsheim zählt zur dritten Generation von Schaustellern und die Messen in Gießen kennt er alle. Der 81-Jährige kam schon an die Lahn, als das Volksfest noch am Oswaldsgarten stattfand. Schnee erlebte er schon an Messetagen, mieses Wetter über die gesamte Veranstaltungsdauer. Doch damit lebt er, steht gerne in seiner Wurfbude. Und blickt hoffnungsvoll in die kommende Woche, seinen Stand baut er dann in Herborn bei hoffentlich besserem Wetter auf. Im warmen Wagen sitzt Herbert Kreuser und animiert die Leute, die im Auto Scooter ihre Runden drehen. Geschützt durch das große Dach ist der Fahrbetrieb unabhängig vom Wetter.

Ein wenig traurig waren die Fans des Feuerwerks, das in diesem Jahr zum einen wegen Corona und zum anderen wegen des Ukraine-Krieges ausfiel, doch sie hatten überwiegend Verständnis. Tierfreunde meldeten sich in den sozialen Medien zu Wort und brachten ihre Zufriedenheit zum Ausdruck. Die Vogel- und Tierwelt würde dann wenigstens nicht gestört, schrieben sie erfreut.

Am Samstag wurde um die Mittagszeit vor einem Gewitter gewarnt, doch dann kam die Sonne und mit ihr auch die Gäste.

»Durchwachsen«, so kann dann die Frühjahrsmese 2022 bilanziert werden.

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