Neujahrskonzert des Stadttheaters im Internet

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GIESSEN - (bj). Alles ist anders - das gilt auch für das bevorstehende Neujahrskonzert des Stadttheaters Gießen. Trotz des aktuellen Lockdowns will das Haus auf den traditionell klangvollen Jahresauftakt aber nicht verzichten. Und so steht das Programm mit dem Philharmonischen Orchester Gießen sowie Solisten diesmal ganz im Zeichen des Tangos. Es wird ab dem 1.

Januar um 18 Uhr im Internet zu erleben sein, frei zugänglich und kostenlos.

Tango - das steht für Lebensfreude und Leidenschaft. Und genau damit möchte das Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Florian Ludwig das neue Jahr begrüßen, wenn auch unter besonderen Bedingungen. So wurde das Neujahrskonzert in den letzten Arbeitstagen des Jahres geprobt und live aufgenommen, damit es pünktlich am 1. Januar zu sehen und hören sein wird. Der Link wird am Tag der Ausstrahlung um 17.50 Uhr freigeschaltet (siehe Kästchen). Das Konzert wird auch darüber hinaus abrufbar sein.

Für Cathérine Miville, langjährige Intendantin des Stadttheaters, war es wichtig, dass die Instrumentalisten und der Chor endlich wieder in der Lage waren, gemeinsam Musik zu machen, wie sie gegenüber dem Anzeiger betont. Da bis auf Weiteres aber nicht mit Besuchern gerechnet werden kann, sei es umso wichtiger, dass sich das Haus in den vergangenen Monaten in Sachen digitaler Projekte viel personelle Kompetenz an Bord geholt habe. So sei das Theater seit dem ersten Lockdown im Frühjahr in diesem Bereich mittlerweile "sehr gut aufgestellt". Die Intendantin kündigt an, dass in den nächsten Monaten "noch das ein oder andere Video hinzukommen" werde. Und sie denkt auch schon einen Schritt weiter. So habe das Stadttheater manche "herzzerreißende Briefe von Abonnenten erhalten, die seit 40 Jahren zu uns kommen", nun aber zur Corona-Risikogruppe zählen und auf Menschenansammlungen verzichten müssten. Für diese Publikumsgruppe wäre etwa ein Digital-Abo von Konzerten ebenso denkbar wie "professionell aufbereitete Angebote für Schüler", erklärt Miville. Es gebe eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten des Digitalen, auch wenn die Künstler natürlich nichts lieber täten, als auf die Bühnen des Hauses zurückzukehren.

Beim Neujahrskonzert werden bekannte Tangos von Astor Piazzolla oder Leroy Anderson erklingen, das Konzertprogramm geht aber auch den Wurzeln des Tangos nach, in dem verschiedene Musiktraditionen Ende des 19. Jahrhunderts in Argentinien aufeinandertreffen. Ein Beispiel für Vorläufer sind die Habanera aus Bizets "Carmen", Stanislaw Moniuszkos polnische Mazurka oder zwei Tänze aus Dvoráks "Tschechischer Suite".

Auch das zweite große Tangoland Finnland ist im Neujahrskonzert vertreten. Ein klangvolles Beispiel für diese Verbindung ist Unto Uuno Mononens Stück "Satumaa". Mit Piazollas Bandoneon-Konzert "Aconcagua" von 1979 wird zudem ein Stück zu hören sein, das sich aus dem Tango speist, in der Form aber an die europäische Musiktradition erinnert. Ein darüber hinaus geplanter Beitrag der Tanzcompagnie Gießen fiel dem Lockdown zum Opfer; die Konzertaufnahmen waren bereits am Abend vor dessen Inkrafttreten abgeschlossen.

Als Gesangssolisten sind die Mezzosopranistin Sofia Pavone und Bariton Tomi Wendt zu erleben. Per Arne Glorvigen spielt das Bandoneon, ein dem Akkordeon verwandtes Instrument, das dem argentinischen Tango seine charakteristische Klangfarbe verleiht. Der gebürtige Norweger Glorvigen studierte bei dem argentinischen Bandoneon-Maestro Juan José Mosalini. Neben mehreren Aufenthalten in Buenos Aires wurde sein Weg von Begegnungen mit den Tangolegenden Piazzolla, Pugliese und Salgán geprägt. Zu seinen musikalischen Partnern zählen Orchester und Quartette in ganz Europa.

Sinfoniekonzert

Wer darüber hinaus Lust auf Konzertgenuss mit dem Philharmonischen Orchester Gießen unter der Leitung von GMD Florian Ludwig hat, kann das 2. Sinfoniekonzert dieser Spielzeit mit Werken von Alois Bröder, Richard Strauss und Johannes Brahms im Hessischen Rundfunk nachhören: hr2 kultur hat das Konzert im Oktober aufgezeichnet und sendet es am 3. Januar um 20.04 Uhr in der Sendung "Konzertsaal".

Nachzuhören ist dann Brahms' Erste Sinfonie, Richard Strauss' Konzert für Oboe mit der gefragten Solistin Viola Wilmsen, sowie die "Sept nouvelles variations" von Alois Bröder aus dem Jahr 2012. In diesen "sieben neuen Variationen" arbeitet der hessische Komponist mit Elementen, Materialien und Momenten von je einem Komponistenkollegen von Monteverdi bis Bruckner.

Neue Videos

Und noch ein Online-Angebot hält das Stadttheater bereit. Über seine Webseite (siehe Kästchen) sind einige Adventsspecials zu finden. Videos zeigen Einblicke in den Malsaal des Theaters, in Maske und Beleuchtung. Kinder können ein winterliches Ausmalbild von Thea der Theatermaus herunterladen und ausdrucken. Außerdem sind die Ergebnisse der Projekte zu sehen und hören, die zum bundesweiten Aktionstag der Theater und Orchester am 30. November entstanden sind: Zum einen die humorvollen Klangcollagen mit von Theatermitarbeitern eingesprochenen Publikumsstimmen und viel Musik. Zum anderen ist das finale Video mit den eindringlichen Statements von Theaterschaffenden zu sehen, das unter dem Motto "Was wir gehofft haben, nie mehr sagen zu müssen" im Stadtverordneten-Sitzungssaal des Gießener Rathauses gedreht worden war, ausgehend von der Frage, wo Demokratie und Gesellschaft 75 Jahre nach Beginn der Nürnberger Prozesse und 50 Jahre nach dem Kniefall Willy Brandts stehen.

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