1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Neuentdeckung eines Darmstädters

Erstellt: Aktualisiert:

Gießen (rfi). Der Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner (1683 - 1760) stand im Mittelpunkt beim jüngsten Gastspiel des Frankfurter Main-Barockorchesters in der Johanneskirche. Graupner wurde erst um die Wende zum 20. Jahrhundert neu entdeckt, richtig populär wurde sein Schaffen erst in den letzten Jahren. Zeitlebens war dieser Vertreter des galanten Stils hingegen ein gefragter Mann.

Das zeigt sich schon daran, dass Graupner zum Leipziger Thomaskantor gewählt wurde und, nach seinem Verzicht, Johann Sebastian Bach nur die dritte Wahl nach Telemann war.

Was zeichnet nun den galanten Stil aus? Er setzte sich durch Klarheit, Anmut und Gefälligkeit vom gelehrten Stil des Hochbarocks ab. Im Zentrum steht eine kantable Melodik, die nie von kontrapunktischen Künsteleien verdunkelt wird. Folgerichtig wurde das Konzert des Main-Barockorchesters von einer strahlenden Klangschönheit getragen, die das Publikum sichtlich ergriff.

Eingangs ertönte die Ouvertüre in c-Moll für Streicher und Basso continuo. Das Stück begann mit einer französischen Ouvertüre mit punktierten Rhythmen und fugiertem Mittelteil. Das subtile Klanggeflecht der Komposition gestaltete das Ensemble transparent und klangschön. Der »Plainte craintive« (ängstliche Klage) überschriebene langsame Satz exponierte eine klagende Melodie vom Fortspinnungstyp. Das Duett »Der Herr ist auferstanden« musizierten der Countertenor Franz Vitzthum und der Tenor Georg Poplutz mit hellem, strahlendem Timbre klangvoll und ausdrucksstark. Das Orchester begleitete die beiden Sänger bei diesem Ausdruck jubilierender Glaubenszuversicht mit tänzerischem Schwung. Die Arie für Countertenor und Streicher »Soll ich Kreuz und Leiden scheuen?« interpretierte der Countertenor mit expressiven Koloraturen.

Die »Tombeau« überschriebene Grabesmusik aus der Ouvertüre c-Moll stellte dann einen Höhepunkt des Konzerts dar. Nach der Pause ertönte zunächst Graupners Concerto in g-Moll für zwei Violinen Streicher und Basso continuo. Das Stück setzt sich in seiner Anlage deutlich von der damals vorherrschenden Vivaldischen Konzertform ab. Die Solisten Martin Jopp und Jörn-Sebastian Kuhlmann interpretierten es mit Spiellust. Das Duett »Mein Freudenlicht hat sich verborgen« bringt nach einem schmerzlichen Vorspiel einen erschütternden Klagegesang. Den hochexpressiven Höhepunkt des Abends brachte das Duett »Christi Leiden« mit seiner ausdrucksstarken Klanggestaltung.

Das zahlreiche Publikum erklatschte sich eine Zugabe.

Auch interessant