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Neues Album und alte Hits

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Ganz in Weiß und bestens aufgelegt: Adel Tawil beim Kultursommer auf dem Schiffenberg. Foto: Hahn-Grimm © Hahn-Grimm

Ein gut gelaunter Künstler, textsichere Fans und eine traumhafte Kulisse: Adel Tawil bringt den Gießener Schiffenberg zum Leuchten und die 2400 Zuhörer zum Toben.

Gießen. Das muss man ohne Neid anerkennen: Textsicher sind sie, die Fans von Adel Tawil. Als der Sänger, ganz in Weiß gekleidet, punkt 20.45 Uhr die Bühne vor der Basilika am Schiffenberg betritt, stimmen alle ein. »Du bist vom selben Stern« ebenso beim anschließende Lied »Ich bau eine Stadt aus Stein«, vorgetragen zusammen mit der wunderbaren Maria Helmin. Der Sänger strahlt: »Ich hab das so vermisst. Das war für mich eine echt schwierige Zeit«.

Und so sind alle happy, der Sänger über die Auftrittsmöglichkeit, die Fans über ihren gut aufgelegten Star und die traumhafte Kulisse. Die Veranstalter des Festivals »Gießener Kultursommer« sind etwas ambivalent. Wenn auch mehr als 2400 Karten gebucht wurden - ganz ausverkauft ist das Konzert nicht. Doch das sollten die Profis ganz entspannt sehen. Corona gerade erst überstanden, nicht wenige Menschen meiden da noch die Menschenansammlungen, außerdem sind Sommerferien und an diesem Wochenende auch noch Stadtfest.

Auf dem Schiffenberg interessieren die Besucherstatistiken keinen. Hingerissen stimmten die Menschen in den Refrain ein: »Wir bringen die Welt zum Leuchten, egal woher du kommst«. Die melodiösen eingängigen Titel sind das Markenzeichen von Adel Tawil. Zu einschmeichelnden Harmonien und lebhaften Rhythmen sind Texte zu hören von Liebe und einer besseren Welt. Kritiker sprechen da manchmal von Stereotypen und Schnulzen, doch auch das ist der Fangemeinde egal.

Das Publikum ist ganz auf der Seite ihres gefeierten Sängers, wenn er erzählt, dass eine wirklich schwierige Zeit hinter ihm liegt. Er habe zwar wie andere Künstler mit dem Streaming von Songs begonnen. Aber das könne doch nicht die Zukunft der Musik sein! Zur Verdeutlichung seiner Niedergeschlagenheit und Verwirrung stimmte er das Lied Labyrinth an: »Schon wieder hab ich mich verlaufen in diesem scheiß Labyrinth. Find« den Weg nicht mehr nach draußen. Nur Gott weiß noch wohin.«

Adel Tawil kam 1978 als Sohn nordafrikanischer Eltern (Mutter Tunesierin, Vater Ägypter) in Berlin-Spandau auf die Welt. Neben dem Schulbesuch beschäftigte sich der junge Adel schon früh mit Musik und schrieb sogar eigene Songs. Erste Erfolge auf der Bühne feierte der deutsche Sänger in den 90er Jahren mit der Boygroup »The boyz«. Richtig bekannt wurde Adel Tawil dann ab 2002 mit Annette Humpe in dem Duo »Ich und ich«. Bis 2009 produzierten die beiden eine Vielzahl von bekannten Hits.

2013 brachte Adel Tawil mit »Lieder« sein erstes Soloalbum heraus, gefolgt von »So schön anders« (2017) und »Alles lebt« (2019). Inzwischen hat Tawil zusammen mit seiner Band vor über zwei Millionen Zuschauern gespielt und freut sich immer noch über jeden Live-Auftritt. Und auf dem Schiffenberg in Gießen fand er optimale Bedingungen vor. Beleuchtung und Sound, alles vom Feinsten.

Adel Tawil, singt nicht nur. Er erzählt auch aus den vergangenen Jahren, zum Beispiel dass etliche Schulklassen seine Lieder gesungen und auf Video aufgenommen haben. Oder er gibt Anleitung für eine Yoga-Übung, die man gut zu seinen Liedern machen könne. Neben den Liebesliedern waren auch erstere Texte zu hören, »Die großen Mächte bauen wieder Bomben« heißt es in dem Song »Gott steh mit bei«.

Lange haben alle ausgeharrt, dann kommt endlich das deutsch-französische Lied »Tu m’appelles«, das viele Wochen in den Charts zu finden war. Ein eingängiges Lied wunderbar anzuhören, wenn Tawil es mit Maria Helmin zusammen singt, der ausgebildeten Jazz- und Musical-Sängerin. Für sie gab es nach kleinen Soloeinlagen auch Zwischenapplaus. Applaus selbstverständlich auch für die exquisite Band. Für so viel Klatschen gab es dann auch noch Zugaben. »Der Himmel soll warten«, war da zu hören, einen Song, den Tawil auch mit dem Deutsch-Rapper Sido schon vorgetragen hat.

Und Sido selbst ist auch beim Gießener Kultursommer zu Gast, am heutigen Montag, 22. August. Mal sehen, ob dieser Song in seinem Programm sein wird.

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