1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Neue Bleibe für das Jugendamt

Erstellt:

giloka_blecher_1106_olz__4c_1
Am 1. Juli beginnt der Mietvertrag des Jugendamtes in seiner neuen Bleibe an der Ostanlage. Foto: Scholz © Scholz

In nur 18 Monaten ist das neue Domizil des Jugendamtes an der Ostanlage 29 in Gießen entstanden. Mietbeginn ist am 1. Juli.

Gießen. Eigentlich sollten die Arbeiten am neuen Gebäude des Jugendamtes an der Ostanlage 29 erst zwischen Juli und Dezember abgeschlossen sein. Dass es schon im April soweit war, sei »eine besondere Erwähnung wert«, lobte Frank-Tilo Becher bei der offiziellen Einweihung des »Haus Juventus« am Freitagmittag. »Wir alle wissen, dass wir im Rathaus Raumnot haben«, erklärte der Oberbürgermeister den Hintergrund des Umzugs des Amtes. »Entstanden sind 4710 Quadratmeter Bruttogeschossfläche und 108 moderne Arbeitsplätze mit zugehöriger Infrastruktur, inklusive einer Tiefgarage. Mietbeginn ist der 1. Juli«, berichtete Gabriele Peter-Schön vom Architekturbüro »hp&p«, die das Haus geplant und entwickelt hat. Rund 20 Millionen Euro umfasse das Bauvolumen des Gebäudes, dessen Investor und Namensgeber Ulrich Blecher an der Feier in der neuen Tiefgarage am Freitag nicht teilnehmen konnte.

»Leistungsfähige Verwaltung«

»Gießen ist eine wachsende Stadt. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl unserer Einwohner um rund 16 000 Menschen gestiegen. Das ist ein Zuwachs von 22 Prozent in den vergangenen 22 Jahren«, erklärte der OB. Eine wachsende Stadt brauche eine leistungsfähige Verwaltung, die mitwachse. »Nur so können wir das hohe Serviceniveau für unsere Bürger aufrechterhalten. Leider wachsen Rathäuser nicht mit«, erläuterte Becher. Durch den Umzug des Jugendamtes würden Räume für andere Ämter im Rathaus frei. Da der Neubau allerdings auch über sechs moderne Besprechungsräume verfüge, werde man sich sicher immer wieder »auch aus dem Rathaus einbuchen, wenn es das Jugendamt nicht stört«, so der Oberbürgermeister. Er verwies auf die Plakette im Eingangsbereich, die an Ulrich Blecher erinnert.

»1953 erfolgte der Kauf der Immobilie durch die Familie Blecher«, kam Peter-Schön auf die Geschichte des Standortes zu sprechen. 1957 habe die Firma Blecher eine Erweiterung ihrerer Räume um ein Lager und einen Ausstellungsraum vorgenommen. Unter anderem der Verkauf von Weiß- und Braunware und Elektroinstallationsmaterial habe das Spektrum des Unternehmens erweitert. »1972 gab es die Aufstockung des Lagers und der Ausstellung. 1982 kam es zur Umbaumaßnahme von Gewerbe zu einer Büronutzung. Zusätzlicher Mieter wurde das Kreisbauamt Gießen«, blickte die Planerin zurück. Die Radio- und Fernsehwerkstatt mit kleinem Abhollager sei bestehen geblieben.

Baubeginn im August 2020

»Von 1989 bis 2009 mietete der Landkreis Gießen das gesamte Objekt an. Und ab 2012 war das Grundstück sehr bekannt. Denn es war dann der Standort für den Imbissstand der ›Woscht Anna‹. 2019 begann ›hp&p‹ bereits mit der Planung des Jugendamtes« erläuterte Peter-Schön die Entwicklung. Kern des Ziels der Planung und Entwicklung sei es gewesen, den Mitarbeitern ein funktionales und angenehmes Arbeiten in einem modernen Verwaltungsgebäude zu ermöglichen. »Die Baugenehmigung erhielten wir im Juli 2020, Baubeginn war im August 2020. Mit dem Hochbau haben wir Ende November 2020 begonnen. Die Fertigstellung war im April 2022. Die Bauzeit betrug damit 18 Monate - die Abnahme war im vergangenen Monat«, resümierte die Fachfrau.

»Ich erinnere mich, dass die THM vor ungefähr zehn Jahren überlegt hat, aus diesem Gebäude ein Hochschulgebäude zu machen«, teilte Prof. Bernd Halfar von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt den Gästen mit. In diesem Zusammenhang habe er Ulrich Blecher kennengelernt. »Es war ihm eine große Freude, als die Idee aufkam, an diesem Standort etwas für seine Stadt Gießen zu machen«, betonte Halfar. Blecher sei ein Bürger wie er in der griechischen Antike schon eine Rolle gespielt habe als derjenige, der sich auch um das Gemeinwohl kümmere und sich nur auf seine Interessen fokussiere. »Noch vor drei Tagen habe ich mit Herrn Blecher telefoniert, um ihm den Namen ›Haus Juventus‹ auszureden. Mein italienischer Lieblingsverein ist der FC Turin - er hat den Gedanken nicht aufgegriffen«, lächelte Halfar.

Auch interessant