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In allen Gießener Seniorenheimen haben bereits die Booster-Impfungen begonnen. Dennoch ist es vereinzelt zu Impfdurchbrüchen gekommen. Symbolfoto: Thomas Frey/dpa

Nur wenige Impfdurchbrüche

Gießen. Als Reaktion auf die drastisch steigende Zahl der Neuinfektionen mit dem Covid-19-Virus hat der Bundestag mit den Stimmen der sich gerade formierenden Ampel-Koalition beschlossen, neben anderen Maßnahmen eine Testpflicht für Beschäftigte und Besucher von Pflegeheimen und Kliniken einzuführen. Wie ist derzeit die Lage in den Gießener Senioreneinrichtungen - und haben diese bereits in Eigenregie zusätzliche Vorkehrungen für Bewohner und Personal ergriffen?

Der Anzeiger hat sich einmal in der Stadt umgehört.

Im Altenhilfezentrum Johannesstift (AHZ) und im Seniorenzentrum Linden (SZL) gibt es derzeit keine Corona-Infektionen, sagt Geschäftsführerin Christa Hofmann-Bremer. Allerdings gab es kürzlich einen ersten Impfdurchbruch im SZL. In beiden Häusern waren bereits Booster-Impfungen durch mobile Teams verabreicht worden, weitere sind im Dezember geplant. Darüber hinaus schütze man die Bewohner seit anderthalb Jahren mit einem »einrichtungsindividuellen Schutz- und Testkonzept«.

Schwer umzusetzen

Christa Hofmann-Bremer befürwortet eine Impfpflicht für Beschäftigte, die mit vulnerablen Gruppen in Kontakt sind. Aber auch die Testpflicht für Geimpfte und Genesene sei sinnvoll, um größere Impfdurchbrüche zu verhindern. Allerdings sei eine tägliche Testung sehr schwer für die Einrichtungen umzusetzen. »Meines Ermessens nach sollten Geimpfte und Genesene, die Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen betreten, dreimal wöchentlich getestet werden.«

Auch im Caritashaus »Maria Frieden« sowie im Pflege- und Förderzentrum »St. Anna« seien aktuell noch keine Corona-Infektionen aufgetreten, teilen deren Leiter Andreas Fölsing (»Maria Frieden«) und Jan-Hendrik Niedorf (»St. Anna«) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Zudem haben sie noch keine Impfdurchbrüche gehabt. In »Maria Frieden« haben gut ein Drittel der Bewohner und knapp ein Viertel der Mitarbeiter die Booster-Impfung erhalten, in »St. Anna« jeweils etwa ein Drittel. Vor allem im Oktober und November habe es meist mit Unterstützung mobiler Impfteams viele Booster-Impfungen in beiden Einrichtungen gegeben. Die anderen werden folgen, wenn bei diesen die empfohlenen sechs Monate zwischen dem Boostern und der zweiten Impfung liegen.

Sowohl in »Maria Frieden« als auch in »St. Anna« sei ein Corona-Schutz- und Testkonzept entwickelt worden. Dazu gehöre, dass man schon vor der Entscheidung des Bundestags in beiden Einrichtungen ungeimpfte Mitarbeitende täglich getestet habe. In »St. Anna« würden obendrein alle Externen, die das Heim betreten - ob geimpft oder ungeimpft - jeden Tag getestet. Die Alloheim Senioren-Residenz bestätigt derweil einen positiv getesteten (und vollständig geimpften) Bewohner, der aber bereits am 21. November die Quarantäne verlassen konnte, so ein Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. Die ersten Booster-Impfungen seien durch mobile Teams Anfang Oktober erfolgt und weitere Termine - voraussichtlich Mitte Dezember - in der Vorbereitung. Auch informiere man Mitarbeiter und Bewohner regelmäßig über Impftermine. »Am Ende ist und bleibt die Impfung aber immer eine freiwillige Individual-Entscheidung, da es keine verbindliche Vorgabe des Gesetzgebers in Bezug auf eine wie auch immer geartete Impfverpflichtung gibt. Wir werden uns auch zukünftig an die verbindlichen Vorgaben des Gesetzgebers halten«, heißt es weiter. Seit Beginn der Pandemie setze man ein umfassendes Corona-Schutz- und Hygienekonzept gemäß dem unternehmensweiten Pandemie-Handbuch um, das immer wieder an die aktuellen Infektionsschutzvorgaben angepasst werde. Dazu zählten das Tragen einer FFP2-Maske während des gesamten Aufenthaltes und verbindliche Desinfektions- und Hygienevorgaben für die Besucher. Weiterhin werde ein Kurz-Screening durchgeführt. Nicht geimpfte Besucher hätten bereits vor der gesetzlichen Pflicht ein negatives Testergebnis vorlegen müssen, das nicht älter als 24 Stunden sei. Testen lassen könne man sich in der Einrichtung. Bislang am besten durch die Pandemie gekommen scheint das Vitanas Senioren Centrum an der Lahn. Denn nach wie vor sei keine Infektion unter den Bewohnern festgestellt worden, betont eine Pressesprecherin. Mit Booster-Impfungen habe man am 13. September für Bewohner und Mitarbeiter begonnen. Ansonsten gelte seit langem die Testpflicht für alle Mitarbeiter und Besucher.

Weitergehende Maßnahmen nicht nur für die Heime, sondern auch für die Allgemeinheit fordert derweil der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer. »Sinkende Infektionszahlen schützen die Pflegeheime am besten. Das haben wir bereits in der ›dritten Welle‹ erlebt, als es neben den Impfungen und den Hygienekonzepten der Heime vor allem die massiven Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus waren, die den Infektionseintragungen entgegengewirkt haben.«

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