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Auch an der Liebigschule: Viele Schüler verkehren mit dem Fahrrad zwischen ihrem Zuhause und der Schule.

Neue Idee für das Stadtradeln

Gießen . Forderungen, mehr Fahrradwege für sicheres Radfahren auszuweisen, hält Thomas Kirchhof für »hochgefährlich«. Denn dies suggeriere, so die Begründung des Vorsitzenden des BID-Marktquartiers: »Man kann nicht Radfahren. Das ist viel zu gefährlich. Lasst das Radfahren bloß bleiben, solange es keine Radwege gibt. Das ist genau das Gegenteil, was wir wollen.

« Solche Forderungen müssten »unbedingt unterbleiben«. Als könne man derzeit auf Gießener Straßen nicht mit dem Rad fahren.

Diese Meinung vertrat er in der Agenda-21-Gruppe »Nachhaltige Mobilität«, in der es um temporäre Forderungen für sichere Radwege beim nächsten »Stadtradeln« ging. Sitzungsleiter Klaus Hass entgegnete Kirchhoff, er solle doch mal vom Berliner Platz nach links in die Südanlage mit der Verengung an der Baustelle auf eine Fahrspur mit dem Rad fahren. »Dass das Radfahren in Gießen ungefährlich ist, diese These kannst du in die Tonne kloppen«, beschied er ihm sodann. Walter Bien fügte hinzu: »Es ist zwar nicht immer gefährlich. Doch es kann gefährlich sein.« Mindestens zwei Tote auf innerstädtischen Straßen zeigten dies. Auch werden im innerstädtischen Straßenverkehr nicht selten verletzte Radfahrer verzeichnet. Jörg Bergstedt von der Saasener Projektwerkstatt hatte zuvor Pläne der Verkehrswende-Initiativen zum nächsten »Stadtradeln« vorgestellt. Das bisherige »Stadtradeln« werde als »dürftig« empfunden, als eine PR-Aktion mit Wettbewerbscharakter. »Man kann nicht sagen, dass das »Stadtradeln« irgendeinen Effekt auf das Stadtbild gehabt hat. Außer schönen Fotos und irgendjemand hat eine Gepäcktasche gewonnen.« Aus verschiedenen Ecken gebe es Überlegungen, im nächsten Jahr das »Stadtradeln« von Stadt und Land auf einen gemeinsamen Termin zu legen. Und zwar die drei Wochen vom 14. Mai bis zum 3. Juni. Auch Lehrer verschiedener Schulen von Stadt und Kreis hätten die Idee, eine Aktion »Schulen aufs Rad!« damit zeitgleich zu verbinden. Ideal wäre, den Beginn des »Stadtradelns« mit dem Startschuss des Verkehrsversuches auf dem Anlagenring zusammenzulegen. »Dies wäre eine spektakuläre Eröffnungsshow für das »Stadtradeln« und gleichzeitig ein guter Einstieg für den Verkehrsversuch. Der Anlagenring würde in den ersten drei Wochen Teil des »Stadtradelns« sein und »ordentlich befahren werden.«

Sichere Radwege

Allerdings dürften die drei Wochen Stadtradeln nicht zur ausschließlichen PR-Show verkommen, sondern es müssten veränderte Verkehrsbedingungen zumindest für diesen Zeitraum geschaffen werden, um sichereres Fahrradfahren zu gewährleisten.

Es gibt Überlegungen, während des »Stadtradelns« in allen Gemeinden möglichst viele, zumindest temporäre Fahrradstraßen als Blow-Up ausweisen zu lassen. Da sich auch eine ganze Reihe von Schulen an der Drei-Wochen-Aktion beteiligen wollten, seien neben innerörtlichen Hauptachsen auch sichere Fahrradwege von den Dörfern zu den Schulen in der Stadt anzulegen. Die Lehrer hätten ohne Änderungen von Verkehrsbedingungen jedoch keine Lust zu sagen: »Fahrt mit dem Fahrrad!« Wenn sie zu so etwas aufriefen, müsse dies auch gefahrlos möglich sein, so Bergstedt. Auch die Agenda-24-Gruppe »Nachhaltige Mobilität« und der ADFC sollten das Projekt unterstützen, so sein Ansinnen. Gemeinsam sollte gefordert werden, das nächste »Stadtradeln« unter diese Bedingungen zu stellen. Es sei »glasklar anzukündigen: Ansonsten sind wir nicht bereit, an so einem großen Event teilzunehmen«. In der Gruppe fiel der Vorschlag mit einer Ausnahme auf fruchtbaren Boden. Eine kleine Arbeitsgruppe mit dem Vorsitzenden Hass, Walter Bien und Hans Wichert wurde gebildet, um sich mit dem Projekt zu beschäftigen.

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