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Ohne 3G-Nachweis endet die Fahrt

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Gießen. Die Fahrt in Richtung Wieseck endet abrupt am Behördenzentrum. Polizeibeamte begleiten eine blond gelockte Frau aus dem Bus der Linie 15 auf den regennassen Gehsteig. »Ich lasse mich doch nicht impfen, ich bin schwer krank«, schimpft sie vor sich hin. Ihre Begleiterin ist ruhiger, hört den Polizisten zu und reicht schließlich ihren Personalausweis hinüber.

Einen Corona-Impfnachweis oder ein aktuelles Testzertifikat kann sie hingegen nicht vorlegen. In Hessen müssen Fahrgäste seit dem 24. November in öffentlichen Verkehrsmitteln einen 3G-Nachweis erbringen, also belegen, dass sie gegen Covid-19 geimpft, negativ getestet oder genesen sind. Das Polizeipräsidium Mittelhessen und die Stadtwerke Gießen (SWG) haben am Dienstagnachmittag eine größere Kontrollaktion in den Stadtbussen durchgeführt. Aktionen wie diese wird es nun »in unregelmäßigen Abständen« häufiger geben, kündigt Polizei-Pressesprecherin Kerstin Müller an. Durch die vermehrte Präsenz soll in der Bevölkerung das Sicherheitsgefühl gestärkt und darüber hinaus deutlich gemacht werden, dass die Einhaltung der neuen Maßnahmen mehr als nur ein Vorschlag ist. Wer gegen die aktuellen Regelungen verstößt, muss nämlich mitunter tief in die Tasche greifen.

Ausgänge blockiert

Noch bevor der Bus seinen Haltepunkt erreicht, gibt ein SWG-Mitarbeiter dem Fahrer ein DIN A3-großes Zeichen: Die Türen sollen erst einmal geschlossen bleiben. Zum Stehen gekommen, positionieren sich die Polizisten grüppchenweise an den Ausgängen. Im Bus gehen Kontrolleure der SWG und des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) durch die Reihen und überprüfen nicht nur die Fahrscheine, sondern auch die Einhaltung der Maskenpflicht. Etwas weiter vorne am Bussteig fragen weitere Beamte in weniger voll besetzten Bussen nach Impfpässen, zertifizierten, tagesaktuellen Tests oder Genesungsattesten. Wer nichts davon vorweisen kann, wird zur Seite genommen. Den ersten Verstoß gegen die 3G-Regel ahndet die Polizei bereits nach wenigen Minuten. Die Einsatzkräfte berichten dennoch von »ganz guter Stimmung«, die Menschen seien durchweg kooperativ. Die Gründe für die Verstöße sind offenbar vielfältig. Eine Frau berichtet, ihren Impfpass vergessen zu haben, eine andere behauptet Gleiches von ihrem kürzlich durchgeführten Corona-Test und eine dritte beteuert, von den neuen Schutzmaßnahmen in Bus und Bahn nichts mitbekommen zu haben. Eine Schülerin kommt eigeninitiativ auf die Polizisten zu. Sie habe ihr Heft mit den in der Schule dokumentierten Schnelltests vergessen. Das Mädchen hat Glück, Schülerinnen und Schüler sowie Kinder bis zum sechsten Lebensjahr sind von den 3G-Regelungen in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgenommen. Wie hoch das Bußgeld bei fehlendem Nachweis ausfällt, ist laut Kerstin Müller unterschiedlich. »Wir versuchen das zuerst kommunikativ zu lösen«, betont die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mittelhessen. Tatsächlich könne sich ein Bußgeld aber auf mehrere tausend Euro belaufen.

Fahrgäste stärken

Rund 20 Einsatzkräfte der Polizeidirektion Gießen und der Bereitschaftspolizei sind an der knapp zweistündigen Kontrolle am Berliner Platz beteiligt. Mit der gemeinschaftlichen Aktion solle verdeutlicht werden, »dass wir die Einhaltung der 3G-Regeln in allen Buslinien immer wieder überprüfen und, wenn es erforderlich ist, auch gegen Verstöße vorgehen«, so Anne Müller-Kreutz, Leiterin des Nahverkehr-Services bei den SWG. Dies diene auch zur Stärkung derer, »die sich an die Regeln halten«. Die Fahrscheinprüfer hätten bislang keine negativen Erlebnisse geschildert, betont Müller-Kreutz. Vielmehr hätten Fahrgäste ihre Impfpässe sogar unaufgefordert vorgelegt und die Kontrollen ausdrücklich begrüßt.

Neben der Einhaltung der 3G-Regeln hatten die Beamten am Dienstag auch Schwarzfahrer im Blick. Hintergrund: Die Zahl der beim Polizeipräsidium Mittelhessen gestellten Anzeigen wegen des Erschleichens von Leistungen ist in diesem Jahr von 1265 auf 1682 gestiegen. Zur ebenfalls kontrollierten Maskenpflicht hat die Polizei-Sprecherin Positives zu berichten: »Der Mund-Nasen-Schutz ist in der Bevölkerung angekommen. Die Akzeptanz ist mittlerweile da.«

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