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Neuordnung der kirchlichen Landschaft

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Gießen (mh). Die kirchliche Landschaft in und um Gießen wird neugeordnet, denn evangelische Kirchengemeinden werden in den kommenden Monaten mit angrenzenden Gemeinden sogenannte Nachbarschaftsräume bilden. Damit werden größere Einheiten auf Gemeindeebene geschaffen, die angesichts sinkender kirchlicher Einnahmen, kleiner werdenden Gemeinden und der geringeren Zahl von Pfarrern auch in den nächsten Jahrzehnten handlungsfähig bleiben.

Das berichtete der Vorsitzende des evangelischen Dekanats Gießen, Gerhard Schulze-Velmede, vor Vertretern von Gemeinden und Institutionen auf der Dekanatssynode, dem regionalen Kirchenparlament.

Die Synode tagte im Gemeindehaus der Gesamtkirchengemeinde Nord in Wieseck. Der Reformprozess betreffe alle Kirchengemeinden in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Konkret bedeute das die Bildung gemeinsamer Gemeindebüros in einer Region, die Organisation von »interprofessionellen Verkündigungsteams« aus Pfarrern, Gemeindepädagogen sowie Kirchenmusikern und drittens die gemeinsame Gebäudebewirtschaftung.

»Ich erlebe die Bereitschaft aller Gemeinden, sich auf diesen Prozess einzulassen und sich konstruktiv einzubringen«, so Schulze-Velmede. Er nehme aber auch die Sorge wahr, dass den Gemeinden etwas weggenommen wird, wenn sie Teil eines Nachbarschaftsraums werden. Doch werbe er für eine andere Sichtweise. »Ich möchte Sie bitten, die Chancen zu sehen, die sich durch die Bündelung der Kräfte in der Verwaltung, im Pfarrdienst, aber auch bei der Bewältigung der finanziellen Engpässe ergeben. Die Reform ist dafür gedacht, Spielräume zu eröffnen«, sagte der Dekanatsvorsitzende an die Gemeindevertreter gewandt.

Interprofessionelle Verkündigungsteams

Der stellvertretende Dekan, Andreas Specht, berichtete den aktuellen Stand. Fast alle 25 Gemeinden haben ihre Nachbarn für die Zusammenarbeit gefunden. Bereits jetzt gibt es eine Gesamtkirchengemeinde Gießen Nord aus den Gemeinden Michael, Paulus und Thomas sowie Gießen Mitte aus Lukas und Pankratius. Zum vorgesehenen Nachbarschaftsraum Mitte werden außerdem die Gemeinden Johannes, Petrus, Stephanus, Klein-Linden sowie Allendorf/Lahn gehören. Im Gießener Osten arbeiten die Gemeinden Andreas, Luther und Wichern bereits zusammen.

Im kommenden Jahr wird die Dekanatssynode den Regionalplan beschließen, der dann mit Beginn des Jahres 2024 in Kraft treten kann. Die Gemeindevertreter hörten außerdem einen Vortrag des früheren Direktors des Theologischen Seminars in Herborn, Prof. Peter Scherle, zur Evangelischen Friedensethik angesichts des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Er führte aus, dass es einerseits die christliche »Kultur der aktiven Gewaltfreiheit« und des Gewaltverzichts gebe, andererseits die christliche Ethik, die sich realistisch mit der »Begrenzung von Gewalt« auseinandersetze und das »Recht und die Pflicht zur Selbstverteidigung« eines angegriffenen Landes vorsehe.

Der Theologe betonte aber auch, dass der christliche Glaube auf die rettende und verwandelnde Kraft Gottes setze.

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