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»Panzer sind Ursache, nicht Lösung«

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Die Demonstranten, die dem Aufruf der Gießener Fridays for Future-Bewegung folgten, fanden klare Worte. © Czernek

Bewegende Worte: 220 Personen demonstrieren gegen den Krieg in der Ukraine auf dem Berliner Platz. Sie folgten einem Aufruf der Fridays for Future-Bewegung Gießen.

Gießen. »Wir leben in einem Wechselbad der Gefühle«, sagte die 18-jährige Schülerin Marie Shuta mit ukrainischen Wurzeln auf der »Fridays for Future«-Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine. Die Organisatorinnen ließen damit jemanden zu Wort kommen, der die Gefühle und die Zerrissenheit der ukrainischen Bevölkerung und ihrer im Ausland lebenden Verwandtschaft treffend und bewegend kund tat. Sie gab den vielen jungen Ukrainern, die hier leben und nicht wissen, wie es ihren Angehörigen geht, ein Gesicht.

Mit bebender Stimme erzählte sie von ihren Urgroßeltern, die in einem kleinen Dorf rund 50 Kilometer von Kiew lebten und die sie oft in ihren Ferien besucht hat. Bis vergangenen Montag hatte sie noch Kontakt zu ihnen, dann wurde die Stromversorgung getroffen und seitdem haben sie keine Elektrizität mehr. »Wir haben uns schon von einander verabschiedet«. Es ist ungewiss, ob sie sich jemals wieder sehen werden.

Ihre Familie emigrierte 1982 nach Deutschland. Sie fühlt sich angesichts des aktuellen Terrors oftmals hilflos, so Marie. Daher forderte sie alle dazu auf, sich zu engagieren. »Geht raus auf die Straße bei einer Demonstration, spendet, was ihr könnt, bietet Unterstützung an. Es ist nicht auszumalen. Was wäre, wenn wir an ihrer Stelle wären? Wer würde für uns kämpfen?« Recht spontan hatte die Gießener Gruppe »Fridays for future« für diese Demonstration am Donnerstagmittag auf den Berliner Platz eingeladen, der rund 220 Personen der unterschiedlichsten Gruppierungen folgten - von Punk über Klimaaktivistinnen bis hin zu Schülern und weiteren Personen, die sich mit den Zielen der Kundgebung solidarisierten.

Am Donnerstag fanden weltweit Demonstrationen für eine friedliche und gerechte Welt statt, die von der Bewegung «Fridays for Future« (FFF) initiiert wurden. In ihren Aufrufen forderten die Aktivistinnen dazu auf, auf fossile Brennstoffe zu verzichten, um so die Finanzierung des Krieges in der Ukraine zu stoppen.

Der Krieg habe nicht erst jetzt begonnen, sondern bereits 2014. Nur durch die Abhängigkeit von Öl und Gas sei es überhaupt zu diesem Krieg gekommen, daher müsse auch Schluss sein mit »Nord Stream 2«, ein für alle Mal, sagte die Sprecherin der Gießener FFF. Somit müsste eine der vielen Antworten auf den Krieg der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und der entschlossene Einstieg in die erneuerbaren Energien sein. Zudem forderte sie im Namen der Bewegung, die Gelder für die Bundeswehr zu stoppen, da sie das Leid der ukrainischen Bevölkerung nicht mindern könnten. »Aufrüstung, Panzer und Co sind die Ursache, nicht die Lösung von Kriegen und verursachen nur unermessliches Leid«. Darüber hinaus appellierte sie, dass allen Menschen, unabhängig davon, ob sie einen europäischen Pass hätten oder nicht, Schutz und Asyl gewährt werden müsse. »Offene Grenzen und Bewegungsfreiheit für alle. Wer vor Krieg, Naturkatastrophen und politischer Verfolgung flieht, muss in Europa Schutz finden können«.

Anschließend hatte jeder, der mochte, die Gelegenheit, sich öffentlich zu äußern. So schlossen sich beiden Hauptrednerinnen noch weitere kleinere Wortmeldungen an, in denen betont wurde, dass dies ein Krieg gegen Putin und nicht gegen Russland und das russische Volk sei. Einer der Sprecher forderte auf, auf Russisch zu verbreiten, dass die Soldaten ihre Waffen niederlegen sollten, denn Kriege können nur dann entstehen, wenn Soldaten ihn auch führen würden.

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