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Neuer Rekord bei Drittmitteln

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Die Universität Gießen hat 2021 insgesamt 128,4 Millionen Euro für die Forschung eingeworben. Das Präsidium nannte außerdem Zahlen zu aufgenommenen Ukrainern und steigenden Energiekosten.

Gießen . Ganze 26 Monate hatten die Mitglieder des Senats der Justus-Liebig-Universität (JLU) aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr im altehrwürdigen Senatssaal im Uni-Hauptgebäude getagt. Um die Hygieneauflagen und hier vor allem die Abstände zueinander einhalten zu können, war das Gremium in dieser Zeit in die riesige Uniaula umgezogen. Und selbst dort waren viele lange »nur« digital zugeschaltet. Doch am Mittwoch kam es endlich zur Rückkehr. »Ich habe den Raum etwas vermisst«, sagte Prof. Joybrato Mukherjee in seinen einführenden Worten und wollte im Kollegenkreis trotz auch hier weiter geltender Maskenpflicht »eine gewisse freudige Aufregung« bemerkt haben. Da lag der Unipräsident sicherlich nicht falsch. Für allgemeine Freude sorgte dann insbesondere eine Nachricht: Die JLU hat 2021 mit eingeworbenen Drittmitteln von 128,4 Millionen Euro, die Forschung und Projekten zugutekommen, einen neuen Rekord aufgestellt. Damit hat man den bisherigen Bestwert von 2020 (117,4 Millionen Euro) um elf Millionen übertroffen. Prof. Martin Kramer sprach von einem »großen Erfolg«, als er die Zahlen vortrug, und dankte allen Beteiligten in den Fachbereichen und Dekanaten, die mit »sehr viel Engagement« dazu beigetragen hätten. Gerade »in diesen schwierigen Zeiten« sei es »eine unglaubliche Leistung«, so viel Geld eingeworben zu haben, hob der Vizepräsident für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hervor.

Nahezu bei allen Geldgebern seien Zuwächse zu verzeichnen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) etwa fördert Vorhaben der JLU mit 31 Millionen Euro. Von Bund, Land und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) kommen zusammen 42,4 Millionen, während die Fördermittel der Europäischen Union (EU) auf 5,3 Millionen stiegen. Zudem sind die eigenen Einnahmen, beispielsweise aus der Tierpatienten-Behandlung in der Veterinärmedizin, auf 28,7 Millionen angewachsen. Laut Mukherjee spiegele die gesamte Drittmittel-Entwicklung »die exzellenten Forschungstätigkeiten« an der JLU wider.

In Sachen Studium und Lehre hat die Gießener Universität während den zwischenzeitlich »maximal digitalen Semestern« offenbar ebenfalls nicht an Renommee eingebüßt. So konnte der Unipräsident verkünden, dass die Gesamtstudierendenzahl in diesem Sommer laut Prognose - die endgültige Zahl steht erst in wenigen Wochen fest - zwischen 25 500 und 26 000 liege. Und damit im Bereich der Sommersemester »der letzten zwei, drei Jahre«. Wobei es hier in der Regel etwas weniger als im Winter sind, wenn mehr Studiengänge Neulinge aufnehmen. Die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Katharina Lorenz, berichtete von einem »guten Start ins Sommersemester«. So sei die erste Vorlesungswoche vor Ostern »ohne jegliche Komplikation« verlaufen. Jetzt die erste eigene Vorlesung im Hörsaal statt wie zuvor zwei Jahre am Bildschirm halten zu können, sei für sie »ein wunderbares Erlebnis« gewesen, betonte Lorenz. Wie viele ihrer Studierenden, für die es oftmals die allererste Vorlesung in Präsenz überhaupt war, habe sie sich »wie am ersten Schultag gefühlt«.

Kanzlerin Susanne Kraus musste die allgemein gute Stimmung im Senatssaal dann jedoch »mit nicht so guten Nachrichten« etwas dämpfen. So zeichne sich bereits jetzt ab, dass die aufgrund des Ukraine-Kriegs steigenden Energiepreise dieses Jahr an der JLU zu einem Betrag führen werden, »der richtig reinschlägt«. Rechne man die seit Januar bis zum 31. März ermittelten Zahlen auf das gesamte Jahr hoch, »werden die Energiekosten im einstelligen höheren Millionenbereich liegen«, prognostizierte Kraus.

Derweil wird die JLU zum Zufluchtsort von immer mehr Menschen aus der Ukraine. Stand Mittwoch sind es 260 Studierende und zehn Wissenschaftler, vermeldete Mukherjee und lobte alle Helfer an der Universität für »diese gigantische Gemeinschaftsleistung«. Wobei ein Teil der Studierenden die digitalen Lehrangebote der JLU nutze. Der Großteil der in Gießen angekommenen jungen Leute sind Austauschstudierende, deren Kontingent man kurzfristig erhöht hat (der Anzeiger berichtete). Diese stammten »von unseren beiden Partner-Unis in Kiew«, ergänzte der Präsident.

Bislang seien 110 Anträge für die Unterstützung mit finanziellen Mitteln aus dem Hilfsfonds genehmigt worden, den die mittelhessischen Hochschulen zusammen aufgelegt haben. Da zusätzlich Gelder aus dem EU-Förderprogramm »Erasmus+« zur Verfügung stehen, sei der Fonds derzeit zwar ausreichend gefüllt. Doch bleibe die Ungewissheit, »welche Aufgaben die nächsten Monate und Jahre auf uns zukommen«, zeigte sich Mukherjee angesichts der Kriegsentwicklungen realistisch. Daher seien Geldspenden für den Hilfsfonds - Infos dazu auf www.uni-giessen.de/ueber-uns/pressestelle/ukraine - weiter sehr willkommen. »Wir hoffen auf ein großes Bundesprogramm«, wandte er sich auch an die Politik.

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