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Neues Leben für alte Möbel

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Haben neben der Liebe für Skateboards auch die für Degignermöbel entdeckt: Philipp Schmidt und sein Sohn Levi in ihrem Laden »Gießen Vintage«. © Zielinski

Philipp Schmidt und sein Sohn Levi bieten in ihrem Laden »Gießen Vintage« Designerstücke an .

Gießen. Alles begann damit, dass Philipp Schmidt auf der Suche nach einer neuen Büroeinrichtung für seinen »Mosaic Skateshop« war. Dabei stieß er im Internet auf Möbel der 60er und 70er Jahre und war von den klaren Formen und Linien begeistert. Schnell entstand die Idee, als Ausgleich zur täglichen Büroarbeit, die Möbel selbst aufzubereiten - und »Gießen Vintage« war entstanden. Zunächst von einem Kollegen unterstützt, ist seit drei Jahren sein Sohn Levi mit dabei.

Philipp Schmidt, der eigentlich betriebliches Ausbildungswesen studiert hat, aber, wie er sagt, nie in diesem Beruf gearbeitet hat, ist passionierter Skateboarder. Bereits mit 18 Jahren hat er begonnen »aus dem Kofferraum heraus« Boards zu verkaufen. Eigentlich als Großhändler tätig, eröffnete er 2013 mit »Mosaic« seinen eigenen Skateshop als lokalen Anlaufpunkt in Gießen.

Das Geschäft in der Bahnhofstraße bietet ausreichende Platz, um auch die schön restaurierten Möbel zu präsentieren. Zwischen Skateboards, Schuhen, Rucksäcken und Kleidung findet man seit dem Sommer Sideboards, Regale, Stühle, Sessel und Tische im Stil der 60er und 70er Jahre. Dabei haben Vater und Sohn einen Schwerpunkt auf Holzmöbel vor allem skandinavischer Designer gelegt. »Da-mals hatte man viel Teak- und Nussbaummöbel.«

Während Vater Philipp sich eher um das Restaurieren kümmert, liegt die Kundenbetreuung in den Händen von Sohn Levi. Er ist es auch, der die Möbelstücke fotografiert sowie im Internet bei Instagram und Ebay zum Verkauf einstellt. Auf der Suche nach neuen Stücken fahren die beiden auch auf Flohmärkte, allerdings meist nicht weiter als 200 Kilometer von Gießen entfernt. »Es macht Spaß, dabei immer wieder was Neues zu entdecken«, sagt Levi. Manchmal finden die Möbel dann auch Verwendung im eigenen Zuhause.

Im Internet aktiv

Auch bei Ebay oder Haushaltsauflösungen werden die beiden fündig. Ab und zu stoßen Philipp und Levi Schmidt sogar auf echte Designerstücke. Bei einer Haushaltsauflö-sung fanden sie etwa »acht Stühle des Designers Hans Wegner, die für den Hersteller Carl Hansen & Son angefertigt wurden«, erinnert sich Levi Schmidt. Selbstverständlich habe man die Besitzer darauf hingewiesen. »Viele Menschen sind froh darüber, dass wir ihren alten Möbeln ein zweites Leben geben«, freut sich Philipp Schmidt.

Sein Wissen über Möbel hat sich der 17-jährige Levi, der die zwölfte Klasse der Gesamtschule Gießen-Ost besucht, in Fachbüchern angelesen. Noch lasse sich die Arbeit gut mit der Schule vereinbaren. Selbst angeeignet hat sich sein Vater auch die Fähigkeit zum Möbelrestaurieren. »Wenn ich mal Fragen habe, kann ich auf ein paar befreundete Experten zurückgreifen«, sagt er. »Auf jeden Fall ist es immer schön, das Ergebnis der Arbeit zu sehen«.

Die Kunden kommen mittlerweile sogar aus dem Ausland, betwa aus den Niederlanden oder Belgien. »Dort ist die Auswahl kleiner und die Preise sind höher«, berichten Vater und Sohn. Teilweise bekommen sie auch konkrete Anfragen, zumeist von Menschen, die schon einmal bei »Gießen Vintage« gekauft haben.

Etwa 50 Möbelstücke des Vater-Sohn-Teams sind in der Regel bei Ebay-Kleinanzeigen online verfügbar. Weitere sind in Bearbeitung. Um ihre Stücke besser lagern zu können, hat das Duo vor einem Jahr eine 150 Quadratmeter große Flä-che auf dem Gelände des ehemaligen Gießener Brauhauses angemietet. Leider müssen sie dieses Lager irgendwann wieder verlassen und sind daher gerade auf der Suche nach einem neuen Standort.

Die Kunden sind nach Auskunft der Schmidts in der Regel zwischen 25 und 50 Jahren alt, einige auch etwas älter. »Manche erkennen Dinge aus ihrer Jugendzeit bei uns wieder und freuen sich darüber«, berichtet Philipp Schmidt. »Was für einige Menschen nichts bedeu-et, hat für andere einen großen Wert.«

Gerade hat Levi »Gießen Vintage« offiziell von seinem Vater übernom-men. Wie es bei ihm nach dem Abitur weitergehen wird, steht allerdings noch in den Sternen. »Ich fühle mich aber in Gießen sehr wohl« betont er und bisher hat sich bei den beiden immer eine gute Lösung gefunden.

Die Möbel können entweder während der Öffnungszeiten von »Mosaic« (donnerstags bis samstags jeweils von 12 bis 18 Uhr) oder nach Vereinbarung angeschaut werden. Weitere Informationen gibt es unter info@giessenvintage.com oder 0176 21638561.

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