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»ÖPNV fit machen«

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Seit 2007 fährt in Kassel die Regiotram. Ihre Einführung in Gießen wäre eine »langfristige Planungsangelegenheit«. Foto: dpa © dpa

Kriegt Gießen eine Regiotram oder eine Regio-S-Bahn? Das wird derzeit im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt geprüft.

Gießen. Wenn derzeit in der Stadt über die Verkehrswende gesprochen wird, geht es zumeist ums Fahrrad. Finn Becker von der Fraktion Gigg+Volt erinnert daran, dass es aber »auch auf einen Ausbau des ÖPNV, insbesondere des schienengebundenen, ankommt. Als Ergänzung zu einem starken Radverkehr in Gießen muss der ÖPNV für die zukünftigen Anforderungen fit gemacht werden.« Vor diesem Hintergrund hat der Rödgener den Magistrat nach dem aktuellen Stand einiger Projekte des Öffentlichen Personennahverkehrs gefragt. Dazu zählt auch die Einführung einer Vorortbahn oder Regiotram sowie neuer Bahnhaltepunkte im Stadtgebiet. Die Bahn »beziehungsweise die auf dem Stadtgebiet zu prüfenden neuen Bahnhaltepunkte wurden im Rahmen der städtischen Stellungnahme zum Regionalen Nahverkehrsplan (RNVP) des RMVs weitergegeben. Die Rückmeldung des RMVs fiel dahingehend jedoch zurückhaltend aus. Dennoch wird der Magistrat das Projekt weiterverfolgen und im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) weitergehend untersuchen«, antwortet Bürgermeister Alexander Wright.

Langfristige Planungen

Ausgangspunkt von Beckers Anfrage ist ein Beschluss der Stadtverordneten von Ende 2019. Das Papier bündelt zahlreiche Prüf- und Umsetzungsanträge der Agenda-Gruppe »Nachhaltige Mobilität«, nach deren Umsetzung sich der Stadtverordnete beim Bürgermeister erkundigt.

Ein zentraler Themenkomplex ist der schienengebundene ÖPNV. Zur Vorortbahn berichtet der Politiker von den Grünen weiterhin, dass »die Optionen und Ausgestaltungsmöglichkeiten einer ›Vorortbahn‹ (Regiotram, Regio-S-Bahn et cetera) im Rahmen des Erstellungsprozesses des Verkehrsentwicklungsplans umfangreich geprüft werden. Dieser Prozess befindet sich derzeit in der Erstellung.« Zudem sei die Einführung einer solchen Bahn in das städtische Mobilitätsangebot eine langfristige Planungsangelegenheit. Wright: »Aus diesem Grund wird das Thema vornehmlich im Verkehrsentwicklungsplan untersucht. Der Nahverkehrsplan, der für einen Planungszeitraum von fünf Jahren aufgestellt wird, hat einen zu kurzfristigen Planungshorizont für so ein Großprojekt.«

Zur Frage nach neuen Bahnhaltepunkten der Vogelsbergbahn im Stadtgebiet führt der Bürgermeister aus, dass Magistrat und RMV gemeinsam eine Machbarkeitsstudie zu Realisierungspotenzialen beauftragt hätten. »Die Studie befindet sich derzeit in der finalen Fertigstellung«, erläutert der Politiker. Näher untersucht würden die Punkte »Gießen Nord«, »Universitätszentrum«, »Marshallsiedlung«, »Monroestraße«, »US-Depot«, »Rödgen« und »Kleinlinden«.

Anbindung des Europaviertels

Ein weiterer Haltepunkt im Europaviertel lasse keine positive Kosten-Nutzen-Bewertung erwarten. »Stattdessen wird im Rahmen des neuen Nahverkehrsplans eine attraktivere ÖPNV-Anbindung des Europaviertels geprüft und angestrebt«, so der Politiker. Die Anregung nördlicher Zugänge am Haltepunkt Oswaldsgarten werde nicht umgesetzt. Kosten und Nutzen stünden in keinem günstigen Verhältnis. Die Fertigstellung der Studie zu den Bahnhaltepunkten werde im Laufe des kommenden Jahres erwartet.

Die von der Agenda angeregten Prüfung der Zweigleisigkeit von Vogelsbergbahn und Lahn-Kinzig-Bahn läuft in Teilen. Denn die »Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Vogelsbergbahn ((AGNV)« habe beim RMV kürzlich eine Machbarkeitsstudie beauftragt. Ihre Erstellung werde Jahre dauern. »Eine Zweigleisigkeit entlang der Lahn-Kinzig-Bahn ist nach Einschätzung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes aufgrund des derzeitigen Fahrgastaufkommens kein Thema«, informiert der Bürgermeister. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften Nahverkehr »Lahn-Kinzig-Bahn« und »Vogelsbergbahn« gebe es einen regelmäßigen Austausch mit Nachbargemeinden und Landkreisen, die an der Strecke liegen.

Zum Fragenkomplex Stadtbusse verweist der Bürgermeister ebenfalls auf Planungsprozesse. Die Neuordnung der Buslinien erfolge im Nahverkehrsplan. »Die Frage der Antriebsformen von Fahrzeugen wird im Rahmen des VEP umfangreich geprüft. Es liegen noch keine Ergebnisse vor«, verdeutlicht Wright.

Angesprochen auf den Stand der Planungen für die Sanierung der Grünberger Straße erinnert der Bürgermeister, dass für den Abschnitt von Berliner Platz bis zur Licher Gabel 2019 eine Machbarkeitsstudie beauftragt worden sei. Sie habe für den Straßenraum Aussagen zum Umbau unter der Berücksichtigung von Radverkehrsanlagen entwickeln sollen. »Schienengebundene Verkehrswege wurden dabei nicht berücksichtigt«, stellt Wright fest.

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