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Neuanfang mit Apfel

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Der Apfel, die sündige Frucht - hier in einer Probenszene (ohne Maske) des Jugendclubs Tanz © Rolf K. Wegst

Der Jugendclub Tanz musste lange auf einen Auftritt vor Publikum warten. Jetzt widmen sich die Talente auf der taT-Studiobühne einer symbolisch aufgeladenen Frucht.

Gießen. Äpfel schmecken, sehen ansprechend aus und sind mit Symbolik aufgeladen wie kaum eine andere Frucht. Eine so schöne wie naheliegende Idee ist es daher, sich einmal mit den unzähligen Mythen und Geschichten zu befassen, die sich um den Apfel ranken.

Dieser Aufgabe widmete sich nun der vom Stadttheater Gießen betreute Jugendclub Tanz, der sich nach zweijähriger Corona-Unterbrechung endlich wieder seinem Publikum präsentieren darf. Und die Mitglieder zeigten mit ihrem »Potpourri aus Apfelgeschichten« am Donnerstagabend auf der taT-Studiobühne, dass sie auch nach der langen Auftrittspause nichts von ihrer Begeisterung für diese Körperkunst verloren haben.

Zusammen mit Leiterin Terry Pedersen Pfeiffer entwickelte die Gruppe im Alter von 14 bis 20 Jahren zahlreiche kurze Episoden, die sich um das titelgebende Obst ranken. Etwa mit der Geschichte von Schneewittchen, bei der zunächst eine böse Stiefmutter zu wuchtigen Klassikklängen ihr Spiegelbild befragt, während ihre Bewegungen von einer zweiten Tänzerin hinter einem großen Rahmen kopiert werden. Bald darauf erscheint die arglose Märchenheldin auf der Bühne, die mit einem präparierten Apfel vergiftet - und schließlich von sieben Jugendclub-Zwergen samt Prinz gerettet wird.

Im ähnlich temporeichen Schnelldurchlauf erzählt das Tanzensemble die Geschichte vom Schweizer Wilhelm Tell, der seinem Sohn den Apfel vom Kopf schießen muss. Umgeben wird das Vater-Sohn-Gespann dabei von Tänzerinnen im Dirndl, Kuhglocken und Alpenrauschen. Sowie mehreren Darstellern, die sich zu einer Bergkulisse formen.

Oder die Gruppe widmet sich der heute weit weniger bekannten, aber umso origineller umgesetzten antiken Sage von der griechischen Jägerin Atalanta, die von mehreren männlichen Helden zum Wettrennen aufgefordert wird. Erst dem dritten Gegner gelingt es, sie zu bezwingen. Sein Trick: Er wirft drei goldene Äpfel auf den Boden, die seine Widersacherin aufhebt, so dass er den Rückstand wettmachen und sie schließlich überholen kann.

So wie in diesen drei Episoden setzt sich das 18-köpfige Ensemble immer wieder gewitzt mit dem eine Fülle an Stoff bietenden Thema auseinander. Etwa mit einer Hommage an den Big Apple oder dem Motiv des Sündenfalls. Dabei sind für die Tänzer gleich mehrere Herausforderungen zu meistern. Dazu zählen die sekundenschnellen Kostümwechsel, die den Spielfluss nie unterbrechen. Ebenso die schwierigen Ensembleszenen, bei denen die Jugendlichen den gesamten zur Verfügung stehenden Platz mit ihrem Rhythmus und Timing ausschöpfen. Und schließlich die Corona-Masken, die sie in den 65 Minuten schweißtreibender Spielzeit angelegt haben, um sich und ihr Publikum bei dieser Premiere zu schützen. Was ihre zumeist von treibenden Pop- und Rocksongs der 80er Jahre unterlegte Darbietung aber ganz sicher nicht einfacher macht.

Gelohnt haben sich die Anstrengungen dennoch. Am Ende gab es nicht nur Blumen für Jugendclub-Leiterin Pedersen Pfeiffer und ihre Gruppe, sondern auch langanhaltenden, lautstarken Applaus von den vollbesetzten Rängen. Schließlich ist der Apfel nicht zuletzt ein Symbol des hofnungsvollen Neuanfangs.

Die nächsten Aufführungen von »Apples« gibt es am Sonntag, 13. März, um 15 und 20 Uhr. Tanzinteressierte im Alter von 14 bis 20 Jahren können sich beim Büro des Kinder- und Jugendtheaters per E-Mail unter kiju@stadttheater- giessen.de bewerben.

Die nach den jüngsten Bund-Länder-Verhandlungen gelockerte Corona-Verordnung legt neue Zuschauergrenzen bei den Kultureinrichtungen fest.

Das betrifft auch das Gießener Stadttheater. So kann der Zuschauerraum im Großen Haus nun wieder ganz im Schachbrett-System und damit die Hälfte der vorhandenen Plätze besetzt werden. Zudem »müssen wir keine Sondergenehmigungen für diese Auslastung mehr beantragen«, erklärt Julian Wessel, Pressesprecher des Hauses. Konkret heißt das: 300 Besucher sind bei szenischen Produktionen zugelassen, 324 Besucher bei Konzerten. In der taT-Studiobühne ist die Zahl der Plätze reduziert, abhängig von der Inszenierung und der jeweils bespielten Fläche. Bewohner eines Haushalts dürfen nebeneinander sitzen; jeweils muss ein Platz zum nächsten »fremden« Besucher frei gelassen werden. (bj)

Die als Film bekannt gewordene Erzählung »Brokeback Mountain« ist bald als Oper im Stadttheater Gießen zu erleben. Die Inszenierung, die Pandemie-bedingt einige Male verschoben werden musste, wird zuvor am Sonntag, 13. Februar, ab 11 Uhr im Großen Haus vorgestellt. Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen den Cowboys Ennis und Jack in den USA der 1960er- und 70er Jahre, die damit gleichzeitig gegen ein von Konventionen und Missbilligung geprägtes Umfeld ankämpfen müssen.

Regisseurin Cathérine Miville wird bei der Vorstellung über die Inszenierung und die literarische Vorlage von Annie Proulx sprechen. Produktionsdramaturg Samuel Zinsli, der die Matinee moderiert, wird die Musik und den Komponisten Charles Wuorinen vorstellen sowie mit Bühnenbildner Lukas Noll, Kostümbildnerin Monika Gora und Lichtdesigner Thomas Hase über die Ausstattung sprechen. Der Eintritt ist frei. Voraussetzung ist eine kostenlose Reservierung im Ticketshop des Theaters. Es gilt 2G-Plus. (red)

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