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Dietrich Faber und Magdalena Kaim spielen ein Ehepaar zwischen Begehren und Ernüchterung.

Theaterpremiere

Neue Rolle für Dietrich Faber

Es wird ernst: Der bekannte Kabarettist, Autor und Musiker steht heute Abend zusammen mit einer Gießenerin auf der Bühne der Waggonhalle - im Zwei-Personen-Stück »Der Liebhaber«.

MARBURG. Eine ganz neue Rolle für Dietrich Faber: Der vielseitige Autor, Kabarettist und Musiker feiert am heutigen Dienstag (20 Uhr) Premiere als »Der Liebhaber« und wechselt damit erstmals ins klassische Theaterfach. Zudem wird auch die zweite Hauptrolle des Stücks in der Regie von Matze Schmidt von einer Gießenerin bekleidet: An Fabers Seite ist Schauspielerin Magdalena Kaim zu sehen. Das Zwei-Personen-Drama von Nobelpreisträger Harold Pinter steht in den kommenden Wochen im Marburger Kulturzentrum Waggonhalle auf dem Spielplan.

Wie ist es zu dem Projekt gekommen? »Magdalena Kaim und ich haben uns mal in Gießen getroffen haben und ganz klassisch beschlossen, wir müssten mal was zusammen machen«, erzählt Faber im Pressegespräch. »Es interessiert mich immer, auch neue Dinge zu entwickeln und auszuprobieren und mich weiterzuentwickeln«, begründet er seinen Rollenwechsel. Beim von Magdalena Kaim organisierten »Besinnlich geht immer«-Festival haben sich die beiden dann noch einmal länger über das Projekt unterhalten. Dann kam Corona - und sie hatten plötzlich Zeit, um weiter daran zu feilen. »Ich hatte sie vorher auch schon auf der Bühne gesehen, fand sie hervorragend und hatte das Gefühl, das könnte passen«, berichtet Faber. Auch Matze Schmidt, Intendant der Waggonhalle, zeigte bald darauf Interesse. Nachdem mit Pinters Drama ein passendes Stück gefunden war, »musste ich nicht mehr lange überlegen«. Gießener Theaterfreunde erinnern sich an die Produktion des Pinter-Stücks (»The Lover«), das kürzlich im Keller Theatre sehr erfolgreich war.

»Der Liebhaber« ist die mittlerweile 38. Schauspielproduktion der Waggonhalle. Intendant Matze Schmidt inszeniert bereits seit Ende der Achtziger. Kaim wiederum hat ebenfalls schon mehrfach Stücke für die Waggonhalle in Szene gesetzt, etwa Ende 2019 »Arsen und Spitzenhäubchen«. Damals fielen acht bereits ausverkaufte Vorstellungen aus. Im vergangenen Sommer traf man sich und begann auch schon mit den Proben für den »Liebhaber«. Die Ausstattung besorgte wieder die erfahrene Daniela Vogt.

Die Gießenerin Magdalena Kaim gehört nicht umsonst zu den meistbeschäftigten Schauspielerinnen der freien Szene in Mittelhessen. Sie wurde 2016 beim Los Angeles Webseries Festival International ausgezeichnet als Hauptdarstellerin in der Webserie »Number of Silence«, war verantwortlich für viele Kindertheaterproduktionen, arbeitete auch als Regisseurin beim Fast-Forward-Theatre und dem Theater Gegenstand, ist Regisseurin und Organisatorin von Festivals.

Dietrich Faber dürfte den meisten in unterschiedlichen Rollen bekannt sein. Das Multitalent ist Kabarettist (Faberhaft-Guth), Musiker und Verfasser der legendären Bröhmann-Krimis. Mit seinen Programmen füllt er mühelos die Hallen (so dies möglich ist). Bevorzugt verbindet er auf der Bühne seine Fähigkeiten als Entertainer, Darsteller und Musiker. Im « Liebhaber« wird es spannend zu sehen sein, welche Facetten des bekannten Dietrich Faber das Publikum zu sehen bekommt, und nicht zuletzt, wie er sich in ein relativ festes Gefüge aus Text, Regie und Spielpartnerin einfügt. Beim Pressevorgespräch war er jedenfalls Feuer und Flamme, und Magdalena Kaim wirkte ebenfalls höchst zuversichtlich. Man darf also gespannt sein.

Bleibt noch die Frage nach der eher weichherzigen Romanfigur Bröhmann. Den Kommissar schickt Dietrich Faber gerade in Rente. Bis Mitte des kommenden Jahres ist ein Best-of-Programm mit der Figur geplant, dann soll es genug sein.

Das Stück »Der Liebhaber« feiert am heutigen Dienstag um 20 Uhr Premiere in der Waggonhalle Marburg. Tickets (12 Euro) gibt es unter Telefon 0180 60 50 400. Weitere Termine: 29., 30., 31. Dezember sowie 26., 27., 29. und 30. Januar. Es gilt die 2G-Regel. Weitere Infos und Tickets unter www.waggonhalle.de.

Harold Pinters Stück »Der Liebhaber« wurde 1963 in London uraufgeführt. Es erzählt vom Ehepaar Richard und Sarah, das immer neue Situationen der Verführung und Abwehr, Begierde und jäher Ernüchterung durchspielt. Täglich schleicht sich Richard zu diesen Spielen als Liebhaber in sein eigenes Haus, wo Sarah ihn bereits als Freundin Dolores oder Hure Mary erwartet. Pinter (1930-2008) hat für Theater, Hörfunk, Fernsehen und Kinofilme geschrieben. Viele seiner frühen Werke werden zum Absurden Theater gezählt. Im Jahr 2005 erhielt er den Literaturnobelpreis. (bj)

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