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Neues Zuhause in 4,20 Meter Höhe

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Hier finden Mehlschwalben und Fledermäuse Nist- und Brutplätze. Foto: Jung © Jung

Der Nabu Lützellinden hat auf dem Gelände der Feuerwehr im Gießener Stadtteil ein Artenschutzhaus für Mehlschwalben aufgestellt.

Gießen (kg). In Lützellinden gibt es besonders viele Mehlschwalben. Sie gehören als Kulturfolger zu den bekanntesten Vögeln und sind gern gesehene Glücksbringer. Wohl jedes Kind kennt die rasanten Flieger der Lüfte. Doch die Glücksbringer werden leider Sorgenkinder: Die Bestände gehen immer mehr zurück. Mittlerweile sind die Mehlschwalben in Hessen auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Der Naturschutzbund Lützellinden kam in Zusammenarbeit mit der Stadt auf die Idee, die im Bestand rückläufigen Tiere im Stadtteil zu fördern.

Dazu wurde ein Artenschutzhaus auf dem Gelände der Feuerwehr gebaut. Es hat eine Fläche von 2,5 mal 2,5 Metern. Neben 48 Mehlschwalben-Kunstnestern sind noch zehn Brutkammern mit Ansitzstangen für Haussperlinge und andere Vogelarten wie Meisen sowie ein isoliertes Ganzjahres-Fledermausquartier mit Anflugbrett im Dachraum vorhanden. An den verputzten Wänden können Mehlschwalben noch selbst ihre Naturnester bauen. Das Artenschutzhaus ist 4,20 Meter hoch.

Als weitere Maßnahme wurde eine geförderte Schwalbenwand am Versorgungsgebäude der Stadtwerke Gießen angebracht. Die Firma AGRAFOR von Oliver Wegener ist darauf besonders stolz, weil es eine neue Produktentwicklung ist. Beide »Etagen« verfügen über jeweils zehn Mehlschwalben-Kunstnester sowie ein Kotbrett. Dieses ist geneigt, damit keine Tauben darauf brüten oder Greifvögel zur Schwalbenjagd darauf ansitzen können. Erleichtert wird damit auch die Reinigung der Kotbretter.

Hinter den Mehlschwalben-Kunstnestern sind verputzte Trägerplatten montiert, so dass Mehlschwalben auch hier noch Naturnester bauen können. Hinter den Putzträgerplatten sind jeweils Fledermausquartiere für spaltenbewohnende Arten wie Zwergfledermaus und Breitflügelfledermaus integriert. An den Neubauten im Bereich »Sporn« erklärten sich Bewohner bereit, zur Unterstützung der Maßnahme Kunstnester am Haus montieren zu lassen. An einigen Häusern bauten die Vögel bereits Naturnester. Sie sorgten für Unmut bei den Bewohnern, weil der Kot die Fensterbretter verunreinigte. Auf Wunsch und nach Rücksprache mit den Eigentümern werden jetzt unter die Nester Kotbretter montiert. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen. An einigen Häusern werden in den kommenden Wochen weitere Nester und Kotbretter angebracht. Da der Bestand gebäudebewohnter Tierarten durch energetische Sanierungen, Modernisierungen sowie An- und Umbauten älterer Häuser stark zurück geht, hat die Stadt diese Populationsausbreitung genutzt, um weitere Nist- und Brutplatzangebote durch das Artenschutzhaus sowie der Schwalbenwand zu schaffen.

Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) sagt dazu: »In der eher städtisch geprägten Gießener Umgebung ist es der Stadt ein Anliegen, den durch die Versiegelung und Nistplatzverlust betroffenen Kulturfolgern Brutplätze anbieten zu können.«

Finanziert wurde die Schwalbenwand vom Regierungspräsidium Gießen. Mittel der Ausgleichsabgabe flossen für das Artenschutzhaus.

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