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»Noch nie in Hörsaal gewesen«

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Aufmerksam lauschen die Teilnehmer des Rundgangs den Erläuterungen von René Schanz vom Info-Center. © Docter

Höhere Semester lernten bei einer Führung erstmals den Campus der THM in Gießen kennen, nachdem sie Corona-bedingt bislang nur digital studiert hatten. Und so gab es viele neue Eindrücke.

Gießen . »So, das hier ist ein Hörsaal«, sagt René Schanz. Nach diesen wenigen Worten des Mitarbeiters des Info-Centers der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) schauen sich die knapp 30 Teilnehmer der Führung sogleich neugierig in dem großen Raum in der Wiesenstraße um. Bei den jungen Leuten handelt es sich jedoch keineswegs um Studienanfänger, wie man angesichts des jetzt beginnenden Sommersemesters vermuten würde. Sie alle haben vielmehr schon mehrere Semester studiert und zahlreiche Prüfungen bestanden - das aber »dank« der Corona-Pandemie bislang nur digital und jeder für sich ganz allein zuhause am Computerbildschirm. Für fast alle ist es an diesem Tag das erste Mal überhaupt, dass sie »ihre« THM vor Ort kennenlernen, persönlich einige Kommilitonen und Dozenten treffen und dazu echte Campus-Luft schnuppern.

»Ich komme jetzt ins dritte Semester, habe aber noch niemals einen Hörsaal von innen gesehen«, erzählt Katharina Bogner kurz nach Beginn des Rundgangs im Gespräch mit dem Anzeiger. Die junge Frau, die Bauingenieurwesen studiert, ist »schon ganz gespannt darauf«, was sie in den folgenden eineinhalb Stunden alles zu sehen bekommen wird. Ähnlich geht es Kommilitonin Johanna Roth. Für sie beginnt jetzt sogar schon das fünfte Semester. Als im Frühjahr 2020 die Pandemie auch Deutschland erreichte, hatte sie »gerade mal zwei Wochen« in Präsenz an der THM studiert, berichtet die angehende Bauingenieurin.

Große Nachfrage

Das Virus und die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen setzten dem auch bei ihr ein jähes Ende. Fortan war kein normales Studentenleben, wie es Generationen davor vergönnt war, mehr möglich. Diese lange Zeit scheint nun überstanden. Im Sommer wird in den Sälen, Räumen und Werkstätten der Hochschule endlich wieder eine volle Auslastung erlaubt sein, wenngleich mit Maskenpflicht. Bei den Führungen der vergangenen Woche galt zusätzlich die 3G-Regel. Dennoch war die Nachfrage dafür so groß, dass gleich mehrere Termine angesetzt waren. Im Übrigen sei der Wunsch nach solchen Rundgängen zum Kennenlernen der THM aus Kreisen der höheren Semester gekommen, war von Mitarbeitern des Info-Centers und der Zentralen Studienberatung, welche die Führungen organisiert hatten, zu erfahren.

Begleitet von Mitgliedern verschiedener Fachschaften, führt der Weg zunächst vom Campus Wiesenstraße zum Eckgebäude am Platz der Deutschen Einheit mit seinen markanten Glasfassaden. Vom Hochschulsport gibt hier Leiterin Dagmar Hofmann einen Einblick in das vielfältige Programm, zu dem auch die Nutzung des Fitnessstudios im obersten Stockwerk gehört. Danach werben Vertreter des International Office für ein Auslandssemester. Wobei sich die Begeisterung ihrer Zuhörer für ein solches noch eher in Grenzen hält, jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt. Die Mehrheit möchte offenbar erst einmal das Studentenleben an der THM ausführlich genießen, schließlich gibt es hier einiges nachzuholen. Dazu gehört auch der tägliche Besuch von Mensa, Cafeteria »CampusTor« oder Pastaria. Schanz, der selbst noch studiert, hat dazu einige Tipps und Hinweise parat, so etwa, wann geöffnet ist und wo mit dem größten Andrang zu rechnen ist.

Philipp Bratsch hatte als einer der wenigen in dieser Gruppe das Glück, dies alles noch in seinem ersten und bislang letzten Präsenzsemester kennenzulernen. Dann aber kam Corona und »unsere Klausuren wurden abgesagt«, erinnert sich der Maschinenbau-Student. Allerdings gelang es ihm und Kommilitonen, eine zehnköpfige Lerngruppe zu gründen. Das habe zwar geholfen, »doch hat mir der persönliche Kontakt sehr gefehlt«, erzählt er. Auch Andrey Dretvic, der seinen Master im Fach Unternehmenssteuerung macht, freut sich, »meine Dozenten endlich mal persönlich zu treffen und nicht nur bei einer Videokonferenz«. Bislang habe er die THM nur einmal bei einer Lehrveranstaltung erlebt und sei zweimal hier Essen gewesen. Daher sei es »schon ein komisches Gefühl«, nach dieser langen Zwangspause wieder zurück zu sein, sagt er.

Studentenleben

Nach einer weiteren Station, bei der unter anderem zu erfahren ist, wo der Asta-Shop zu finden ist und wo es eine gute Möglichkeit gibt, Kopien zu machen, holen mehrere Teilnehmer des Rundgangs plötzlich ihre Smartphones heraus und tippen und wischen aufgeregt über die Displays. Just in diesem Moment beginnt nämlich die Frist, sich die begehrten Plätze für zwei Lehrmodule zu sichern, berichten auf Nachfrage Mandy Lehrke und Michelle Thompson, die beide Medizinisches Management studieren. Nachdem auch das erledigt ist, führt der weitere Weg über die neue Wieseckbrücke zu den ebenso neuen Gebäuden auf dem Areal zwischen Ringallee, Moltkestraße und Eichgärtenallee. Allgemein großes Erstaunen löst in einem davon ein Kunstwerk aus, das regelmäßig nummerierte Ahornfrüchte nach unten auf den Boden segeln lässt, womit auf die Wichtigkeit des Naturschutzes aufmerksam gemacht wird.

Wie gut sich Studium und Studentenleben auch digital organisieren lassen, sieht man bei Egemen Demir. Der Informatik-Student im vierten Semester, der jetzt zusätzlich Social Media Systems studiert, erzählt, ihm und seinen Kommilitonen sei es gelungen, sich »schnell anzupassen«. Die damals gegründete Online-Gruppe tauscht sich seitdem beim Lernen aus und unternahm sogar eine gemeinsame Österreich-Reise. »Ich hätte gerne ein Studentenleben, wie man das aus Filmen kennt. Ausgehen oder auch mal zusammen kochen«, formuliert er seine Wünsche an die Zukunft, die nun so realistisch wie lange nicht mehr erscheint.

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