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Perioden verschieben sich

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Von: Lukas Jahn

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Dr. Gerald Moser erläutert die Funktionsweise der »Face«-Ringe, mit denen die erhöhte Konzentration von CO2 in der Luft sowie die Lufttemperatur simuliert werden kann. Foto: Jahn © Jahn

Auf der bald 25 Jahre bestehenden Lindener Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation erforschen JLU-Wissenschaftler Auswirkungen veränderter Rahmenbedingungen auf Pflanzen.

Gießen (ljh). Das Klima wird sich verändern: Mehr CO2 in der Luft, höhere Temperaturen, mehr Starkregenereignisse. Der Frage, welche Auswirkungen solche Veränderungen auf die Natur und Umwelt haben könnten, gehen in einem der weltweit ältesten Forschungsprojekte zu diesem Thema die Forscher des Instituts für Pflanzenökologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) nach.

Auf der seit bald 25 Jahren bestehenden Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation in Linden erforschen die Wissenschaftler Auswirkungen veränderter Rahmenbedingungen auf Pflanzen. Beim Tag der offenen Tür konnte sich nun anlässlich des Klimastreiks die interessierte Öffentlichkeit über die Arbeit und Erkenntnisse informieren.

Spurengase entscheidend

Ausgangspunkt bildete dabei die Einführung von Prof. Christoph Müller zur Zusammensetzung der Luft. Mittels eines Experimentes wurde der größte Bestandteil, der Stickstoff, vorgestellt. Für das Klima sind aber die nur sehr geringfügig vorhandenen Spurengase wie CO2 entscheidender. Eine 20-prozentige Erhöhung des CO2-Anteils von aktuell nur 0,04 Prozent wird für die Zukunft erwartet. Die Auswirkungen dieser Veränderung sowie der erhöhten Lufttemperatur und veränderter Niederschlagsrhythmen und -mengen werden auf der Station durch Langzeitexperimente untersucht.

Im phänologischen Garten werden anhand der Aktivitäten der Pflanzen verschiedene Phasen eines Jahres eingeteilt. Durch die langjährigen Beobachtungen konnte gezeigt werden, dass diese Perioden sich immer weiter Verschieben, so beginnt beispielsweise der Frühling immer früher. Im FACE-Experiment wird die Situation erhöhter CO2-Konzentration in der Luft simuliert. In mehreren Blechringen über das gesamte Gelände verteilt konnten ebenfalls schon einige Erkenntnisse gewonnen werden. So hat eine höhere CO2-Konzentration, wie sie circa 2050 erwartet wird, wohl keine Effekte auf die Artenvielfalt. Durch den »CO2-Düngereffekt« könnten die Erträge der Ernte sogar gesteigert werden, wenn auch die Futterqualität sinken dürfte. Trockenheit und Hitze dürften stärkere Gefahren für die Vegetation mit sich bringen, wie die interessierten Teilnehmer der Führung über das Gelände erfahren konnten.

In einer neueren Version kann zusätzlich Temperaturerhöhung simuliert werden, diese verändert nach ersten Erkenntnissen die Aktivität von Mikroorganismen. Neue Schaderreger könnten heimisch werden und durch Krankheiten dem Grünland schaden. Im Regenmanipulationsexperiment »RainMan« können die Auswirkungen zu erwartender arider Sommer beobachtet werden. Prognosen zeigen, dass es zukünftig in Sommern mehr Verdunstungen als Niederschlag geben dürfte. Mediterranes Klima in Linden sei zu erwarten, wie Prof. Müller bereits zu Beginn betonte. Weniger Regen im Sommer, mehr Regen im Winter und generell mehr Starkregenereignisse sind die Aussichten durch den Klimawandel. Spielerisch etwas über die Anlage lernen konnte Jung und Alt zudem bei verschiedenen Quizze zum Klima, Fakten zum Klimawandel konnten zudem an einer Station der »Scientists for Future« eingeholt werden.

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