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Netzwerk für die Kunst

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Von: Ursula Hahn-Grimm

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Bene Rox beschäftigt sich in seiner raumgreifenden Videoinstallation mit dem Versuch, im Alltag Zeit fürs eigene Wohlbefinden zu finden. Foto: Hahn-Grimm © Hahn-Grimm

Das Gießener Festival Giennale bietet in seiner dritten Ausgabe bis Samstag ein umfangreiches Programm mit Ausstellungen, Performances, Musik und Workshops.

Gießen. Das Gießener Kunstfestival Giennale hat begonnen. Und gleich das erste Wochenende des Programms zeigte sich als prall gefüllte Überraschungsbox mit Kunstpräsentationen aller Stilrichtungen. Das mit kleinem Wortverdreher versehene Motto der dritten Auflage lautet: »Das ist doch oben von gar nicht gewollt«.

Mit zwei Videopräsentationen, einer Performance, cooler Musik und der offiziellen Eröffnungsrede von Astrid Eibelshäuser für den Magistrat der Stadt Gießen war die Giennale im Prototyp gestartet. Bis zum Samstag, 10. September, finden nun an verschiedenen Orten der Stadt Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Workshops statt. »Die Giennale lässt Gießen zum kreativen Zentrum Mittelhessens werden«, betonte Wally Hund vom Veranstalterteam.

Verschiedene Institutionen

»Ein Netzwerk von kulturellen und sozialen Einrichtungen, Input durch künstlerische Eingriffe in den Alltag, interaktive Kunstaktionen, Workshops und Konzerte: das sind die Bausteine der Giennale III«, fasste Astrid Eibelshäuser das Anliegen der Künstler zusammen. Sie freue sich besonders, dass es die Giennale verstanden habe, viele Menschen aus unterschiedlichen Gießener Institutionen einzubinden. Sie nannte unter anderem die Arbeitsloseninitiative, die Jugendwerkstatt und den Nordstadtverein.

Das Kulturamt der Stadt hat sich nicht nur finanziell und organisatorisch als Mitveranstalter engagiert, es hat auch einen eigenen Programmpunkt eingebracht: »Gießens grandioser Gang durchs Grundgesetz«, eine Performance des Berliner Kollektivs »Verfassungsschatzies« soll am Samstag einen vorläufigen Abschluss der Giennale bilden.

Zur Eröffnung waren zunächst zwei Videos mit dazugehörigen Installationen in den Kellerräumen des Prototyp zu sehen: Harter Tobak gleich im ersten Beitrag: Der Umgang der DDR in den frühen 80ern mit HIV-Infizierten. Das Werk von Vitor Mattos »Die Mauer als Kondom« setzt sich mit Machtverhältnissen auseinander und zeigt, wie das Regime die schwule Community missachtete und ausgrenzte. Aufgenommen wurden die Bilder im leerstehenden Gebäude der Stasi-Zentrale in Leipzig, über dessen weitere Verwendung derzeit in der Stadt diskutiert wird.

»Eine Woche mentale Heilung« ist eine siebenteilige Performance von Bene Rox, die er in einer raumgreifenden Videoinstallation festgehalten hat. Sie beschäftigt sich mit dem zumeist hoffnungslosen Versuch, im normalen Alltag Zeit fürs eigene Wohlbefinden zu haben.

Im einem abgedunkelten Raum ist eine Performance der Ukrainerin Olga Drachuk-Meyer zu sehen. Eine Frau liegt reglos unter einem weißen Laken, nur eine Hand ist zu sehen. Neben ihr tickt ein Metronom. Titel der Performance: »War«.

Neuer Tag, neuer Veranstaltungsort: Die Biennale meldet sich aus dem Garten des Ulenspiegels und der benachbarten Galerie 23. Die Arbeitsloseninitiative ist mit der Ausstellung »eigen ständig keit« vertreten, deren Grundlage alte, aussortierte Schuhe bilden. Erstmalig wird im Ulenspiegel der Gießener Kunstpreis verliehen. Er geht an Burcak Konukman, der nicht nur Auszüge aus seinem Oevre zeigt, sondern auch eine Führung durch sein Leben anbietet.

Und das ist noch nicht alles: Geboten wurden Musikkonzerte, ein Workshop der Verfassungsschatzies und weitere Ausstellungen. Bemerkenswert, wie es dem Giennale-Team gelungen ist, diese Vielzahl von Veranstaltungsorten in ihrem Festival zu vereinen.

Dienstag: Ausstellungen und Aktionen in der Galerie 23, in der Alten UB, in der Kupferschmiede und im Prototyp (täglich bis einschließlich Samstag). Auf dem Kirchenplatz um 18 Uhr Performance »Lovers against Lions«.

Mittwoch: Alte Kupferschmiede: 12 bis 15 Uhr Brunch mit Kunst, Arbeitsloseninitiative. Ab 19 Uhr Hörspiel und Konzert.

Donnerstag: Im Prototyp um 19.30 Uhr Lesung mit Comic-Autorin Anna Geselle. In Pits Pinte um 21 Uhr Konzert mit »Plattenbau«.

Freitag: Im Nordstadtzentrum von 15 bis 17 Uhr Workshop »Die Kunstkoffer kommen«.

Samstag: Kirchenplatz von 12 bis 14 Uhr Die Kunstkoffer kommen, 16 bis 17 Uhr Konzert mit der Band »Auf Krücken durch Rom«. Berliner Platz ab 14 Uhr Performance »Gießens Grandioser Gang durchs Grundgesetz«. Kleines Haus Stadttheater: 18 Uhr Übernahme durch die Giennale, 21 Uhr Party Giennale und Stadttheater Gießen.

Ausführliche Infos gibt es im Programmheft, erhältlich an allen Ausstellungsorten oder im Internet unter www.giennale.de.

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