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»Ökoware ist gefragt«

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Bunte Vielfalt: Riesengroß ist die Auswahl an Stoffen und Zubehör auf dem Deutsch-Holländischen Markt. Foto: Jung © Jung

Der Deutsch-Holländische Stoffmarkt zog sich über die Flaniermeile Seltersweg und es war richtig was los. In Gießen bestehe sehr großes Interesse an der Veranstaltung, weiß der Fachmann.

Gießen Von Karstadt, jetzt Galeria Kaufhof, bis Kugelbrunnen zog sich der Deutsch-Holländische Stoffmarkt über die Flaniermeile Seltersweg und es war richtig was los. In Gießen bestehe sehr großes Interesse an der regelmäßigen Veranstaltung, wusste ein Händler aus Witten an der Ruhr. »Stoffe sind ein Luxusgut«, weiß der Fachmann und spricht Corona, Inflation, Krieg und die Energiekrise an. Doch die Leute, die sich sonntags auf den Weg in die Stadt machen, kaufen auch. Der Händler ist in der gesamten Bundesrepublik unterwegs und meint, in manchen Orten sei es »gruselig«. Nicht aber in Gießen und deshalb kommt er auch schon seit Jahren gerne an die Lahn.

Monika Balser aus Rödgen gehört zu den wenigen Frauen, die nichts kaufen. Sie schlendert einfach bei der warmen Sonne durch die Flaniermeile, ist auf der Suche nach einem Platz im Café und genießt einfach. Unterwegs trifft sie eine Frau, die nach einer besonderen Geldbörse sucht. Selbst machen ist in erster Linie das Motto bei diesen Märkten mit ihrem reichhaltigen Angebot: Stoffe, schöne bunte und seltene Knöpfe, Bänder und allerlei Zubehör aber auch fertige Ware. Und wie in jedem Jahr gibt es eine Nähmaschine zu gewinnen. »Preise verhandelbar, bitte freundlich gucken«, fordert ein Standbetreiber auf und freut sich hinter der Auslage über den Andrang. Gleich morgens um 10 Uhr standen schon die ersten Käuferinnen und Käufer vor den Ständen, geöffnet wurde um 11 Uhr.

Frank Körner aus Bochum genießt eine Tasse Kaffee und ein Kaffeestückchen, er kommt gerne nach Gießen und kennt den Berichterstatter. »Ökoware ist gefragt« verrät er und schaut seinem Angestellten, der voll in Aktion ist und mit guter Laune sein Handwerk meistert, belustigt zu. Die Leute würden bewusster kaufen, weiß der Stoffhändler. Statt zwei Meter Stoff, begnügen sich die Frauen, die gerne für Enkel oder Urenkel »produzieren« auch mal mit 70 Zentimetern. Nur das, was verbraucht wird, nimmt man mit. »Man kann zufrieden sein als Händler«, resümiert Körner seinen Verkaufsbesuch in der Universitätsstadt. Das schöne Wetter lockt natürlich, aber die Händler berichten auch davon, dass beispielsweise bei strömendem Regen in München der Andrang gut war. Wer wollte jetzt bei den sommerlichen Temperaturen schon an Winterstoffe denken?

»Die gute Seele«

Marko Krstic aus Essen veranstaltet den Markt, an dem je zur Hälfte Händler aus Deutschland und Holland um Kunden werben. 20 Prozent der Aussteller sind ihm gegenüber den vergangenen Jahren verloren gegangen. Optisch wurden die Stände jetzt so aufgebaut, dass man das auf den ersten Blick nicht sieht. Auch die Nachfrage sei weniger, gibt der Fachmann zu. Doch der Stoffmarkt in Gießen ist beliebt, Besucher aus Frankfurt, Kassel, Hanau, Marburg und Siegen nehmen den Weg auf sich. Sven Herder, der Verkäufer von Frank Körner bezeichnet Krstic als »die gute Seele des Marktes«. Er ist lustig, geht auf die Kundschaft zu und macht seinen Job gerne und mit Begeisterung, wie der Schreiber feststellt.

Verflogen ist der Ärger von Hans Joachim Narbutt, dem Mann, bei dem es eine ungeheure Vielfalt von Knöpfen gibt und der sich ansonsten auf den Gießener Stoffmärkten wohlfühlt. Im vergangenen Jahr musste er 55 Euro Strafe zahlen wegen verbotenen Parkens, doch jetzt war er schlauer, schmunzelt er. »30 Euro, wenn es sein muss«, frotzelt eine Kundin aus Butzbach, die sich auf das Nähen von Kinderkleidung spezialisiert hat und immer wieder gerne kommt. Der Wiesecker Alfred Weinelt ist einer der wenigen Männer, der sich die bunten Stoffballen und das Zubehör anschaut. Er ist nur aus Neugier hier, vielleicht findet er aber auch ein Accessoire für seine Modelleisenbahn, gibt er preis.

Ein kleines rotes Stück Stoff hat Pfarrerin Christine Specht in der Hand, damit geht sie auf die Suche, wo sie denn diese Qualität finden kann. Nicht nur an den Stoff- und Zubehörständen bildeten sich zeitweise Warteschlangen. Am Eisstand herrschte Hochbetrieb und in der Hähnchenbraterei kam für das Personal auch keine Langeweile auf.

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Auch besondere Knöpfe waren begehrt. Foto: Jung © Jung

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