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Neugründung zur Finanzierung

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Die »Azubi-Guides« mit Berufsorientierungscoach Rüdiger Stamm (Mitte) und den Vereinsvorsitzenden Kay-Achim Becker (4.v.r.) und Andreas Groß (2.v.r.). Foto: Kreishandwerkerschaft © Kreishandwerkerschaft

Um das Berufsorientierungsprojekt sowie die Arbeit des Vereins Handwerk Mittelhessen auf ein solides finanzielles Fundament zu stellen, wurde vor kurzem ein Förderverein gegründet.

Gießen (red). »Studier’ doch Handwerk!« Mit diesem markigen Slogan wirbt der Verein Handwerk Mittelhessen junge Menschen für eine duale Ausbildung im Handwerk. Bereits im April des vergangenen Jahres hatten die beiden Kreishandwerkerschaften aus Gießen und Lahn-Dill gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedsinnungen den gemeinnützigen Verein aus der Taufe gehoben, um den steigenden Bedarf an Fachkräften im regionalen Handwerk sicherzustellen und die eigene Nachwuchsgewinnung zu professionalisieren.

Unterstützung erhielten sie dabei durch die beiden Landkreise Gießen und Lahn-Dill, die eine beachtliche Anschubfinanzierung leisteten. Zentrales Projekt des Vereins sind die »Azubi-Guides«. Junge Auszubildende mit überzeugendem Auftreten besuchen als Botschafter ihres Gewerkes allgemeinbildende Schulen und begeistern Schülerinnen und Schüler für eine Ausbildung im Handwerk. Dabei stehen weniger Eckdaten zum Beruf, sondern der persönliche Weg ins Handwerk im Vordergrund.

Finanzielles Fundament schaffen

Um das Berufsorientierungsprojekt sowie die Arbeit des Vereins Handwerk Mittelhessen langfristig und nachhaltig auf ein solides finanzielles Fundament zu stellen und ideell zu unterstützen, hat sich in der »Leica Welt« in Wetzlar vor kurzem ein Förderverein gegründet. Die Gründungsmitglieder aus dem heimischen Großhandel, der Industrie, dem regionalen Handwerk sowie aus der Region verfolgen gemeinsam das Ziel, für das regionale Handwerk die Fachkräfte von morgen zu sichern und damit für alle eine bessere Perspektive zu schaffen.

Reichlich Rückenwind erhielten sie dabei durch sieben der aktuell vierundzwanzig »Azubi-Guides«, die sich den Gründungsmitgliedern im Rahmen der Veranstaltung vorstellten und überzeugende Argumente lieferten, warum sie sich für eine Karriere im Handwerk entschieden haben.

Matthias, ein 24-jähriger Auszubildender zum SHK-Anlagenmechaniker, schilderte, dass seine Eltern überhaupt nicht von seiner Entscheidung begeistert waren. Er hatte zunächst nach dem Abitur ein IT-Studium begonnen, aber keinen Gefallen daran gefunden. Über eine Ausbildungsmesse sei er schließlich auf die duale Ausbildung im Handwerk aufmerksam geworden. Besonders habe ihn dabei das Heizungshandwerk angesprochen: »Klimaschutz war für mich schon immer ein wichtiges Anliegen. Im Praktikum habe ich erkannt, dass ich in dem Beruf einen wichtigen Beitrag leisten kann.«

Auch der Zimmermann-Azubi, Jan Erik, bestätigte, dass bei ihm das Elternhaus sowie der Freundeskreis eine große Rolle bei der Berufswahl gespielt habe. »Eine Ausbildung hätte aus Sicht meiner Eltern und Freunde einen sozialen Abstieg bedeutet«, begründete der 23-Jährige seine ursprüngliche Entscheidung für ein Studium. Erst bei der Renovierung eines alten Fachwerkhauses habe er seine Liebe zum Holzbau entdeckt. Die Entscheidung, das Studium abzubrechen und eine Ausbildung zu beginnen, habe er bis heute nicht bereut.

Der Entschluss, ihren Ausbildungsberuf als Anlagenmechanikerin zu erlernen, stand für die 16-jährige Sophie schon seit ihrer Kindheit fest. Für sie ist Handwerk vor allem in den technischen Berufen Kopf- und Handarbeit zugleich. Die 17-jährige Antonia, Auszubildende im Metallhandwerk, hatte nach der Realschule im Ausbildungsbetrieb ihres Bruders begonnen. Für sie steht das sichtbare Ergebnis der täglichen Arbeit im Vordergrund: »Ich wollte nach der Schule etwas machen, wo ich abends sehe, was ich geleistet habe und worauf ich stolz sein kann.« Die 24-jährige Sarah, die eine Ausbildung zur Fleischerin macht und zuvor bereits den Beruf der Schäferin erlernt hatte, wünschte sich mehr Frauen im Handwerk. Gemeinsam mit ihren beiden Mitstreiterinnen möchte sie deutlich mehr junge Mädchen für eine handwerkliche Ausbildung begeistern.

Der Vorsitzende des Vereins Handwerk Mittelhessen, Kay-Achim Becker, unterstrich die Bedeutung der Berufsorientierung für das regionale Handwerk. Dabei sei neben dem Handwerk auch die Politik gefragt, die auf regionaler Ebene durch die Anschubfinanzierungen der beiden Landkreise ein deutliches Zeichen gesetzt habe. Hierfür bedankte er sich bei Landrätin Anita Schneider sowie ihrem Kollegen Wolfgang Schuster, die gemeinsam die Schirmherrschaft für den Verein übernehmen.

Zum ersten Vorsitzenden des Fördervereins wurde Mathias Baron (Senertec-Center-Mittelhessen, Wetzlar), zum stellvertretenden Vorsitzenden Oliver Wintzer (Eisen-Fischer, Limburg) sowie die Beisitzer Serena Burbach-Hüsken, (Burbach GmbH, Dillenburg), Michael Reeh (Edgar Borrmann, Annerod) und Christian Köhl (Richter & Frenzel, Gießen) gewählt.

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