OB-Wahl in Gießen: Kleinere Parteien winken ab

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GIESSEN - (bl). Wer folgt auf Dietlind Grabe-Bolz an der Spitze der Stadtverwaltung? Zumindest nach aktuellem Stand wird das vermutlich ein Mann sein. Nicht, weil eine Frau keine Chance hätte, sondern schlicht, weil es momentan nur männliche Aspiranten auf das OB-Amt gibt. Die Sozialdemokraten schicken den ehemaligen evangelischen Dekan und jetzigen Landtagsabgeordneten Frank-Tilo Becher ins Rennen.

Die CDU hat den Rechtsanwalt Frederik Bouffier nominiert und für die Grünen wirft der Berufsschullehrer Alexander Wright seinen Hut in den Ring. Und dann ist da noch der Kulturschaffende Marco Rasch, der für die Satire-Gruppierung Die Partei das Rathaus erobern möchte. Wesentlich umfangreicher dürfte das Personaltableau nicht mehr werden, denn die übrigen Parteien winken eher ab. Abgestimmt wird am 26. September, gemeinsam mit Bundestags- und Landratswahl.

Bei der Gießener Linken steht ein Beschluss der Mitglieder zwar noch aus. Allerdings werde der Vorstand empfehlen, nicht selbst anzutreten, teilt der Kreisvorsitzende Ali Al-Dailami auf Anfrage des Anzeigers mit. Eine zentrale Rolle spiele ohnehin, "dass ein Kandidat aus dem progressiven Spektrum gewählt wird, denn das würde den politischen Spielraum der neuen Koalition nicht beschränken". Wessen Kandidatur letztlich bevorzugt werde, falls dies überhaupt geschieht, ergebe sich aber erst nach dem Austausch mit den Mitgliedern.

"Wir haben das noch nicht final geklärt, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch", sagt Lutz Hiestermann, Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft Gigg+VoltOb man sich stattdessen für einen der bisherigen Bewerber starkmachen werde, hänge von diversen Faktoren und den vertretenen Inhalten ab. "Wir lassen das mal auf uns zukommen", so Hiestermann. Für die Freien Wähler kann deren Stadtverbandsvorsitzender Johannes Zippel bereits "definitiv ausschließen", noch jemanden zu benennen. Auch werde keine Empfehlung ausgesprochen. "Wir vertrauen darauf, dass unsere Mitglieder und Wähler mündig genug sind zu beurteilen, wem sie die Stadt Gießen in Zukunft anvertrauen möchten", lautet die Begründung. Gleichzeitig kündigt Zippel Pläne für ein Diskussionsformat unter dem Motto "Bürger fragen - Politiker antworten" an, bei dem sich möglichst alle OB-Anwärter mit den "brennenden Themen" in den Gießener Stadtteilen auseinandersetzen sollen.

Der neue FDP-Vorstand trifft sich am 22. Juli zu seiner konstituierenden Sitzung und wird dann auch über die Frage eines eigenen Kandidaten beraten, berichtet der Gießener Partei- und Fraktionsvorsitzende Dominik Erb. Die Tendenz scheint derweil in die Richtung zu gehen, dass die Liberalen verzichten. Denn da die Frist, um einen Wahlvorschlag einzureichen, am 19. Juli um 18 Uhr abläuft, könnte danach nur noch für einen etwaigen Einzelbewerber ein Unterstützungsbeschluss gefasst werden. Sollte wiederum einer der vier schon bekannten Herren favorisiert und unterstützt werden, werde diese Entscheidung "voraussichtlich erst im August getroffen".

Für die AfD hatte die Fraktionsvorsitzende Sandra Weegels im Januar erklärt: "Wir werden keinen eigenen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters stellen, weil die Stadt durch die Festlegung auf die 'Klimaneutralität 2035' das gesamtheitliche Scheitern für die nächsten 14 Jahre bereits festgelegt hat. Wir wollen es niemandem aus unseren Reihen zumuten, diesen Kurs verwalten und verantworten zu müssen."

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