+
Die »Planersocietät« hat den Öffentlichen Personennahverkehr in den Blick genommen. Archivfoto: Scholz

Bus und Bahn in Gießen

ÖPNV in Gießen verbessern

Die »Planersocietät« hat einen Bericht zum Nahverkehrsplan in Gießen vorgelegt. Verbesserungen sind in den Ortsteilen nötig.

Gießen. Autos und Fahrräder. Wenn derzeit in der Stadt über die Verkehrswende diskutiert wird, stehen vor allem diese beiden Fortbewegungsmittel im Fokus. Bis jetzt: Für den Öffentlichen Personennahverkehr hat die »Planersocietät« aus Dortmund einen Zwischenbericht zum Nahverkehrsplan vorgelegt. Er wird derzeit fortgeschrieben: »Ziel der Neuaufstellung ist die Konzeption von Angeboten, die große Teile der Bevölkerung ansprechen und zu einem Umstieg auf Busse und Bahnen bewegen«, schreiben die Dortmunder. Im abgeschlossenen Teil ihres Berichtes, der in Zusammenhang mit dem Verkehrsentwicklung (VEP) steht, betrachten die Planer die aktuelle Situation des ÖPNV in Stadt und Umland.

Beim Auto kaum Veränderungen

Wichtiger Ausgangspunkt sind Untersuchungen zum Mobilitätsverhalten, die die TH Dresden 2018 ermittelt hat. Daraus ergibt sich, dass Gießener vier von zehn Wegen mit dem Auto zurücklegten. 20 Prozent der Strecken würden mit dem Fahrrad absolviert, jeder vierte Weg zu Fuß. .Auf den ÖPNV entfielen 13 Prozent. »Gegenüber 2013 hat sich insbesondere der Radverkehrsanteil von 15 Prozent auf 20 Prozent gesteigert. Beim Motorisierten Individualverkehr und ÖPNV gab es kaum Veränderungen, der Fußverkehr ist anteilig etwas zurückgegangen. Demnach zeigen sich Verschiebungen vor allem innerhalb des Umweltverbundes (Fuß, Rad, ÖPNV). Der Kfz-Verkehr hat hingegen anteilig kaum abgenommen; es ist hingegen anzunehmen, dass in absoluten Zahlen die Kfz-Wege in den vergangenen Jahren (zum Beispiel infolge der Pandemie) leicht zugenommen haben«, berichten die Planer. Schon bei Wegen ab drei Kilometer Länge werde das Auto zum vorherrschenden Verkehrsmittel. Bei Wegen mit einer Länge zwischen einem und drei Kilometer werde das Auto ebenso häufig wie das Fahrrad, bei Wegen ab fünf Kilometer Länge zu 75 Prozent der Pkw genutzt. »Der ÖPNV spielt erst bei längeren Wegen eine gewisse Rolle, insbesondere bei interkommunalen Wegen von drei bis fünf Kilometer Länge, die dann mit dem Stadtbus zurückgelegt werden, aber auch bei längeren Wegen ab zehn Kilometer Länge, bei denen überwiegend der Schienenpersonennahverkehr genutzt wird. Der geringe ÖPNV-Anteil bei Wegen zwischen fünf bis zehn Kilometer Länge weist darauf hin, dass ÖPNV-Verbindungen in das direkte Umland ausbaufähig und der Anteil bei entsprechenden Angeboten auch hier höher sein könnte«, so die Dortmunder.

Um deutliche Steigerungen von Bus und Co. bei den zurückgelegten Wegen zu erreichen, seien umfangreiche Maßnahmen notwendig. Dies gelte vor allem im Hinblick auf Angebot und Kapazitäten.

In der Rubrik »Analyse der ÖPNV-Qualität« nimmt die »Planersocietät« unterschiedliche Parameter in den Blick. Wie die Erschließungsqualität: 88 Prozent der bebauten Siedlungsfläche und etwa 95 Prozent der Bevölkerung in Gießen seien durch den ÖPNV erschlossen.

Defizite in den Randlagen

Insbesondere in der Innenstadt gebe es ein »sehr gutes und dichtes« Netz an stark frequentierten Haltestellen. Dies gelte jedoch nicht für die nördliche Innenstadt, die über keine solche Bushaltestelle verfüge. Gut erschlossen seien etwa die Strecke vom Waldstadion nach Kleinlinden oder der Schiffenberger Weg, während »Wieseck insgesamt vorwiegend befriedigend« abschneide. Defizite in der Erschließung macht das Büro dagegen in den Randlagen der Vororte aus. Unter dem Stichwort »Bedienungsqualität« verweisen die Dortmunder auf die hohe Fahrthäufigkeit in der Innenstadt montags bis freitags zwischen 6 Uhr und 20 Uhr. »Auch die Haltestellen auf den Achsen Frankfurter Straße, Krofdorfer Straße und Grünberger Straße sowie der Bereich rund um die Rathenaustraße/Schiffenberger Weg weisen mit einer durchschnittlichen Bedienungshäufigkeit von sechs bis neun Minuten eine hohe Qualität auf. Je weiter es aus der Stadt hinausgeht, desto geringer wird die Bedienungsqualität«, stellen die Planer fest. Als Beispiele nennen sie Verbindungen nach Rödgen oder Allendorf und Lützellinden, deren Betrieb bereits frühzeitig endeten. Für eine Analyse innerstädtischer Reisezeitverhältnisse hat das Büro die Fahrtzeiten ab Bahnhof, Berliner Platz und Philosophikum zu wichtigen Zielen in der Stadt unter die Lupe genommen. Einen eindeutigen Spitzenreiter gibt es nicht. Am Beispiel Bahnhof »fällt auf, dass das Rad auf einigen innenstadtnahen Relationen (Zahnklinik, Philosophikum), aber auch auf Verbindungen in die Ortsteile schneller ist als der ÖPNV. Gegenüber dem Pkw sind die Busse vor allem nach Rödgen, Wieseck, zum Berliner Platz oder zur Hessenhalle schneller. Auf Relationen in die Ortsteile Allendorf, Kleinlinden oder Lützellinden ist der Pkw allerdings das schnellere Verkehrsmittel.«

Mit dem Zwischenbericht sei die Bestandsaufnahme zum ÖPNV abgeschlossen. In nächsten Schritten soll etwa eine Zielkonzeption entstehen.

Das könnte Sie auch interessieren