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OB Becher beginnt »Buchkreislauf«

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Geschichten erzählen, Gemeinschaft schaffen - das steht im Mittelpunkt des Leseprojekts »Buchkreislauf« in Seniorenresidenzen der Stadt Gießen. Den Auftakt machte Bürgermeister Frank-Tilo Becher.

Gießen. Ein weißes Regal voller bunter Bücher, links daneben ein gemütlicher Ohrensessel auf einem Teppich und ein Beistelltischchen mit Kaffee und Keksen. Das Bild erinnert ein wenig an das Wohnzimmer der Großeltern, wäre da nicht das Mikrofon vor dem Sessel und Frank-Tilo Becher, der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, der lachend und sich unterhaltend auf seinen Einsatz wartet.

Die Bewohner des Pflege- und Förderzentrums St. Anna sind die Ehrengäste: Um ihr bereits im Jahr 2021 angelaufenes Projekt »Buchkreislauf« vorzustellen, lud die Stadtbibliothek gemeinsam mit dem Seniorenheim am vergangenen Donnerstag zu einer Lesung des Buches »Dann gehe ich jetzt - sagt die Zeit« ein - vorgetragen vom Oberbürgermeister persönlich. Dieser Auftaktveranstaltung sollen noch weitere folgen - nicht nur, um das Konzept publik zu machen, sondern ebenso, um den Bewohnern der Residenzen einen schönen Nachmittag mit einer noch schöneren Beschäftigung, dem Lesen, zu ermöglichen.

Das Altern und die Zeit gehen Hand in Hand und doch gibt es Unterschiede zwischen jung sein und älter werden. Das Buch »Wie anders ist alt?«, gelesen von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Stadtbibliothek sowie Mitglied des Vereins »Ehrenamt«, Christiane Hillmann, beschäftigt sich mit diesen Themenkomplexen. Begleitend zu den gelesenen Texten werden die Bilder aus den Büchern in einer PowerPoint-Präsentation gezeigt. Die Menschen in dem kleinen Saal betrachten sie neugierig und mit strahlenden Augen. »Das ist ja nett!«, sagt eine ältere Dame zu ihrem Ehemann, nimmt seine Hand und lächelt.

»Ich finde, Geschichten bringen Menschen immer zusammen«, bekundet Becher, bevor er mit dem Lesen beginnt: »Lassen wir die Geschichten sprechen!«

Die Anspielung auf das übergeordnete Motto des »Buchkreislaufs« ist deutlich: Bücher der Stadtbibliothek zu den Menschen bringen, die keine Möglichkeiten mehr haben, die Bibliothek selbstständig zu besuchen. In Zeiten von Krisen und Ungewissheit bietet das Projekt eine willkommene Abwechslung für die Frauen und Männer in den Seniorenheimen. Während des Lockdowns entstanden, liefert die Stadtbibliothek mit ihrem BuchTaxi, einem Lasten-E-Bike, jeden Monat 40 neue Bücher in die verschiedenen Residenzen. Die dort befindlichen Exemplare werden zur nächsten Einrichtung gebracht, bis schließlich alle Seniorenheime jedes Buch einmal erhalten haben.

Viele Genres

Mit Thrillern und Krimis, Liebesromanen und Fantasiegeschichten wird ein großes Spektrum von Genres abgedeckt. Jedoch spielt ebenso die Aktualität eine signifikante Rolle: Weihnachtsbücher wurden bereits angekündigt, um auch in den Residenzen auf die Festtage einzustimmen. Dies war dem Leiter der Stadtbibliothek, Guido Leyener-Rupp, besonders wichtig. Sein »Herzensprojekt« nennt er den »Buchkreislauf«.

Die Bewohner der verschiedenen Pflegeeinrichtungen können sich ein Buch aussuchen und es zurückstellen, wann immer sie möchten. Denn einen Wettlauf gegen die Zeit habe noch niemand gewonnen, liest Becher vor. Genau deswegen basiere das Projekt auf Vertrauen. Ausleihregularien seien nicht vorgesehen und auch überhaupt nicht nötig, so Leyener-Rupp.

Das Projekt fördert nicht nur das Lesen. Der »Buchkreislauf« bringt Menschen zusammen, regt zum Austausch an und setzt sich mit Themen auseinander, die die Bewohner und Bewohnerinnen tatsächlich beschäftigen: zum Beispiel das Thema Altern, der verstreichenden Zeit und was damit anzufangen ist.

Foto: Volpe

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