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Not im Ahrtal nicht vergessen

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Die gepressten Heuballen sind aufgeladen und fertig zur Abfahrt ins Ahrtal. © Jung

Mähen, pressen, liefern: Der 24-Jährige christoph Seipp aus Rödgen initiiert Tierfutterhilfe für das Katastrophengebiet im Ahrtal. Er hat viele Unterstützer gefunden.

Gießen. Das Leid ist immer noch groß im Ahrtal, wo das Hochwasser vor einem halben Jahr wütete und viele Opfer hinterließ. Tief betroffen machten die Bilder, die jeder im Fernsehen sah. So auch Christoph Seipp und er wollte helfen. Der 24-Jährige, ausgebildete Fachkraft für Agrarservice, zögerte nicht lange und nahm Kontakte zu Landwirten in der betroffenen Region auf. Er wollte mit Futterspenden einen Beitrag leisten und sicherstellen, dass die Hilfe auch direkt ankommt, wo sie gebraucht wird.

Seine Mutter Usch zog los, sammelte Bekleidung, Bettwäsche, Lebensmittel und Tierfutter und gab die Sachen einem Unternehmer mit, der Hilfsgüter transportiert. Über das Internet, beispielsweise Facebook, entstanden Kontakte, wobei die durch die Wassermassen zerstörte Infrastruktur in dem Gebiet immer wieder Hindernisse bereitete.

Unterstützer gefunden

Doch der junge Mann, der beim Agrarservice Bank in Grünberg arbeitet, blieb beharrlich. 20 Hektar Grünland wurden gemäht, das Mähgut mit großen Maschinen gepresst und in große Folien gewickelt, sodass es frisch bleibt. Unterstützung bekam der Nebenerwerbslandwirt unter anderem von Constantin Becker. Im November ging der Helfer auf die Suche nach Futter und es kamen so 100 Heuballen zusammen, die gleich in das Katastrophengebiet geliefert werden konnten. In die Gegend um Bitburg fuhren die Helfer aus der Region Gießen und erfuhren hautnah von der Not und der Verzweiflung, die nicht nur über die Menschen, sondern auch über die Tiere über Nacht hereingebrochen war. Vor Ort erfuhren sie auch von Markus Wipperführth, einem Lohnunternehmen, der mit täglichen Videoaufnahmen und Aufrufen immer wieder Menschen anspornt, beim Aufbau zu helfen und selbst mit anpackt. Und sie trafen ihn vor Ort, bewundern sein großes Engagement schon über Monate, das trotz mancher bürokratischer Hürden ungebrochen ist.

Kürzlich führte Christoph Seipp mit Hilfe des Unternehmens Agrarservice Bank, Grünberg sowie Wolfgang und Detlef Langensiepen vom Unternehmen Gebrüder Langensiepen in Langgöns eine erneute Überführung von Futterspenden durch. Dieses Mal steuerte der Lkw mit Tieflader zwei landwirtschaftliche Betriebe an, darunter einen Reiterhof mit 40 Pferden, der sich wieder im Aufbau befindet. »Die Leute sind dankbar und zufrieden«, schildert der junge Rödgener das Zusammentreffen mit den Flutopfern. Man trifft nach dreieinhalbstündiger Fahrt und 220 Kilometern über teils zerstörte Straßen die betroffenen Menschen, trinkt Kaffee mit ihnen und merkt die große Dankbarkeit und Freude, schildert Christoph Seipp seine Begegnungen.

Gerne gibt er in diesen Zeiten etwas ab, erklärt er im Blick auf die Zerstörungen, die auf ihn unfassbar wirken. Jetzt hofft er auf eine gute Ernte, damit die Unterstützung, die er fortsetzen wird, weiterhin möglich ist. Vor gut einem Monat waren Christoph und Vater Jürgen im Ahrtal und haben dort eine Presse gekauft, denn dort hat sie im Moment keine Verwendung. Sie wird aber auf den Wiesen rund um Rödgen gebraucht, um das Gras aus Mittelhessen für die Tiere an der Ahr zu pressen und zu wickeln.

Vor fünf Wochen machte ein Hochwasser an der Ahr, von dem hier nicht viel bekannt wurde, den Menschen wieder zu schaffen. Die Ballen mussten aus dem betroffenen Bereich auf höher gelegenes Gebiet gebracht werden. Anfangs sei die Unterstützung sehr groß gewesen, weiß Seipp aus Erzählungen bei seinen Besuchen, dann ebbte es ab. Unklar ist bei den Betroffenen, wann sie die Spendengelder erreichen. Die Sendung »Report Mainz« zeigte passend dazu in den vergangenen Tagen einen Bericht und bemängelte die Abwicklung. 580 Millionen Spendengelder sind eingegangen, davon 127 Millionen an »Deutschland hilft«. Helfen will auf jeden Fall weiter Christoph Seipp mit Hilfe seiner Eltern. 30 000 Euro hat er nach seinen Angaben bis jetzt aufgewendet, damit die Tiere im Hochwassergebiet Futter haben. »Man versucht, zu helfen, so gut wie es geht«, hat er sich auch weiterhin vorgenommen.

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