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Nicht-alkoholische Fettleber - die versteckte Epidemie

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Übergewicht kann die Leber krank machen und für weitere Probleme sorgen. Symbolfoto: David Ebener/dpa/dpa-tmn © Red

Gießen (red). Der Internationale NASH-Tag findet heute zum fünften Mal statt. Das Global Liver Institute (GLI) hat sich zum Ziel gesetzt, mit der weltweiten Aufklärungs- und Handlungsinitiative auf die steigenden Zahlen der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) und ihrer fortgeschrittenen Stufe, der nicht-alkoholischen Fettleberentzündung (NASH), aufmerksam zu machen.

Laut GLI sind von NASH mehr als 115 Millionen Menschen auf der ganzen Welt betroffen. Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl bis 2030 verdoppeln wird und sprechen von einer versteckten Epidemie.

Auch in Deutschland erkranken immer mehr Erwachsene und Kinder. Der Kampf gegen NAFLD und NASH zählt zu den Aktionsfeldern des Schwerpunkts Gastroenterologie am Gießener Uniklinikum (UKGM) und der Deutschen Leberstiftung. Daher unterstützt beide den Internationalen NASH-Tag.

»Mittlerweile ist die NAFLD die häufigste Lebererkrankung deutschlandweit. Während die einfache Verfettung, also eine Non Alcoholic Fatty Liver, kurz NAFL, noch relativ harmlos ist, liegen bei einer NASH entzündliche Veränderungen der Leberzellen und beginnende Ablagerungen von narbigen Fasern vor«, erläutert Prof. Elke Roeb, Abteilungsleiterin der Gastroenterologie am UKGM und Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Leberstiftung. Durch Laborwerte, bildgebende Verfahren wie Ultraschall und eventuell eine Leberprobe könnten Leberspezialisten diese Stadien unterscheiden.

»Während sich bei den meisten Lebererkrankungen ein Leberzellkrebs aus der Leberzirrhose entwickelt, muss dies bei der Fettleber nicht der Fall sein«, so Roeb weiter. »Bei fast 50 Prozent der fettleberbedingten Krebsfälle litten die Patienten vorher offensichtlich nicht an einer Leberzirrhose, sondern lediglich an einer NASH, also einer entzündeten Fettleber.« Die Ursache für eine NAFLD ist in den meisten Fällen starkes Übergewicht, das durch die westlichen Ernährungsgewohnheiten mit zu viel Fett, Kohlenhydraten und Fruktose entsteht.

Der häufige Verzehr von Fertigprodukten in Kombination mit wenig Bewegung ist schon fast eine »Garantie« für die Entstehung einer nicht-alkoholischen Fettleber. Darüber hinaus begünstigen sich eine Fettleber und ein Diabetes mellitus (Blutzuckerkrankheit) gegenseitig. Bei Vorliegen beider Erkrankungen steigt das Risiko unter anderem für kardiovaskuläre Erkrankungen und Tumorerkrankungen nochmals sehr stark an.

Dass NAFLD mit einem gesteigerten kardiovaskulären Risiko und einer kürzeren Lebenserwartung einhergeht, bestätigt eine aktuelle Studie: Unter den NAFLD-Patienten, die zu Studienbeginn keine kardiovaskulären Erkrankungen hatten, erkrankten zehn Prozent kardiovaskulär gegenüber vier Prozent in der Kontrollgruppe. Nach der Berücksichtigung von Störfaktoren wiesen die Personen mit NAFLD ein um das 2,6-fache erhöhtes Risiko dafür auf. Bei nicht tödlichen kardiovaskulären Erkrankungen war das Risiko der NAFLD-Patienten um das 3,7-fache gesteigert.

Es gibt bislang keine zugelassenen medikamentösen NAFLD-Therapien. Im Rahmen von Studien wird aktuell eine Vielzahl von neuen Medikamenten zur Behandlung erforscht. Die aktuelle Therapie zielt in erster Linie auf eine Lebensstil-Veränderung, die mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung umfasst. Dabei stehen der Verzicht auf Fett sowie Fruktose und Kohlenhydrate, die von der Leber in Fette umgewandelt werden, und eine gewichtsadaptierte Kalorienreduktion im Fokus. Je übergewichtiger der Patient ist, desto mehr sollte reduziert werden. Es wird empfohlen, körperliche Aktivitäten zu entfalten. Beispielsweise fünf bis sieben Trainingseinheiten pro Woche, in denen über mindestens 30 Minuten eine Pulserhöhung gewährleistet ist.

»NAFLD und NASH sind eine globale Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen. Neben der kontinuierlichen Aufklärung und besonderen Aktionstagen wie dem »NASH-Day« muss die Zielsetzung sein, die wachsende Zahl von Patienten sicherer und effektiver zu diagnostizieren und die Versorgung von Betroffenen zu optimieren. Mit dem »Deutschen NAFLD-Register« leistet die Deutsche Leberstiftung dazu einen wesentlichen Beitrag. Das Register wurde mit Unterstützung von zwei Forschungsgruppen - »NAFLD CSG« der universitären Zentren und »FLAG-Studie« des Berufsverbandes der Niedergelassenen Gastroenterologen Deutschlands (bng) - initiiert. In diesem Register erfassen wir momentan Daten zur Versorgungsrealität und planen die Dokumentation der jeweiligen Therapien nach deren Zulassung. Das ist extrem wichtig, um die Versorgung der Patienten zu verbessern«, erklärt Roeb das besondere Engagement der Universitätsmedizin im Bereich der NAFLD.

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