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Nichtraucher in sechs Wochen

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»Nicht zu rauchen, muss Spaß machen«: Den Satz wiederholt Ole Ohlsen wie ein Mantra. Hier verweist er anhand einer Gewohnheitsspirale, durch welche alltäglichen Situationen das Rauchverhalten beeinflusst wird. Foto: Volpe © Volpe

Mit Witz und Feingefühl hilft Ole Ohlsen dabei, den Zigaretten ade zu sagen. In regelmäßigen Abständen finden Kure am Uniklinikum Gießen und Marburg statt.

Gießen. Mit gehobenem Zeigefinger und einem breiten Lächeln auf den Lippen betont Ole Ohlsen: »Nicht zu rauchen, muss Spaß machen.« Dabei weist er auf eine Power-Point-Folie mit einem lustigen Hund, der eine Zigarette in der Pfote hält. Diesen Satz wird er in der ersten Stunde seines nächste Woche beginnenden Kurses noch öfter wiederholen. »Nicht zu rauchen, muss Spaß machen. Wirklich.« Der Diplom-Pädagoge kämpft schon seit mehr als 25 Jahren mit seinen Klientinnen und Klienten gegen Süchte aller Art. Dabei setzt er auf viel Witz, Feingefühl und einen Hauch von Selbstironie.

Das Seminar »Zigaretten ade! Nichtraucher in sechs Wochen« wird in Kooperation mit dem Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM) an beiden Standorten in regelmäßigen Abständen angeboten. Mit verhaltenstherapeutischen Methoden soll am Ende der angeleiteten Übungen der sogenannte »Punkt-Schluss-Moment« erreicht werden. Der Punkt also, an dem es endlich leichter fällt, den Zigaretten »den Rücken zu kehren«.

Auch er habe lange geraucht, räumt Ohlsen ein. »Und vom Alkohol wollen wir erst gar nicht reden«, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Aufgrund seiner eigenen Geschichte und der jahrelangen Berufserfahrung weiß er, welche Schwierigkeiten und mentale Faktoren bei der Entwöhnung eine Rolle spielen. Von der Suchthilfe im Frankfurter Bahnhofsviertel über die Aufklärung von Substanzmissbrauch an Schulen bis hin zu Drogenberatungen in großen Unternehmen: Ohlsen will mit seinem pädagogischen Ansatz zu einem rauchfreien Leben verhelfen und hat deshalb die Bekämpfung der Nikotinsucht zu seinem Spezialgebiet gemacht.

Wichtig, und somit der erste Schritt, sei die Reflektion des eigenen Rauchverhaltens. Danach sei es nach und nach möglich, mit therapeutischer Unterstützung individuelle Gewohnheiten zu durchbrechen und den Zigarettenkonsum zu minimieren - bis zur vollständigen Abstinenz.

Als letztes Element in diesem Dreiklang bringt Ohlsen die Stabilisation an: Es gelte nämlich, Gewohnheiten nicht nur zu durchbrechen, sondern neue zu etablieren und dann zu festigen. Persönliche Gespräche zur Nachbereitung sind somit essenzieller Bestandteil des sechswöchigen Kurses. Da das Nichtrauchen schließlich Spaß machen und sich lohnen müsse, werden die Sitzungen durch Übungen und Erklärvideos interaktiv gestaltet. Der rege Austausch zwischen den Betroffenen ist für Ole Ohlsen von besonderer Bedeutung. Ebenso betont er, dass niemand alleine gelassen werde. Daher ist es ihm ein Anliegen, dass die Teilnahmegebühr des Kurses von den Krankenkassen bezuschusst wird.

Zu Beginn eines jeden neuen Kurses lässt der Pädagoge die Ratsuchenden in einer kurzen Vorstellungsrunde erzählen: Wie kam es zu der Sucht? Gab es bereits Versuche, aufzuhören? Ein Mann meldet sich zögernd; er habe es schon einmal geschafft. Ganze fünfzehn Jahre sei er rauchfrei gewesen - dann folgte der Rückfall auf einer Autobahnraststätte in der Schweiz. Die Gewichtszunahme sei häufig ein Problem, berichtet der Mann weiter. Und natürlich der Stress. Er formt mit seinen Händen einen großen Kreis: »Also eigentlich alle Entzugserscheinungen machen es, gerade in den ersten Tagen, unerträglich, nicht zu rauchen.« Ole Ohlsen nickt zustimmend. Wieder sein Mantra-artiger Satz: »Nicht zu rauchen, muss eben Spaß machen. Es darf keine Qual mehr sein ständig zu denken: Rauche’ willste ned, rauche darfste ned.«

Der gebürtige Nordhesse begeistert durch die Nähe zu den Teilnehmenden, die seine Kurse besuchen. Er kritisiert oder beschuldigt nicht, sondern begegnet ihnen stets auf Augenhöhe. Denn nur so könne das Gefühl vermittelt werden, dass nicht nur das Nichtrauchen, sondern sogar der Weg dahin Spaß machen und mit viel Engagement den Zigaretten sogar ade gesagt werden kann.

Weitere Infos im Internet unter: https://ole-ohlsen.de.

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