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»Ohne Förderung geht es nicht«

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Bei der Preisverleihung in Berlin ist auch das Kino Traumstern ausgezeichnet worden. Foto: Jan Winsdzus © Jan Winsdzus

Bei Preisen für Programmkino sind die beiden Betreiber des Kino Traumsterns, Edgar Langer und Hans Gsänger, immer mit an vorderster Front, so auch jüngst in Berlin vor wenigen Tagen.

Lich (bcz). Bei Preisen für Programmkino sind die beiden Betreiber des Kino Traumsterns, Edgar Langer und Hans Gsänger, immer mit an vorderster Front, so auch bei der feierlichen Preisverleihung der Kinoprogramm- und Verleiherpreise der Bundesregierung in Berlin vor wenigen Tagen. Kulturstaatsministerin Claudia Roth zeichnete 209 Programmkinos aus ganz Deutschland für ihr Vorjahresprogramm aus. Insgesamt überreichte die Staatsministerin Preisgelder in Höhe von 1,8 Millionen Euro.

Mit dabei war auch das Kino Traumstern, das für seine hervorragende Arbeit in den Kategorien Jahresfilmprogramm, gutes Kurzfilmprogramm und Dokumentarfilmprogramm ausgezeichnet wurde. Insgesamt erhielten sie dort eine Fördersumme von 17 500 Euro. In ihrer Rede versicherte die Kulturstaatsministerin, dass der Bund auch künftig verlässlicher Partner sein werde, wenn es darum gehe, das Kino in der Fläche und insbesondere das Arthouse-Kino auch in Konkurrenz zu den großen Streaming-Plattformen zukunftsfähig zu halten. In Hinblick auf die Energiekrise versprach sie weitere Förderinstrumente. Auch beim Hessischen Film- und Kinopreis, der in diesem Jahr Ende November vergeben wird, steht das Kino auf der Empfängerliste, wenngleich noch nicht veröffentlicht ist, wie hoch die Förderung in diesem Jahr ausfallen wird.

Vor der Preisverleihung steht die Beantragung der Fördergelder. Dies bedeutet immer eine genaue Dokumentation des Programms und der angebotenen Events. Ein Aufwand, der zwingend für die Betreiber notwendig ist. »Wir sind auf die Förderpreise angewiesen, denn von den Eintrittspreisen sind die Kosten nicht zu stemmen«, betonte Langer. Im Traumstern kostet eine normale Erwachsenenkarte acht Euro, die Kinderkarte fünf Euro. Diese Preise wollen die beiden Macher auch noch möglichst lange beibehalten, denn für sie ist Kino mehr als nur eine große Leinwand mit einer guten Beschallungsanlage. Kino ist für sie soziokultureller Begegnungsort. Daher bieten sie schon immer zusätzliche Events im Bereich von Lesungen, Musik und Kabarett an, um Menschen für sich zu gewinnen.

Die beiden Pandemiejahre mit den Betriebsschließungen sind nicht spurlos an ihnen vorübergegangen und nicht alle Programmkinos haben überlebt. So waren die Zuschauerzahlen bis einschließlich August sehr verhalten, seit September steigen sie langsam etwas wieder an.

»Seit Corona haben alle Kinobetreiber einen enormen Einbruch erlebt. Viele Menschen sind aus Furcht vor Ansteckung nicht mehr gekommen und sind auch jetzt nicht mehr sichtbar. Hinzu kommt die Angst vieler vor einer ungewissen Zukunft«, erläutert Langer. »Das ist nachvollziehbar.« Das Fernbleiben des Publikums trifft alle gleichermaßen. »Wenn wir untereinander unsere Zahlen vergleichen, dann stellen wir hier in Lich fest, dass es bei uns noch ganz passabel geht, im Vergleich zu anderen«.

Mittlerweile seien sämtliche Einsparpotentiale ausgeschöpft. »Reserven haben wir keine mehr«, merkte Gsänger an. Der Aufwand, den sie in ihrem Haus von jeher betreiben, ist enorm: Drei Vorstellungen pro Tag, hinzu kommen die Matinee-Vorstellungen am Sonntag, oftmals mit Live Performance oder Diskussionen mit den Filmemachern. »Wir haben diese Zusatzveranstaltungen eher noch verstärkt, um sichtbar für alle zu sein, um damit vielleicht auch wieder mehr Menschen ins Kino zu locken«. Daher bedankten sich beide sehr für die stetige Berichterstattung durch die hiesige Presse, auch dies würde seinen Betrag dazu leisten, dass man sie beachte. Diese kulturelle Vielfalt möchten sie auch weiterhin beibehalten und an der Preisschraube möchten sie eigentlich nur ungern drehen, damit Kino als kultureller Raum für alle erlebbar bleibt. Das ist ihnen enorm wichtig. Jeder kann mit einem Besuch dazu beitragen, dass diese kulturelle Institution, die es seit 39 Jahren gibt, auch weiterhin bestehen bleibt.

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