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Nazi-Gegner bis zuletzt

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Von: Johannes Weil

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Machen gemeinsame Sache: Peter Menger, Jochen Stankewitz, Andreas Haupt und Klaus Kummer arbeiten an einem Musical. © Weil

Ein großes Ensemble rund um den Lützellindener Komponisten Peter Menger plant ein Musical über Pfarrer Paul Schneider. Sänger werden noch gesucht.

Hüttenberg (jowe) Paul Schneider, ehemaliger Pfarrer der Dörfer Dornholzhausen (Langgöns) und Hochelheim (Hüttenberg), starb für seine Überzeugungen. Er wurde von den Nazis im KZ Buchenwald ermordet. Geboren wurde der mutige Regimegegner vor 125 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums und um zugleich die Bedeutung des aufrechten Pfarrers bis heute zu ergründen, hat der Hüttenberger Andreas Haupt den Arzt und Musiker Peter Menger aus Lützellinden gebeten, ein Musical zu schreiben. Uraufgeführt werden soll das Stück mit dem Titel: »Paul und Gretel - kein Märchen!« als Auftaktveranstaltung der 140-Jahr-Feier des Gesangvereins Frohsinn am 1. Juli im Sportzentrum Hüttenberg.

»Hätte er das Maul gehalten, würde er heute noch leben!« Mit diesen Sätzen beginnt die Hüttenberger Archivarin Christiane Schmidt ihren Artikel anlässlich des 80. Jahrestags von Paul Schneiders Ermordung im KZ Buchenwald. Diesen Satz haben viele Hüttenberger in ihrer Kindheit und Jugend gehört. Denn Schneider hat sich den Lagerregeln widersetzt, wurde dafür in Einzelhaft gesteckt und schwer gefoltert. Im Juli 1939 wurde der Häftling durch die Überdosis eines Medikaments ermordet.

Mehrere Chöre sind beteiligt

Seine Geschichte wird nun ebenso wie die seiner Ehefrau von einem großen Ensemble erzählt. Dazu zählen ein heimisches Musik- und Schauspielteam sowie ein gemischter Mehr-Generationen-Chor, der aus Solisten und Chorsängern der Region gebildet wird: dazu gehören Mitglieder des Kinderchors »Königskinder«, die SoulTeens und der Männergesangverein Frohsinn, der in diesem Jahr sein 140-jähriges Bestehen feiern kann. Für das Projekt werden noch weitere Sängerinnen und Sänger gesucht. Die Übungstermine werden im Mai und Juni im Gemeindehaus der EFG Hüttenberg, Leihgesterner Weg, jeweils mittwochs von 19.30 bis 21 Uhr sein.

»Es ist erstaunlich, wie konsequent Paul Schneider zu seinen Überzeugungen gestanden hat und wie auch seine Frau bis ins hohe Alter den Lebensweg ihres Mannes mitgetragen hat«, erklärt Andreas Haupt und ergänzt: »Paul und Margarete Schneider ist es gelungen, den Nationalsozialisten standzuhalten, dafür mussten sie Repressionen in Kauf nehmen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haben sie anderen Menschen in schwierigen Situationen Kraft und Mut vermittelt.«

Frohsinn-Chorleiter Jochen Stankewitz zeigt sich nun »sehr froh, dass der Netzwerker Andreas Haupt und unser Vorsitzender Klaus Kummer die Kräfte gebündelt haben«. Gemeinsam mit Komponist Peter Menger tauscht er sich auch über musikalische Aspekte zur Umsetzung des Stoffes aus. Der Frohsinn sei gerade dabei, die ersten Titel einzustudieren.

Zusammenarbeit mit Nachfahren

Zusammengearbeitet hat Komponist Menger bei der inhaltlichen Konzeption des Musicals auch mit den Nachfahren von Paul und Margarethe Schneider sowie mit der Paul-Schneider-Gesellschaft, die das geistige Erbe des Theologen und Märtyrers verwaltet. Wer Interesse hat, an der Uraufführung und/oder weiteren Konzerten mitzuwirken, kann sich bei Andreas Haupt (0157 51889029) oder per E-Mail unter a.haupt@sdg-ev.de informieren und anmelden.

Für das Stück sind noch weitere Auftritte an den Wirkungsstätten Schneiders in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg geplant. Zwei Termine, die schon feststehen: Am Sonntag, 28. August, ein Tag vor dem 125. Geburtstag, wird mit Ausschnitten des Musicals der Rahmen einer Feierstunde an der Paul-Schneider-Gedenkstele in seinem Geburtsort Pferdsfeld (Hunsrück) gestaltet. Am 25. November wird in Simmern das komplette Musical aufgeführt.

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