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Neuntöter hofft auf Überleben

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Im »Offenland« zwischen Dutenhofen und Kleinlinden brüten und rasten seltene Vögel, gibt es Äcker und wertvolle Gehölze. Ein Gewerbegebiet hier ist im Entwurf des Regionalplans eingetragen. © Jung

Gießen (kg). Der Arbeitskreis Gießen der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.) begutachtete jetzt das im Entwurf des Regionalplan Mittelhessen eingetragene potenzielle Gewerbegebiet im Westen von Gießen. Es handelt sich um das Offenland zwischen dem bestehenden Gewerbegebiet von Dutenhofen im Westen, der Bahn im Norden, dem Kleebach im Osten und der Wetzlarer Straße zwischen Kleinlinden und Dutenhofen im Süden.

In einer Pressemitteilung nimmt die HGON Stellung zu den Planungen. Die Fläche sei bedauerlicherweise auf Vorschlag der Gießener Grünen in den Regionalplan aufgenommen worden. Hier soll eventuell ein interkommunales Gewerbegebiet der Stadt Wetzlar und der Stadt Gießen entstehen. Auch wenn der Regionalplan noch gar nicht offengelegt wurde und somit öffentliche Stellungnahmen noch nicht haben stattfinden können, wird dieses Gewerbegebiet offensichtlich von beiden Städten bereits gemeinsam geplant, kritisiert die HGON Es sollen sogar schon Planungen für die verkehrliche Anbindung vorliegen.

Beim Ortstermin überzeugten sich die Mitglieder des Arbeitskreises, dass hier eine äußerst wertvolle und strukturreiche Kulturlandschaft für ein Gewerbegebiet geopfert werden soll und dass dies nur unter größten Mühen und zahlreichen Eingriffen in den Naturhaushalt wird realisiert werden können.

Seltene Brutvögel

In dem Gebiet finden sich kleinstrukturierte Äcker, Ackerbrachen, aber auch reiche Gehölzstrukturen. Bekannt ist das Gebiet für eine hohe Brutvogeldichte, unter anderem mit gefährdeten und rückläufigen Arten, wie zum Beispiel Rebhuhn, Feldlerche, Goldammer, Neuntöter und Wacholderdrossel. Zudem ist es ein wichtiges Rastgebiet für das angrenzende europäische Vogelschutzgebiet der Lahn-aue, es können hier regelmäßig rastende und äsende Wildgänse beobachtet werden.

Eine verkehrliche Anbindung aus Richtung Kleinlinden oder Gießen-Allendorf sei kaum möglich, nahm der Arbeitskreis wahr. Es stehe zu befürchten, die uralte und völlig überholte Planung des B 49-Anschlusses von Heuchelheim-Süd werde wieder ausgegraben. »Dieser Dinosaurier der Planung würde bedeuten, dass eine riesige Brücke über die bestehende Bahn gebaut werden muss und es zu umfangreichen weiteren Eingriffen in den sensiblen Naturraum der Lahn- und Kleebachaue kommen würde«, so die Befürchtung der HGNO. Dies sei sicherlich nicht mehr zeitgemäß und widerspricht den Zielen der Klimaneutralität Gießens bis zum Jahre 2035. Wenn überhaupt, kann daher eine Anbindung nur über das bestehende Gewerbegebiet von Dutenhofen, also über die Straßen Am Rübenmorgen oder Industriestraße, erfolgen«. Der Arbeitskreis der HGON kündigt an, auf jeden Fall eine entsprechende Stellungnahme zum regionalen Raumordnungsplan einzubringen.

Verzicht angebracht

»Auch wenn die Stadt Gießen auf das große Gewerbegebiet bei Lützellinden verzichten will, wäre auch der Verzicht auf die kleineren im Regionalplan eingetragenen potenziellen Gewerbegebietsflächen am Rande von Dutenhofen sowie auch zwischen Kleinlinden und Bergwerkswald unbedingt angebracht«, heißt es abschließend in der Stellungnahme. Auf Anfrage bei beim Regierungspräsidium teilt der stellvertretende Pressesprecher Torsten Haas mit: «Sämtliche Stellungnahmen werden im Nachgang zum formalen Beteiligungsverfahren von der Oberen Landesplanungsbehörde ausgewertet und fachlich beurteilt«. Letztlich entscheide dann die Regionalversammlung abwägend, ob beziehungsweise in welcher Art sie im weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden und gegebenenfalls zu einer Planänderung führen. Zum jetzigen Zeitpunkt nehmen insofern Positionierungen und Meinungsäußerungen keinen Einfluss auf das Verfahren«, so Haas.

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