1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Nicht alle Händler sind wieder da

Erstellt:

gikult_SuesseLeckereien_1_4c
Süße Köstlichkeiten bot dieser Marktstand feil. Fotos: Jung © Jung

Der Krämermarkt und der Französische Markt sorgen in Gießens Innenstadt nach einem Jahr Pandemie-Pause für volle Straßen.

Gießen (kg). Es sah aus, als hätte sich Petrus mit den Machern des traditionellen Krämermarktes in der Innenstadt verbündet und den Goldenen Oktober geschickt. Nach einem Jahr Corona-Pause erfüllte sich damit auch der selbstgewählte Slogan »Jetzt kommt Leben in den Herbst«. Strahlender Sonnenschein mit einem frischen Wind, der die bunten Blätter flattern ließ, lockte viele Menschen zum Bummeln, Schauen und Genießen.

Rund 30 Händler sind dazu aus allen Teilen der Republik und - speziell zum Französischen Markt - aus dem Nachbarland angereist. Vom Marktplatz bis zum Selterstor fanden sich Verkaufsstände. An den Essbuden war Betrieb, in den Cafés und Restaurants waren die Plätze knapp. Der Französische Markt wanderte allerdings diesmal vom Kirchenplatz an seinem Ursprungsort im Bereich Katharinengasse/Kaplansgasse: Das gefiel Simon Burgault aus Hagenau (Elsass) nicht besonders. Sein Vater bauten regelmäßig ihren Stand in Gießen auf, als die Feste noch auf dem Kirchenplatz gefeiert wurden, wo die Gäste Flammkuchen der Familie Burgault an Tischen und Bänken genießen konnten und dazu französischen Wein tranken. Auf den Rebensaft mussten die Besucher diesmal allerdings verzichten. Die Standbetreiberin wurde krank und so gab es enttäuschte Gesichter bei den Frankreichfans, die zum neuen Standort kamen. Zudem seien die Leute jetzt zurückhaltender, bedauerte der junge Gastronom, der gerade einen leckeren traditionellen Flammkuchen mit Speck und Zwiebeln aus dem Ofen holt.

Statt französischer Musik brummte Barry White aus dem Lautsprecher von gegenüber aus dem Fleisch- und Wurststand. Ob das die Kauflust steigerte? Auch zur Bilanz der französischen Händler mit ihren fünf Ständen beim Krämermarkt war nichts zu erfahren. Den Veranstalter der Französischen Märkte in Deutschland, Horst Brauner, erreichte der Anzeiger im Krankenhaus. Er konnte die Markttage nicht vor Ort sein.

Einige Besucher des Krämermarktes kamen nur wegen der besonderen Käsesorten in den französischen Bereich. Georg Bellof und seine Frau füllten die Vorräte auf, am Freitag machten sie zum ersten Mal Station beim Käsehändler. Zu lecker seien die Sorten gewesen, meint das Paar, das mit den E-Bikes direkt vor den Stand gefahren kam. Jetzt wurde der Kühlschrank nachgefüllt. Eine Familie aus der Rabenau machte sich ebenfalls wegen der Franzosen auf den Weg in die Innenstadt. Der Sohn durfte sich seine Lieblingssorten aussuchen und Vater zahlte die 25 Euro für die Köstlichkeiten.

Die Seifen an dem Stand neben dem provenzialischen Nougat dufteten. Wer vier Stücke kaufte, zahlte 10 Euro und sparte 2 Euro. Beliebt bei jungen und alten Besuchern zeigte sich das Drehen am Glücksrad. Wer den richtigen Schwung hatte, gewann am Stand der Gießen Marketing GmbH als Hauptpreis einen Bildband über Gießen. Ein Einzelhändler lud ebenfalls zum Drehen ein, eine lange Schlange wartete geduldig. Musik erklang für einige Zeit am Kugelbrunnen, es waren Straßenmusiker, die die Geräuschkulisse beim Markttreiben für eine Weile mit anderen Tönen gestalteten. Ein Alleinunterhalter spielte vor einem Lokal am Katharinenplatz. Die meisten Besucher beim Krämermarkt, bei dem Haushaltswaren, Korbwaren und Gewürze fehlten, wollten an dem schönen Oktobersonntag einfach genießen, bummeln, Kaffee trinken sowie sehen und gesehen werden. Viele nutzen auch den verkaufsoffenen Sonntag von 13 bis 18 Uhr, um sich mit Winterkleidung einzudecken oder auf die Suche nach Schnäppchen zu gehen.

Es seien weniger Stände als zunächst geplant, sagte Maj-Britt Hahn, Kaufmännische Leitung der Stadtmarkting Gießen als Veranstalter. Manche Standbetreiber sagten kurzfristig wegen Personalmangel ab. Schon den Weihnachtsmarkt im Blick hat ein Standbetreiber. Er ist mit einem Schild auf der Suche nach studentischen Aushilfen. Im Gespräch mit einer Marktbeschickerin erfuhr der Anzeiger, dass viele Betriebe nach der Pandemie die Reißleine gezogen hätten und auch im Blick auf ihr Alter ihr Gewerbe aufgegeben haben.

gikult_VielBetriebinderS_4c
Schönes Wetter, volle Straßen. © Klaus-Dieter Jung

Auch interessant