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Neues Flaggschiff für die DLRG

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Schmuckstück am Lahnufer: der 3,5 Millionen Euro teure Neubau der DLRG, in dem auch der Tanzclub RWC sowie das Restaurant Skafos untergebracht sind. © Rüdiger Schäfer

300 Wochen nach dem verheerenden Großbrand wurde das neue Vereinsheim der DLRG am Lahnufer eingeweiht. Neben viel Lob gab es auch kritische Töne.

Gießen. Dieses Schiff liegt nicht in, sondern direkt neben der Lahn: Es ist das neu errichtete Vereinsheim der Kreisgruppe DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft), in dem mit ein bisschen Fantasie ein Wasserfahrzeug zu erkennen ist. Erinnert die Architektur doch ein wenig an den Bugbereich eines Passagierdampfers. Verantwortlich für die Errichtung des am Uferweg unweit der Sachsenhäuser Brücke entstandenen Gebäudes ist das Gießener Unternehmen SHB Architekten und Ingenieure im Unteren Hardthof. Die Einweihungsfeier mit vielen geladenen Gästen aus befreundeten Vereinen und der Politik wurde nun genau 300 Wochen nach dem Flammeninferno gefeiert, das am 7. Januar 2017 das alte DLRG-Vereinsheim in Schutt und Asche gelegt hat.

Hilfsbereitschaft vieler Vereine

Der DLRG-Vorsitzende Kai Happel moderierte die Veranstaltung. Alexander Sack, sein Vorgänger von 2013 bis 2021, hielt die Festrede. Gedacht wurde dabei auch dem langjährigen Vorsitzenden Ewald Born, der die Einweihung nicht mehr miterleben konnte. Umrahmt wurde die Feier von der Sängerin Evi Will und Tanzeinlagen eines Paares und einer Bauchtänzerin des Tanzclubs RWC (Rot-Weiß-Club). Dieser ist in dem neuen Gebäude erneut Mieter eines riesigen Tanzsaals.

Schockstarre, Entsetzen und Ratlosigkeit haben nach der Feuersbrunst geherrscht, erinnerten sich die DLRG-Verantwortlichen. Ein schier unüberwindbarer Berg an Arbeit habe sich danach vor ihnen aufgetürmt. Dabei sei das Ehrenamt schon in normalen Zeiten fordernd: Kinderschwimmkurse, Rettungsschwimmerausbildung, Wasserwacht und vieles mehr gehören dazu.

Doch wie über Nacht haben sich in der Not verschlossen scheinende Türen geöffnet, indem Vereine und Hilfsorganisation Unterstützungen vielerlei Art anboten. Auch die Stadt sei der DLRG beigesprungen. Stolz präsentierten Sack und Happel bei einem Rundgang das Bauwerk, das insgesamt 3,5 Millionen Euro kostete. Gut 1500 Quadratmeter beträgt die Nutzfläche des mit Kellergeschoss dreistöckigen Gebäudes. Davon nutzt die DLRG 530 qm, der Tanzclub 300 qm sowie das ebenfalls im Haus untergebrachte Restaurant Skafos 600 qm.

Lange Zeit sei zunächst offen gewesen, ob an diesem Standort neu gebaut werden könne. Dann sei in rund 3000 Arbeitsstunden vieles von eigener Hand erledigt worden, insbesondere im Außenbereich. Genausoviele Stunden habe der Aufwand betragen, den die Bürokratie mit Versicherungen, Verträgen und dergleichen mehr verschlungen habe. Ohne die finanzielle Unterstützung von Sponsoren, Stadt und Land wäre das alles nicht zu stemmen gewesen, betonten die DLRG-Verantwortlichen. Viel Lob gab es bei dieser Einweihung für die Leistung der Vereinsverantwortlichen und die DLRG-Mitglieder ebenso wie für den Neubau, der als Flaggschiff gerühmt wurde.

Kritische Töne gab es allerdings auch. Sie kamen von Stefano Sovolos, dem Geschäftsführer des Restaurants Skafos, das bei dem Festakt als Mitgastgeber fungierte. Sovolos erinnerte anfangs daran, dass sein Vater vor einem Vierteljahrhundert das Restaurant Rhodos im alten DLRG-Gebäude betrieben hat. Sein Lokal Skafos, (deutsch: »Boot«) würde »jeden Tag von Drogenabhängigen auf der gegenüberliegenden Seite belästigt«. Allmorgendlich müsse er im Außenbereich Spritzen, Ampullen und Plastikmüll aufsammeln.

Auch die Parksituation am Uferweg sei »ein Grauen«. Mit Knöllchen bedachte Gäste blieben seinem Restaurant zunehmend fern. »Auf der linken Seite bei den Dauerparkern stehen manche Autos bereits seit acht, neun Monaten«, beklagte er. DLRG-Vorsitzender Happel hofft, durch die Fertigstellung von Fahrradstellplätzen das Parkplatzproblem entschärfen zu können. »Wir würden uns freuen, wenn dann viele mit dem Rad kommen.«

Grußworte entrichteten zuvor im offiziellen Teil für die Zuwendungsgeber Hessens ehemaliger Ministerpräsident Volker Bouffier, DLRG-Bezirksleiter Claus Protzner (Gießen-Wetterau-Vogelsberg) sowie Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher. Grüße entboten zudem Helge Braun, ehemaliger Kanzleramtsminister, Gerhard Riess als Deichgraf für die DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger), Harry Jungk für den Ski- und Kanuclub (SKC) und den Marine-Verein sowie Marvin Kröhl und Tim Hofmann von der DRK Wasserwacht. Nach dem Abendessen im Tanzsaal des RWC bot sich die Gelegenheit zum Fotoshooting mit dem DLRG-Maskottchen Nobbi, bevor es zum gemütlichen Ausklang kam.

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Lichtdurchflutet: Kai Happel (rechts) und Alexander Sack stellen den Gästen den neuen DLRG-Schulungsraum im Obergeschoss vor. Foto: Schäfer © Schäfer

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